Politik

Wer sich in Salzburg das Wohnen nicht mehr leisten kann

Laut Caritas haben in der Stadt 2000 Menschen keine oder keine geeignete Wohnung. Auch der Mittelstand gerät zunehmend in Bedrängnis.

Beim Caritas-Sozialdienst „L 1“ am Bahnhof werden Menschen ohne Wohnung beraten. SN/ANTON PRLIC
Beim Caritas-Sozialdienst „L 1“ am Bahnhof werden Menschen ohne Wohnung beraten.

Für Markus H. waren die vergangenen Monate eine Zeit der Ungewissheit. Der 30-jährige Salzburger hatte im Frühjahr seine Arbeit verloren. Gleichzeitig musste er aus seiner Wohnung ausziehen, weil der Besitzer Eigenbedarf angemeldet hatte. "Am Tag der Delogierung hatte ich ein Vorstellungsgespräch, das mir vom AMS vermittelt wurde. Wegen der Delogierung konnte ich nicht erscheinen. Deshalb wurde mir die Arbeitslosenunterstützung gekürzt."

So war es für Markus H. so gut wie unmöglich, eine neue Wohnung zu finden. "Ich kam bei Freunden unter, auch in sozialen Einrichtungen musste ich schlafen. Ich wusste plötzlich nicht mehr, wie es weitergeht."

In Salzburg gibt es laut Caritas rund 2000 Menschen, denen es so geht wie Markus H. Sie haben keine Wohnung, wohnen mit ihren Familien in Unterkünften, die eigentlich viel zu klein sind, oder leben in unzumutbaren Zuständen - etwa in von Schimmel befallenen Räumen.

Knapp 500 dieser Personen sind Kinder oder Jugendliche, ergab eine Erhebung der Caritas. Wohnungslosigkeit nennt die Hilfsorganisation diesen Zustand. Und das ist nur die Spitze des Eisberges, wie die SN jüngst berichteten. 10.000 Mieter sind mittlerweile auf Wohnbeihilfe angewiesen. Seit 2010 haben sich die Ausgaben auf 30 Mill. Euro verdreifacht. "Das ist ein Bereich, wo wir nicht sparen können", sagt Landesrätin Andrea Klambauer (Neos). Die Mehrheit seien Österreicher. "Alleinerzieherinnen, Senioren, Familien. Leute, die arbeiten und verdienen, aber sich die Miete nicht mehr leisten können."

Unerreichbar . . . SN/karikatur: thomas wizany
Unerreichbar . . .

Aber zurück zu jenen, die es besonders arg getroffen hat: Die Geschichte von Markus H. sei eigentlich untypisch, sagt Sozialarbeiterin Karin Kainhofer-Rohrmoser, die den 30-Jährigen beim Bahnhofssozialdienst der Caritas berät. "Wir merken, dass die Menschen, die von Wohnungslosigkeit betroffen sind, immer mehr werden." Der Fall zeige, wie schnell es gehen könne. "Der Klient hat berichtet, dass er zum ersten Mal in seinem Leben ins Straucheln gekommen sei. Er hat eine abgeschlossene Ausbildung und bisher immer gearbeitet. Aber Bildung schützt nicht mehr vor solchen Situationen."

In den meisten Fällen kämen bei den Menschen mehrere Ursachen zusammen, sagt Peter Gstöttner, Leiter des Bahnhofssozialdienstes "L1". "Oft sind es psychische Probleme, Suchterkrankungen oder Arbeitslosigkeit, die hinter dem Wohnungsverlust stehen." Einige der Klienten seien nur kurzfristig in dieser Situation, andere hätten teilweise seit zehn Jahren keine Wohnung. In Salzburg müsse zwar niemand auf der Straße schlafen. Es gebe aber Personen, die Notschlafstellen nicht annehmen wollten.

Vizebürgermeisterin Anja Hagenauer (SPÖ) relativiert: In Salzburg gebe es 15.000 Wohnungen für geförderten Mietwohnbau, 200 bis 300 kämen pro Jahr dazu. "Wir vergeben jedes Jahr 300 bis 500 Wohnungen." Zudem gebe es Sondervergaben für Härtefälle. "Wenn die Person die Kriterien erfüllt, haben wir es immer geschafft, eine Wohnung zu vergeben." Andererseits würde schon die Hälfte die ihnen angebotene Wohnung ablehnen.

Caritas-Berater Gstöttner sieht, wie sich das Problem verschärft. Immer mehr Menschen bekämen wegen der galoppierenden Kosten keine Unterstützung. "Für Alleinstehende beträgt die Obergrenze 380 Euro pro Unterkunft. Wer den Markt kennt, weiß, wie viele Wohnungen da übrig bleiben. Die Richtsätze wurden seit zehn Jahren nicht valorisiert."

Für Markus H. gab es noch ein gutes Ende. Er fand eine kleine Garçonnière. Die Kaution von drei Monatsmieten konnte er mit Landeshilfe bezahlen.

Aufgerufen am 27.10.2021 um 11:59 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wer-sich-in-salzburg-das-wohnen-nicht-mehr-leisten-kann-63479779

Kommentare

Schlagzeilen