Politik

Was macht das Bürgermeisteramt so attraktiv?

In acht Salzburger Gemeinden kommt es am Sonntag zur Bürgermeisterstichwahl. Doch was macht dieses Amt so begehrt? Die SN haben die Kandidaten zu Ihren Motiven befragt.

In eine spannende Verlängerung geht die Wahl in sieben Landgemeinden und der Stadt Salzburg: Die Wähler vergeben das Bürgermeisteramt am Sonntag in einer Stichwahl.

In drei Gemeinden trifft eine Frau auf einen Mann. In Seekirchen ist es die Amtsinhaberin, in Bruck und Straßwalchen starten Frauen aus der zweiten Position. Nach dem ersten Wahlgang gibt es im gesamten Bundesland nur eine Bürgermeisterin: Sonja Ottenbacher in Stuhlfelden.

Seit Einführung der Direktwahl 1994 gab es 42 Stichwahlen. Nur sechs Mal konnte sich der nach dem ersten Durchgang Zweite durchsetzen. Den größten Rückstand (12,4 Prozentpunkte) holte 2004 Franz Ensinger (SPÖ) in Unken auf.Stadt Salzburg: Die Neuauflage Schaden - PreunerSie standen sich 2009 schon in der Stichwahl gegenüber und sie kämpfen auch am Sonntag wieder um das Bürgermeisteramt: Heinz Schaden (SPÖ) und Harald Preuner (ÖVP).

Eines steht schon vor der Stichwahl fest: Es wird die letzte für Bürgermeister Heinz Schaden. Der 59-jährige Steirer hat angekündigt, dass er es nach dieser Funktionsperiode gut sein lassen will. Schaden amtiert seit 1999 im Schloss Mirabell. Damit ist er der längstdienende Bürgermeister der Stadt Salzburg - ganz egal, wie diese Stichwahl am Sonntag ausgeht. In jedem Fall ist Schaden der große Favorit, auch wenn er das selbst öffentlich nicht gerne hören will. Im ersten Wahlgang verpasste er die Absolute nur knapp um weniger als fünf Prozent.

Ganz anders ist die Ausgangslage bei seinem Kontrahenten. Nach der Wahlschlappe hofft die ÖVP zumindest noch auf einen Achtungserfolg von 30 bis 40 Prozent. Harald Preuner sah sich nach dem schlechtesten Wahlergebnis der Parteigeschichte in der Landeshauptstadt mit herber Kritik konfrontiert. Fragen nach einem möglichen Rücktritt schmetterte er ab. Preuner hat in den vergangenen beiden Wochen versucht, die Wähler der Neos, der FPÖ, der Bürger für Salzburg und des Team Salzburg auf seine Seite zu ziehen. Er will vor allem ein Gegengewicht zur Rot-Grünen Mehrheit im Rathaus herstellen. Eine Wahlempfehlung für die ÖVP gab es aber lediglich von Edi Mainoni (Team Salzburg).

