Politik

Wie soziale Medien Wahlen beeinflussen

Die persönlichen Spuren im Internet können weitreichende Folgen haben. Eine Pinzgauer Veranstaltungsreihe weist auf die Gefahren hin.

US-Präsident Donald Trump ist das Musterbeispiel. Er hat das geschickt gemacht. "In der letzten Phase des Wahlkampfes setzte er vor allem auf die Demobilisierung von Clinton-Wählern. Er hat ganz gezielt Fake News - oder aus historischen Zusammenhängen herausgelöste Nachrichten - gesendet", sagt Kristina Scheuermann, Politikwissenschafterin und Kommunikationsberaterin.

Die Spuren, die jeder Nutzer in sozialen Netzwerken und Suchmaschinen hinterlässt, lassen vielerlei Rückschlüsse zu. Es entsteht ein Profil einer Person, gefilterte Nachrichten prasseln in der Folge auf den Nutzer ein - in der sogenannten Echokammer, in der man in seiner Wahrnehmung laufend bestätigt wird, andere Perspektiven bleiben auf der Strecke. Welchen Einfluss hat das digitale Geschehen auf das reale Verhalten, wie beeinflusst es Wahlen? Darüber wurde vorige Woche im Congress Saalfelden als Teil der Veranstaltungsreihe unter dem Titel "Alles Fak(t)e(n) - Das Internet als politischer Ort" diskutiert.

Hysterie ist "übertrieben", der politische Diskurs "erschwert"

Scheuermann: "Würde ich für die SPD operieren, könnte ich einer schwangeren Frau in Berlin einen Beitrag anzeigen - in dem beschrieben wird, dass sich die Partei für kostenlose Kita-Plätze einsetzt." Das sei demokratiepolitisch problematisch, dürfe aber auch nicht überschätzt werden. Die teils entstandene Hysterie sei für den deutschsprachigen Raum übertrieben. Auch Politikwissenschafter Franz Fallend will den sozialen Medien in ihrem Einfluss auf Wahlen kein zu großes Gewicht zuschreiben - fügt aber an: "Es ist unbestritten, dass sie immer wichtiger werden. Bei der österreichischen Bundespräsidentenwahl ist darüber zum Beispiel sehr viel an Mobilisierung passiert. Bis einige Wochen vor der Wahl hat man eigentlich gedacht, dass es der Herr Hofer werden wird."

Der Einfluss sozialer Medien auf Wahlentscheidungen werde tendenziell stärker werden, sagt Fallend. Es komme auf die Entwicklung der Medienlandschaft an. Was ihm Sorge bereitet: "Wie simpel es Donald Trump schafft, die Glaubwürdigkeit etablierter Medien infrage zu stellen, indem er sämtliche Kritik an sich abperlen lässt und sagt: Nicht ich bin derjenige, der Halbwahrheiten erzählt, sondern ihr. Damit wächst die Unsicherheit, welchen Informationen man trauen kann. Das erschwert in weiterer Folge den politischen Diskurs. Ich traue mich nicht vorherzusagen, ob und wann es eine Gegenbewegung gibt und Qualitätsmedien sich wieder durchsetzen."

Gerhard Rettenegger (ORF Salzburg) verweist auf eine Studie: "Vor der deutschen Bundestagswahl 2017 hat ein Forscherteam ein halbes Jahr lang die politische Kommunikation in sozialen Medien untersucht. Das Ergebnis gibt zwar keine Auskunft, ob soziale Medien das Wahlverhalten beeinflussen. Es gibt aber die Erkenntnis, dass die Struktur, speziell von Facebook, die Art und Weise von politischer Kommunikation verändert." Das beeinflusse die Meinungsbildung - "damit wohl zumindest in gewisser Weise das Wahlverhalten."

Niko Alm, Geschäftsführer der Rechercheplattform "addendum" und ehemaliger Abgeordneter des Nationalrats (Neos), beantwortet die Frage, ob soziale Medien Wahlen beeinflussen, mit einem klaren "Ja". "Soziale Medien sind die Menschen und Organisationen selbst. Sie sind es, die in sozialen Netzwerk-Infrastrukturen Profile anlegen und Inhalte teilen. So beeinflussen soziale Medien heute noch in einem wesentlich größeren Ausmaß, als das früher der Fall war."

Gefragt: "Bio-Bewusstsein" beim Nachrichtenkonsum

Adrian Lüders vom Institut für Psychologie der Universität Salzburg zeichnet eine Analogie zum Einkaufen: "Ich hoffe, dass es ähnlich wird wie bei der Lebensmittelbeschaffung. Dass alle kritischer werden im Umgang mit Informationen, dass mehr darüber nachgedacht wird, woher man sie bezieht und inwieweit man sich damit auseinandersetzt." Rettenegger dazu: "Auch 2018 sind nicht alle Menschen bereit, Bio-Lebensmittel zu kaufen. Aber viele tun es. Ein solches Bewusstsein würde uns auch im Journalismus helfen. Das müssen wir in gewisser Weise wecken."

Das Bildungszentrum Saalfelden, die Volkshochschule Salzburg, das Bildungswerk und das Institut für Medienbildung Salzburg nahmen sich des Themas an und organisierten mehrere Veranstaltungen. Es gibt noch weitere (siehe rechts). Sabine Aschauer-Smolik sagt: "Wir spüren viel formuliertes Interesse. Sich aber wirklich vertiefend darauf einzulassen und Veranstaltungen zu besuchen - da ist noch eine Kluft. Dafür muss das Problem offenbar noch größer werden."

Aufgerufen am 22.09.2019 um 10:45 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wie-soziale-medien-wahlen-beeinflussen-29511898

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