Politik

Wie viel Geld kostet der Stau in Salzburg die Wirtschaft?

Für Unternehmen kann das Stauchaos in Salzburg in die Millionen gehen. Das zeigt ein Fall aus dem Flachgau. Auch andere Auswirkungen machen den Betrieben das Leben schwer.

Während das Verkehrschaos in und um Salzburg die Bürger vor allem nervt, geht es für Betriebe oft auch um viel Geld. Hermann Költringer, Sprecher der Augustin-Quehenberger-Group: "Die Stausituation mit der Teilsperre des Lieferinger Tunnels kostet uns, hochgerechnet auf ein Jahr, einen Millionenbetrag. Dazu kommen 600.000 Euro für die zusätzlichen Grenzkontrollen."

Salzburgs führende Logistikfirma mit Zentrale in Straßwalchen hat allein 50 Nahverkehrs- und 100 Fernverkehrs-Lkw, die in Salzburg unterwegs sind oder durchfahren müssen.

Ein Grund für die hohen Staufolgekosten bei Quehenberger - mit 480 Mitarbeitern in Salzburg und 2700 weltweit - sind auch die Lenkzeit-Vorschriften: Denn die Fahrer müssen alle 4,5 Stunden eine Pause machen und dürfen maximal neun Stunden am Steuer sitzen. "Daher gehen sich manche Touren nicht mehr an einem Tag aus", sagt Költringer.

Weiteres Problem sei die Belieferung der Geschäfte zwischen sechs und neun Uhr früh: "Da ist auch Morgenspitze im Pendlerverkehr. Da kommen unsere Touren oft aus dem Gleichgewicht."

Als Abhilfe fordert Költringer eine weitere Brücke über die Salzach nach Bayern. "Und die großen Einfahrtsschneisen in die Stadt brauchen bessere Öffis."

Der IV-Präsident fordert den Gitzentunnel

Der Präsident der Salzburger Industriellenvereinigung und Chef des Pharmakonzerns Jacoby in Hallein, Peter Unterkofler, klagt: "Der Stau führt mittlerweile zu Einschränkungen des Wirtschaftswachstums. Besonders merken wir das an der B156 zwischen Bürmoos und Anthering." Dort gäbe es genug Flächen, die gewerblich nutzbar seien. "Wenn es aber um die Bebauung geht, bekommen die Betriebe ein negatives Verkehrsgutachten, weil sie neuen Verkehr erzeugen." Unterkofler fordert einen Ausbau der Nordspange zwischen B156 und Autobahn samt Gitzentunnel. "Aber wir brauchen auch eine Lösung beim öffentlichen Verkehr, müssen die Park-&-Ride-Situa tion verbessern und wollen den Ausbau der Schiene."

Spar plant Verzögerungen durch Staus ein

Bei Spar Österreich habe man aufgrund langjähriger Stau-Erfahrungen Verzögerungen in der Logistik schon eingeplant, sagt Sprecherin Nicole Berkmann: "Unsere Märkte in Salzburg werden von der Zentrale in Wörgl beliefert. Die fahren täglich über das Deutsche Eck. Da hat es in der Vergangenheit immer irgendwo gestaut." Berkmann geht aber davon aus, dass mittlerweile das Image der gesamten Stadt Salzburg unter dem Stau leide.

Als Folge habe man bei Spar schon vor 15 Jahren begonnen, dass speziell große Standorte wie der Europark so gewählt wurden, dass sie gut mittels Öffis erreichbar seien: "Das hat sich bewährt." Wachstumsbremse sei der Stau bis dato noch keine gewesen. Berkmanns Conclusio: "Händler leben von der Erreichbarkeit. Und man kann nicht alles mit dem Obus nach Hause bringen." Das Problem sei aber wohl für Innenstadtbetriebe noch größer.

Der Blaue-Gans-Chef fordert einen Öffi-Ausbau

Andreas Gfrerer, Chef des Hotels Blaue Gans in der Getreidegasse, sieht das nicht unbedingt so: "Der Stau ist für unser Geschäft nicht förderlich. Aber ich will das Thema nicht größer werden lassen, als es ist." Gfrerer, der auch Obmann des Altstadtverbands ist, ortet das größte Verkehrsproblem im Salzburger Umland und fordert einen Öffi-Ausbau. Dann würden viele Pendler umsteigen, glaubt er, schränkt aber gleichzeitig ein: "Es würde nicht funktionieren, meine Hotelgäste darauf anzusprechen, auf einem Park-&-Ride-Platz das Auto stehen zu lassen. Dann fahren sie woanders hin." Selbiges gelte für Einkaufstouristen aus Bayern. Als konkrete Maßnahme ist ihm der Ausbau der Mönchsberggarage am wichtigsten. "Es darf keine weiteren Belastungen für Autofahrer geben. Eine Citymaut lehnen wir klar ab."

Österreicher stehen pro Jahr 25 Stunden im Stau

Laut Berechnungen des ÖAMTC stehen Österreichs Autofahrer pro Jahr 25 Stunden im Stau, was Kosten von bis zu sechs Milliarden Euro verursache. Das "Salzburger Fenster" hat das auf Salzburg heruntergebrochen und Staukosten von 600 Euro pro Bürger und Jahr errechnet.

Geschäftsfrau bringt Kapuzinerbergtunnel wieder ins Gespräch

Brigitte Hirschegger, Inhaberin der Damenmoden-Boutique Via Venty in der Linzer Gasse, merkt auch, dass Kundinnen immer öfter über eine schwierige Erreichbarkeit ihres Geschäfts klagen. Ihr wäre der Kapuzinerbergtunnel samt Garage im dortigen Berg ein Anliegen. Die stellvertretende Obfrau der Sparte Handel in der Kammer versucht, mit besonderem Service zu helfen, wenn staugeplagte Kundinnen viel zu spät ins Geschäft kommen: "Ich habe bis 18.30 Uhr offen, bin aber auch schon bis 20 Uhr im Geschäft gewesen. Denn eine Kundin, wegen der man länger offen hält, kauft auch."

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