Sorgen bereitet beiden die sich abzeichnende, niedrige Wahlbeteiligung. Für die Stichwahl wurden lediglich 3791 Wahlkarten bestellt - das sind um 15 Prozent weniger als noch 2009. Und schon damals fiel die Wahlbeteiligung beim Bürgermeisterduell mit 39 Prozent katastrophal aus. Mit ein Grund, warum das Duell Schaden gegen Preuner mit 54 zu 46 Prozent recht knapp ausfiel.Seekirchen: Grüner fordert BürgermeisterinIm ersten Wahlgang erreichte die Seekirchner Bgm. Monika Schwaiger (ÖVP) mit 41,3 Prozent fast doppelte so viele Stimmen wie ihr Herausforderer Walter Gigerl (20,7 Prozent) von der grünnahen Liste "Lebenswertes Seekirchen."Schwaiger kann auf den Rückhalt eines Personenkomitees mit 100 Mitgliedern setzen. Was würde die 57-Jährige im Fall einer Niederlage machen? "Ich bin kein Mensch, der den Hut drauf Hut. Ich bete, dass es sich ausgeht." Gigerl (54) sagt: "Ich kenne auch frühere ÖVP-Anhänger, die mich wählen werden." Im Falle seiner Wahl will sich der Uni-Mitarbeiter karenzieren lassen, um das Amt Vollzeit auszuüben.Straßwalchen: Ortschef hofft auf GeburtstagsgeschenkIn Straßwalchen ist am Sonntag Bgm. Fritz Kreil (1. Wahlgang: 47, 3 Prozent) Favorit im ÖVP-internen Duell gegen Ex-Vizebürgermeisterin Liselotte Winklhofer (59). Sie schaffte am 9. März immerhin 27,4 Prozent, ihre "Liste Straßwalchen"(6 Mandate) Platz zwei. Am Sonntag hofft sie auch auf die Stimmen der 5,3 Prozent Weißwähler vom 9. März. "Sollte ich verlieren, werde ich Erste Vizebürgermeisterin", sagt sie. Kreil hat ein Personenkomitee aufgestellt. Teil davon ist auch der im Ort wohnende Schauspieler Karl Merkatz. Kreil wird am Sonntag auf jeden Fall feiern: "Da werde ich 59. Der Wahlsieg wäre ein schönes Geschenk."Neumarkt: Personenkomitee vs. WahlempfehlungIn den zwei Wochen zwischen Wahl und Stichwahl hat der Neumarkter ÖVP-Vizebgm. Adolf Rieger 300 weitere Haushalte besucht. Er setzt auf sein Personenkomitee: "Das umfasst mittlerweile 100 Personen. Auch Maler Hans Weyringer ist dabei." Rieger (46) gilt mit seinen 45,7 Prozent im ersten Wahlgang als Favorit. Für eine Überraschung will SPÖ-Kandidat Jan Schierl (31) sorgen. Er erreichte am 9. März 31,2 Prozent und kann sich auf eine Wahlempfehlung der Neumarkter FPÖ (zuletzt 20,3 Prozent) stützen. Schierl: "Auf Gemeindeebene ist eine Kooperation mit der FPÖ anders zu sehen als im Bund. Da geht es um Sachpolitik."Rauris: Wahlempfehlung für HerausfordererIm ersten Wahlgang lag Bgm. Robert Reiter (ÖVP) 5,4 Prozent vor Peter Loitfellner (SPÖ). Roswitha Huber von der Wählergemeinschaft Rauris (WGR) wurde mit 17,9 Prozent Dritte und spricht sich jetzt für Loitfellner aus. In einem WGR-Postwurf wird der zwar nicht genannt, aber empfohlen, für eine Veränderung zu stimmen. Reiter ist dennoch zuversichtlich. Er sagt: "WGR und SPÖ haben schon bisher die Mehrheit und zusammengearbeitet. Es gibt seit zehn Jahren keine ÖVP-Absolute mehr."St. Martin bei Lofer: Optimismus bei
Stichwahl-ProfisIn St. Martin gibt es schon die dritte Stichwahl. Das ist Rekord in Salzburg. Bgm. Sepp Leitinger (ÖVP) und sein Cousin Willi Leitinger (WPS) treten dabei zum zweiten Mal gegeneinander an. Willi Leitinger sagt: "Viele wollen eine Veränderung." Das Team St. Martin hat eine Wahlempfehlung für ihn abgegeben. Sepp Leitinger glaubt dennoch an seinen Sieg. "Ich denke, die Leute wissen selbst, wenn sie wählen wollen. Wir haben noch einmal eine Aussendung und Hausbesuche gemacht."Wagrain: Langzeit-Ortschef kämpft um sein AmtEine riesige Überraschung brachte der erste Wahlgang in Wagrain. Bgm. Eugen Grader (ÖVP), seit 1999 Gemeindeoberhaupt, verpasste mit 47,1 Prozent gegen zwei Konkurrenten die absolute Mehrheit. 2004 und 2009 hatte er keinen Gegenkandidaten.
Graders Gegner ist Gemeinderat Josef Kreuzsaler (SPÖ). Er wird auch von der FPÖ unterstützt. FPÖ-Vertreter Johann Pessentheiner will so erreichen, dass der Ortschef abgewählt wird. Sowohl der ÖVP- als auch der SPÖ-Bewerber betonen, dass es zwischen ihnen keine persönlichen Probleme gebe. Heiße Themen im Wahlkampf waren Zweitwohnsitze und damit verbunden die für Einheimische hohen Baulandpreise, die Nutzung und Zukunft des Sportplatzes sowie der Standort für eine Aufbahrungshalle.Bruck: Die Kandidaten sind verstimmtRustikal ist das Duell zwischen Bgm. Herbert Burgschwaiger (SPÖ) und Vizebgm. Karin Hochwimmer (ÖVP). Burgschwaiger sagt, sie habe ihn persönlich angegriffen. Zudem seien unwahre Gerüchte gestreut worden, er hätte gesagt, zwischen den Ortsteilen Bruck und St. Georgen müsse eine Mauer gebaut werden. Burgschwaiger: "Wenn ich gewählt werde, gibt es keine Wadlbeißerei." Hochwimmer beklagt einen SPÖ-Postwurf, in dem angezweifelt wird, dass sie in ihrem Ressort die Aufträge objektiv vergeben habe, da ein Großteil der Bepflanzungsaufträge an die Firma ihres Mannes ging. Sie weist das zurück. Das bestätige auch der grüne Obmann des Überprüfungsausschusses.

(Sn-stv, Kain, Hei, Tau, Mayer)

Aufgerufen am 25.06.2018 um 02:34 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/was-macht-das-buergermeisteramt-so-attraktiv-3759241

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