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"Wir sind kein Tantenverein, der mit Kindern spielt und bastelt"

Die Leiterin des Kindergartens Gebirgsjägerplatz in Salzburg im Interview.

Symbolbild. SN/pixabay
Symbolbild.

Das Personal der privaten Wiener Kindergärten geht am Dienstag erstmals auf die Straße, um für kleinere Gruppen und bessere Arbeitsbedingungen zu demonstrieren. Die Einrichtungen bleiben von 6 bis 12.30 Uhr geschlossen. Zwei Tage später demonstriert das Personal der öffentlichen Kindergärten.

Kindergartenleiterin Nina Figallo aus Salzburg hofft, dass der Streik über die Grenzen von Wien hinaus ein Weckruf ist, um der Öffentlichkeit vor Augen zu führen, dass berufstätige Eltern ohne die Arbeit der Pädagoginnen aufgeschmissen wären. "Wir gewährleisten die Vereinbarkeit von Familie und Beruf." Vielen sei nicht bewusst, dass Kindergärten und Krabbelgruppen frühkindliche Bildungseinrichtungen seien, in denen gut ausgebildete Pädagoginnen - oft mit Zusatzqualifikationen - tätig seien. "Unsere Arbeit wird als selbstverständlich angesehen, dabei begleiten wir Kinder in einer der wichtigsten Entwicklungsphasen überhaupt." Was in der frühkindlichen Bildung verabsäumt werde, sei später nicht mehr aufzuholen. "Wir sind kein Tantenverein, der mit den Kindern spielt und bastelt und sie bespaßt", sagt Figallo. Sie ist seit 15 Jahren im Beruf, seit September leitet sie den städtischen Kindergarten Gebirgsjägerplatz. Nur zwei der 50 betreuten Kinder haben keinen Migrationshintergrund, drei Kinder werden integrativ betreut.

Kürzlich hat Figallo beim Land einen Kurs absolviert, in dem der Umgang mit autistischen Kindern gelehrt wird. Die Zahl von Kindern mit besonderen Bedürfnissen steige stetig, sagt Figallo. Groß sei auch die Erwartungshaltung der Eltern. "Wir tragen sehr viel Verantwortung, ernten aber im Gegenzug wenig Anerkennung." Die Herausforderung sei, Kinder, die daheim nicht gefördert würden, vor dem Schuleintritt auf dasselbe Niveau zu bringen wie die anderen Kinder. Immer mehr Familien würden Aufgaben an den Kindergarten auslagern. "Viele junge Kolleginnen wollen sich das nicht mehr antun, sie scheuen auch die große Verantwortung, die man als Gruppenführende hat." Wer im Kindergarten arbeite, müsse sehr belastbar und stressresistent sein. Die Größe der Gruppen und der Personalschlüssel gehörten dringend verbessert. "Die Bedingungen, unter denen wir arbeiten, sind demotivierend."

Aufgerufen am 28.10.2021 um 10:55 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wir-sind-kein-tantenverein-der-mit-kindern-spielt-und-bastelt-110697346

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