Wie in Salzburg aus einem Lüfterl ein Sturm wird

Brauchen wir Windenergie um jeden Preis? Oder wäre es klüger, die politische Energie in andere Schwerpunkte zu stecken?

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Standpunkt Hermann Fröschl

Politik muss gestalten, sie muss nötige Veränderungen in der Gesellschaft auch dann anpacken, wenn diese für Bürgerinnen und Bürger schmerzhaft sind. Dann aber muss sie die Notwendigkeit für solche Veränderungen erklären können. Sie muss intensiv informieren und für einen Gedankenaustausch auf Augenhöhe mit den Bürgern sorgen. Geschieht das nicht oder zu wenig, wirkt die Politik rasch wie ein Missionar, der alles besser weiß und den Menschen Entscheidungen aufs Auge drückt, obwohl diese das nicht wollen.

Die Krise der Grünen in Österreich hängt auch mit dem Umstand zusammen, dass sie viel zu oft den Eindruck erweck(t)en, alles besser zu wissen und die Menschen belehren zu wollen. Nicht nur, aber auch deshalb flogen sie aus dem Parlament in Wien. Nicht nur, aber auch deshalb verloren sie in Salzburg mehr als die Hälfte ihrer Wähler.

Ein aktuelles Beispiel aus Salzburg zeigt, dass sie vom Missionieren nicht so recht lassen können. Auf Biegen und Brechen versuchen sie, die ersten Windräder im Land durchzusetzen. Sie stoßen dabei aber auf erbitterten Widerstand, auch weil die Menschen nicht verstehen, warum ein Land, das vom Tourismus lebt, das voller Holz und Berge ist, auf jene Energieform setzen soll, die bekannterweise für das flache Land prädestiniert ist. Diese simple Frage wird von den Grünen und jenen, die für die Windkraft eintreten, nicht ausreichend erklärt. Und selbst das Energieleitbild, das sich das Land Salzburg verpasst hat, strotzt diesbezüglich nicht vor Überzeugung. Die Windenergie könnte demnach bestenfalls acht Prozent zur Energieproduktion beisteuern, und realistisch ist vermutlich maximal die Hälfte. Das ist höchst bescheiden und führt angesichts der heftigen Widerstände zur Frage, ob die politische Kraft nicht in anderen Bereichen viel klüger und besser eingesetzt wäre - etwa mehr Anreize zu schaffen, den Energieverbrauch insgesamt zu senken. Oder die katastrophale Lage rund um jene Hackschnitzelwerke zu klären, die mit hohen Investitionen errichtet wurden und jetzt de facto stillstehen, weil sich ihr Betrieb nicht mehr rechnet.

Nein, und da muss man Landeshauptmann Wilfried Haslauer recht geben: Salzburg braucht keine Glaubenskriege um die Windkraft. Es braucht pragmatische Lösungen. Wenn ein Projekt Sinn hat und Zustimmung findet - bitteschön. Aber weder Salzburg im Allgemeinen noch der Lungau im Speziellen müssen mit Windkraft zwangsbeglückt werden.

Aufgerufen am 18.09.2018 um 02:09 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wie-in-salzburg-aus-einem-luefterl-ein-sturm-wird-39877312

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