Politik

Wohin können Hallein und Salzburg noch wachsen?

Im Zentralraum werden die meisten neuen Wohnungen gebaut. Wo sie entstehen, kann nur bedingt gesteuert werden.

Im Jahr 2035 sollen in Salzburg annähernd 575.000 Menschen leben. Doch wo sollen die eigentlich alle hin? Wo sollen sie Wohnungen oder Häuser bauen oder mieten? Kurz gesagt: Wo soll Salzburg noch wachsen?

Das Thema brennt unter den Nägeln. Wo viel gebaut wird, gibt es auch viel Protest. Wie zum Beispiel im Halleiner Stadtteil Rif. Dort leben mehr als 3700 Menschen - fast so viele wie in Anif. Die Rifer prangern an, dass die Lebensqualität in ihrem Stadtteil verloren gehe.

Zu ihnen gehört auch Claudia Gadermayr. Die gebürtige Halleinerin hat vor 24 Jahren eine Wohnung in Rif bezogen. "Hier war es damals so grün, auf der Straße konnte man spazieren gehen, weil nur wenige Autos unterwegs waren, und mein Sohn hat auf dem Heimweg von der Schule stundenlang am Reischenbach Staudämme gebaut", sagt sie.

Neues Wohnprojekt "bringt das Fass zum überlaufen"

Beim Kauf der Wohnung seien viele Versprechen von der Stadtgemeinde gemacht worden. "Ein Nahversorgerzentrum mit Arzt, Geschäft, Post, etcetera." Doch Infrastruktur sei keine gekommen. "Alles was wir haben, ist eine Bäckerei, und die sperrt um 11 Uhr zu. Statt Infrastruktur sind immer nur noch mehr Wohnungen gebaut worden", bedauert sie. Rif sei zur Endlos-Baustelle geworden. Der Verkehr nehme ständig zu, inklusive morgendlicher Staus.

Was jedoch für sie das Fass zum Überlaufen gebracht habe, sei ein neues Wohnbauprojekt am Webereiweg. Dort sollen auf 4450 m2 weitere 50 Wohnungen gebaut werden. "Das ist zu viel. Die Bebauungsdichte soll auf 2,0 gesenkt werden", fordert sie. Dem schließt sich auch der Stadtteilverein Treffpunkt Rif an. Eine Petition wurde aufgelegt.

Bebauungsdichte in Rif verglichen mit der Stadt Salzburg

Die Probleme in Rif sind der Stadtgemeinde bewusst: "Rif ist einfach extrem dicht verbaut und es gibt wenig Infrastruktur", sagt Baustadtrat Max Klappacher. Beim geplanten Projekt am Webereiweg habe man die Anrainer stark eingebunden. "Wir haben da jetzt eine Bebauungsdichte von 2,4. Maximal möglich gewesen wäre 3,1, der untere Wert liegt bei 2,2, aber da kommen wir wieder in die andere Richtung. Wir müssen sorgsam mit Grund und Boden umgehen", sagt Klappacher.

Bei der Bebauungsdichte gibt es zwei Referenzwerte: die Geschoßflächenzahl und die Baumassenzahl. Die Stadtgemeinde wird am Donnerstag, 13. Oktober, eine Baumassenzahl von 2,4 für das Projekt am Webereiweg beschließen.

Diese errechnet sich aus dem umbauten Raum durch die Bauplatzgröße. Die andere Kennzahl ist die Geschoßflächenzahl. Diese errechnet sich aus der Bruttogeschoßfläche dividiert durch die Bauplatzgröße.

Die beiden Kennzahlen stehen in einem Verhältnis zueinander von 1:3 - die Raumhöhe der meisten Wohnungen beträgt nämlich rund drei Meter. Die Baumassenzahl dividiert durch drei ergibt daher die Geschoßflächenzahl.

Zum Vergleich: Bei der umstrittenen Verbauung der Riedenburgkaserne in der Stadt Salzburg liegt die Geschoßflächenzahl bei 1,2. Die Baumassenzahl bei der Riedenburgkaserne liegt bei 3,6. In Rif liegt die Baumassenzahl bei 2,4 und die Geschoßflächenzahl bei 0,8.

Stadtgemeinde Hallein: Wachstum wird weitergehen

Ab Jänner 2017 will die Stadtgemeinde das räumliche Entwicklungskonzept überarbeiten: "Wir werden uns genau ansehen, was man da in Zukunft überhaupt noch ermöglicht."

Das Wachstum werde wohl weitergehen, sagt der Halleiner Bürgermeister Gerhard Anzengruber (ÖVP). "Realistisch gesehen geht das nur in Burgfried-Ost, ein bisschen in Neualm und in Rif und Rehhof", erklärt Anzengruber: "Den Lückenschluss zwischen Rehhof und Rif werden wir noch erleben."

Trends setzen sich fort

Diese Entwicklung treffe auf den gesamten Zentralraum zu, sagt Landesstatistiker Gernot Filipp: "Die Trends, die wir heute haben, also welche Regionen wachsen und welche schrumpfen, werden sich fortsetzen." Der Zentralraum werde stärker wachsen als der Pinzgau, Pongau und Lungau. Innerhalb dieser Bezirke gewinnen größere Orte auf Kosten von kleinen. "Wachstum wird es dort geben, wo es Arbeitsplätze gibt", sagt Gernot Filipp - zum Beispiel in touristischen Zentren.

Welche Gemeinden im Zentralraum wie stark wachsen sollen, wurde 2009 von der Landesregierung im Sachprogramm "Standortentwicklung für Wohnen und Arbeiten" festgelegt.

Die Stadt Salzburg sollte pro Jahr 600 neue Wohnungen schaffen, Hallein 130, Oberndorf 45 und Neumarkt, Straßwalchen und Seekirchen in Summe 160.

Die regionalen Nebenzentren (Bürmoos, Thalgau, Hof, St. Gilgen, Mattsee, Kuchl und Golling) sowie die Ergänzungsgemeinden (Göming, Lamprechtshausen, Wals-Siezenheim und Oberalm) durften in der Baulandbilanz um 35 Prozent mehr Bauland ausweisen, als die Modellberechnung für den Zehn-Jahres-Bedarf eigentlich erlauben würde.

Diese Bemühungen seien nicht ganz erfolgreich gewesen, heißt es aus dem Büro von Raumordnungsreferentin LH-Stv. Astrid Rössler (Grüne). Bis auf die Stadt, wo die Anzahl der vorgeschriebenen Wohnungen eher überschritten wurde, seien die Zahlen in keinem Regionalzentrum erreicht worden. Das liege auch daran, dass Bauland im Zentralraum teuer und nicht überall verfügbar sei. Statt in Oberndorf seien viel mehr Wohnungen in Göming entstanden. Dort gab es in den vergangenen fünf Jahren das größte Bevölkerungswachstum des Landes (plus elf Prozent).

Aufgerufen am 26.09.2018 um 02:49 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wohin-koennen-hallein-und-salzburg-noch-wachsen-980863

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