Politik

Wo Frauen in Salzburg Geld liegen lassen

Einkommen, Bildung, Kinderbetreuung: Die Entwicklung zu mehr Gerechtigkeit verläuft zäh.

Frauen leben in Salzburg um 4,7 Jahre länger als Männer, seit 2002 stellen sie die Mehrheit der Hochschulabsolventen und sogar in den männerdominierten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) ist ihr Anteil seit 2009 gestiegen - zwar nur von 15,6 auf 17,5 Prozent, aber immerhin.

Dennoch steigen Frauen ökonomisch betrachtet schlechter aus: 100 Euro auf dem Gehaltskonto eines Mannes stehen in Salzburg nur 81,60 Euro auf dem Konto einer Frau gegenüber. Der Vergleich ist teilzeitbereinigt und entspricht einem Jahresvollzeitäquivalent.

Dass Frauen in der Pension dann nur mit durchschnittlich 994 Euro auskommen müssen, während Männer immerhin 1675 Euro Pension erhalten, ist eine Folge dieser Gehaltsschere - hängt aber auch mit dem hohen Teilzeitanteil weiblicher Arbeitnehmer zusammen.

Nur 29,7 Prozent der Kinderbetreuungseinrichtungen in Salzburg haben neben weiteren Kriterien mindestens 45 Stunden pro Woche geöffnet und maximal 25 Schließtage pro Jahr. Damit sind sie mit Vollzeitjobs beider Elternteile vereinbar. "Mit durchschnittlich 27,7 Schließtagen sind wir da schon nahe dran", betont Neos-Landesrätin Andrea Klambauer.

Auch beim Ausbau sei im letzten Jahr einiges weitergegangen. "Wir haben 668 zusätzliche Betreuungsplätze geschaffen. Mit einer Betreuungsquote von 24,5 Prozent der unter 3-Jährigen nähern wir uns dem Barcelona-Ziel von 33 Prozent an. Und ja: Wir müssen noch besser werden", sagt Klambauer.

In den ersten Jahren nach einer Kinderkarenz kehren viele Frauen auf eigenen Wunsch in Teilzeit zurück, später schaffen sie den Sprung auf einen Vollzeitarbeitsplatz oft nicht. Hinzu kommt, dass es in traditionell weiblichen Branchen wie dem Handel schwierig ist, überhaupt einen Vollzeitjob zu finden.

Solange nicht auch in den Köpfen der Frauen ein Umdenken stattfinde, werde sich an der Situation nicht viel verändern, sagt Daniela Diethör, Geschäftsführerin des Kompetenzzentrums Frau&Arbeit. Zum einen würden immer noch viele Frauen in Niedriglohnbranchen arbeiten.

Zum anderen sehen sie sich immer noch als Dazuverdiener, die sich um die Familie kümmern, und wären auch mit einem geringen Gehalt zufrieden. "Seit der Einführung des Pensionskontos sehen Frauen, wie wenig Pension sie erhalten werden. Und dann realisieren sie, dass sie zu alt sind, um das jemals noch aufholen zu können", so Daniela Diethör.

Es liege auch an den Männern, ihren Anteil an der Familienarbeit zu übernehmen, fordert Andrea Klambauer. Und: Oft fehle es bei den Frauen auch an Bewusstsein dafür, was langjährige Teilzeitarbeit für das Lebenseinkommen bedeute. Zudem sei die Möglichkeit des Pensionssplittings zu wenig bekannt. "Das sollte man weiterentwickeln", fordert Klambauer.

Manches heilt auch die Zeit. Denn heute würden junge Männer und junge Frauen mit gleichem Gehalt einsteigen, sagt Gernot Filipp, Leiter der Landesstatistik. Das wiederum führe dazu, dass auch junge Väter eher bereit seien, in Kinderkarenz zu gehen. Der Frauenüberhang bei den Uni-Absolventen werde zu mehr Gerechtigkeit bei den Einkommen beitragen - wenn sich Frauen verstärkt für MINT-Berufe entscheiden. "Die Entwicklung ist zäh, aber sie findet statt und das wird man in den kommenden Jahren an den Daten sehen können", versichert Gernot Filipp.

Daten & Fakten
Fast jede zweite berufstätige Frau arbeitet Teilzeit
47,2 Prozent der berufstätigen Frauen arbeiteten 2017 Teilzeit, bei den Männern war es etwa jeder Zehnte (9 Prozent).

900.000 Euro weniger. Bleibt eine Frau, die in Vollzeit 1560 Euro brutto verdient hat, nach zwei Jahren Karenz zu Hause bis die Kinder etwa 14 Jahre alt sind und arbeitet dann 20 Wochenstunden, verliert sie 900.000 Euro Lebenseinkommen gegenüber einer Frau, die nach der Karenz zwei Jahre Teilzeit und danach Vollzeit arbeitet.

Aufgerufen am 27.11.2020 um 12:33 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wo-frauen-in-salzburg-geld-liegen-lassen-61969207

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