Politik

Wer in Salzburg für die Präsidentschaftskandidaten auf die Straße geht

Der Wahlkampf zum Bundespräsidenten brachte einen Ansturm an ehrenamtlichen Helfern hervor. Zwei Salzburger haben den SN erzählt, warum sie sich für ihre Kandidaten einsetzen.

Die Stichwahl am 2. Oktober rückt näher und die Vorbereitungen in Wien sind in vollem Gange. Die Kampagnen-Verantwortlichen versorgen die Bundesländer mit Informationsmaterial wie Plakaten, Flyern, Kugelschreibern und ähnlichen Wahlgeschenken. Die Salzburger Grünen und die Salzburger FPÖ unterstützen ihre Kandidaten zum Teil auch finanziell.

Der Klubobmann der FPÖ Salzburg, Andreas Reindl, sagt: "Es gibt so gut wie keine finanzielle Unterstützung. Man beschränkt die Hilfe auf eine Handvoll Inserate, welche in Summe maximal 10.000 Euro kosten werden." Die Salzburger Grünen scheinen da großzügiger zu sein. Landesgeschäftsführer Rudi Hemetsberger spricht vom Zehnfachen dessen, was die FPÖ ausgeben will. Abgesehen von den Zuschüssen der Parteien sind es aber vor allem ehrenamtliche Helfer, Funktionäre und Aktivisten, die Arbeit für ihren Kandidaten leisten. Schließlich sind sie es, die ihre Freizeit auf den Straßen verbringen, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen und damit den politischen Diskurs fördern.

"Eine breite Bürgerbewegung spürbar"

Reindl und Hementsberger sprechen beide von einem merkbaren Anstieg der ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer in den vergangenen Monaten. Als möglichen Grund vermutet Reindl die polarisierende Wahl und die Flüchtlingskrise. Etliche Unterstützer seien den Parteien unbekannt, da viele Menschen von sich aus aktiv werden - auch ohne Parteimitglied zu sein oder regelmäßige Treffen zu besuchen.

Jeden Tag würden Menschen anrufen, auch Nicht-FPÖ-Wähler, die daran interessiert seien, als Wahlbeisitzer oder anderweitig zu helfen, erklärt Reindl. Den Leuten sei es ein Anliegen, sicherzustellen, dass es bei der Stimmenauszählung diesmal "mit rechten Dingen zugeht".

Einer jener ehrenamtlichen Funktionäre, der für Norbert Hofer werben, ist Dieter Hofer. Er ist Steuerberater aus Salzburg und seit mehr als dreißig Jahren ehrenamtlicher Funktionär. Warum? "Weil aktiv sein wichtig ist und ich nicht in zehn, zwanzig Jahren gefragt werden will, warum wir heute nichts gemacht haben", sagt er.

Dieter Hofer ist überzeugt, dass die Weltanschauungen der FPÖ "ein gedeihliches Zusammenleben fördern". Für ihn sei das Menschliche in Norbert Hofer wichtig, denn "er hat Größe und ist einer von uns". Als Funktionär sehe er sich als Bindeglied zwischen Bürgern und Mandataren. Auf der Schranne, am Grünmarkt oder bei Firmenbesuchen höre man sich an, was Bürgerinnen und Bürger zu sagen hätten.

Auf die Frage, wie es wäre, wenn Van der Bellen als Sieger hervorginge, sagt Dieter Hofer: "Für mich und das mir bekannte FPÖ-Umfeld wäre es keine Katastrophe. Van der Bellen wäre ein langweiliger Präsident."

Von katholischen Geistlichen bis hin zum KFZ-Mechaniker

Die Unterstützer des Teams von Alexander Van der Bellen halten in Salzburg wöchentliche Treffen ab. Organisiert werden diese von den Grünen, auch wenn Van der Bellen als unabhängiger Kandidat auftritt. Leonhard Hartinger ist einer, der für ihn anpackt. Er unterstützt das Team seit April nach der ersten Wahlrunde. In den regelmäßigen Treffen werden organisatorische Pläne für den weiteren Wahlkampf besprochen, es gebe aber auch Raum für offene Diskussionen, Vorschläge oder Kritik. Es herrsche ein intensiver Straßenwahlkampf, der laut Hartinger vor allem für unentschlossene Wählerinnen und Wähler eine Entscheidungshilfe sein könne.

"Direkte Gespräche sind wichtig. Wir machen auch Hausbesuche und versuchen, durch die Sach- und Wertepolitik Van der Bellens den Wählern die Ängste zu nehmen", sagt er und erzählt von seiner Arbeit: "Auch flüchtige Begegnungen, wie zum Beispiel an belebten Autokreuzungen, bei denen man Fahrern ein Weckerl und eine Infobroschüre durch das Fenster reicht, können positiv wirken und einen Eindruck hinterlassen."

Hartinger: "Der Kampfgeist ist jetzt noch stärker, die Motivation noch größer, ganz nach dem Motto: 'Van der Bellen mehr denn je'." Der Salzburger weist auf die große Bandbreite der Unterstützer hin, die hinter seinem Kandidaten stehen - von katholischen Geistlichen bis hin zu KFZ-Mechanikern.
Es war Hartinger noch nie ein so großes Anliegen, für einen Politiker zu kämpfen. Er findet, Van der Bellen könne mehr Menschen repräsentieren als Norbert Hofer.

Was der Freiwillige sich wünsche, falls doch Nobert Hofer zum Präsidenten gewählt werden würde? "Dieser möge ein Hüter der Verfassung sein und Österreich so gut es geht repräsentieren."

Quelle: SN

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