Politik

Wasser für den Pool - wie Salzburger Gemeinden ihre Hydranten vor Zugriffen absichern

Mehr Verknüpfungen im Leitungsnetz sollen bei Engpässen helfen. Dem vorbeugen sollen Absprachen, wer wann seinen Pool befüllt.

Matthäus Wimmer ist Obmann der Wassergenossenschaft Schleedorf und des Dachverbands der Salzburger Wasserversorger. Er hat ein System entwickelt, das unerlaubte Zugriffe auf Hydranten der Gemeinden sichtbar machen soll. SN/Chris Hofer
Matthäus Wimmer ist Obmann der Wassergenossenschaft Schleedorf und des Dachverbands der Salzburger Wasserversorger. Er hat ein System entwickelt, das unerlaubte Zugriffe auf Hydranten der Gemeinden sichtbar machen soll.

Wie steht es um die Wasserversorgung in den einzelnen Gemeinden und Regionalverbänden? Können die erschlossenen Quellen und die dran hängenden Speicher und Leitungsnetze die Bevölkerung auch dann noch versorgen, wenn im Zuge des Klimawandels die Temperaturen weiter steigen und Dürreperioden häufiger vorkommen? Wie können sich Wassergenossenschaften bei Engpässen gegenseitig aushelfen?

Antworten auf diese Fragen liefern Studien, die das Referat Allgemeine Wasserwirtschaft des Landes in Auftrag gibt bzw. durchführt. Die bisher jüngste ist im Dezember fertiggestellt worden und beschäftigt sich mit der Versorgung des Pinzgauer Zentralraums, konkret in den Gemeinden Saalfelden, Zell am See und Maishofen. Eine weitere Erhebung zur Trinkwassersituation läuft gegenwärtig im Regionalverband Salzburger Seenland sowie den Gemeinden Hallwang, Eugendorf und Elixhausen.

Wassergenossenschaft... SN/karikatur: thomas wizany
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Gefahr von Engpässen

"Uns ist sehr wichtig, dass eine Krisensicherheit besteht und Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel gesetzt werden", sagt Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP). Die Wasserversorgung müsse daher in den Regionen auf mehrere Standbeine gestellt werden, um sich bei Engpässen "gegenseitig helfen zu können". Entsprechende Maßnahmen seien etwa bereits im Oberpinzgau, im Ennspongau und in Teilen des Flachgaus erfolgt.

"Beim Klimawandel haben wir stark die Tendenz, dass sich die Niederschlagsmengen nicht ändern, aber die Saisonalität", sagt Referatsleiter Theodor Steidl. Wenn es zu Dürreperioden im Sommer und Herbst komme und im Winter Niederschläge folgten, die nicht grundwasserwirksam seien - sprich in Form von Schnee -, könne es zu Engpässen kommen. Und die könnten zu Problemen führen, wenn im Frühjahr vielerorts private Schwimmbecken befüllt würden. "Wenn einer seinen Pool füllt, macht das nichts aus. Aber wenn viele gleichzeitig auf die Idee kommen, wird es eng", sagt Steidl. "Da ist unsere Empfehlung, dass es ein Poolbefüllungsmanagement gibt."

Illegale Wasserentnahmen: "Leute konnten nicht mehr duschen"

Ein "No-Go" sei hingegen, wenn Poolbesitzer Hydranten anzapften, um die Becken flott zu befüllen. Mittlerweile gebe es in vielen Gemeinden Maßnahmen, die genau das verhindern sollten, sagt Steidl. "Es fangen immer mehr Wasserversorger an, ihre Anschlüsse zu verplomben."

Dieses System hat Matthäus Wimmer entwickelt, der Obmann der Wassergenossenschaft Schleedorf und des Dachverbands der Salzburger Wasserversorger ist. In vielen Gemeinden sei es Usus gewesen, dass private Schwimmanlagen über die Hydranten befüllt worden seien. Er hat in der Vergangenheit Wasserversorger bereits dazu aufgerufen, über die Folgen von illegalen Wasserentnahmen aufzuklären. "Das ist so weit gegangen, dass Leute nicht mehr duschen konnten", sagt Wimmer.

"Wenn nicht ordentlich verschlossen wird, gehen Millionen Liter Wasser verloren"

Problematischer als die Entnahme sei aber eine unsachgemäße Bedienung der Anschlussstellen - nicht nur durch Privatpersonen. "Wenn nicht ordentlich verschlossen wird, gehen Millionen Liter Wasser verloren. Und das führt möglicherweise zur Zerstörung des Hydranten. Dann ist der möglicherweise bei einem Brand nicht mehr einsatzfähig." So seien in Schleedorf bei einem schadhaften Hydranten 1400 Liter stündlich versickert, in Wals-Siezenheim seien es 1800 Liter gewesen.

Dort habe die Gemeinde mit einer Verplombung der 245 Anschlussstellen reagiert, sagt Bürgermeister Joachim Maislinger (ÖVP). "Der Wassermeister und das Bauamt kontrollieren das regelmäßig." Wimmer sieht in solchen Lecks ein "Riesenproblem. Das sind die Mengen, die in der Wasserbilanz abgehen." Gerade wegen des Klimawandels müssten die örtlichen Versorger "mit der Ressource Wasser immer sorgfältiger umgehen".

Land sucht nach Schwächen im System

75 der 119 Gemeinden verfügen über eine eigene Wasserversorgung, hinzu kommen mehr als 500 Genossenschaften. Das Land will diese Strukturen aufrecht erhalten, ruft aber die Versorger dazu auf, sich in den Regionen gegenseitig zu vernetzen, um lokale Engpässe auszugleichen.

Für die drei Pinzgauer Gemeinden Saalfelden, Zell am See und Maishofen hat das Land kürzlich in einer Studie Schwächen und Verbesserungsmöglichkeiten erhoben. Bemängelt wurden mitunter erhebliche Verluste der ursprünglich eingespeisten Wassermengen.

Die Versorgung mit Trinkwasser sei im Bundesland insgesamt gut aufgestellt, betont Referatsleiter Steidl. Probleme gebe es höchstens in einzelnen Genossenschaften und bei EInzelversorgern in der Landwirtschaft.

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