Politik

Wohnpreise analysiert: Mieten stiegen in Salzburg in 20 Jahren um über 60 Prozent

Die Arbeiterkammer hat die aktuelle Preisentwicklung erhoben. Eine 70-Quadratmeter-Wohnung kostete im Jahr 2000 noch 677 Euro pro Monat. Nun muss man fast 1100 Euro an Miete dafür berappen.

Salzburgs AK-Präsident kritisiert die Landespolitik. Die Reduktion der Wohnbauziele auf 700 geförderte Mietwohnungen pro Jahr komme einer Kapitulation gleich.  SN/robert ratzer
Salzburgs AK-Präsident kritisiert die Landespolitik. Die Reduktion der Wohnbauziele auf 700 geförderte Mietwohnungen pro Jahr komme einer Kapitulation gleich.

Die Arbeiterkammer erhebt jährlich die Wohn- und Mietpreise für Salzburg. Die Bilanz fällt Jahr für Jahr ernüchternder aus. Die Preise steigen unaufhörlich. Die aktuelle Erhebung zeige, dass eine 70-Quadratmeter-Wohnung auf dem Land im Schnitt pro Monat um fast 360 Euro und in der Stadt um rund 420 Euro mehr koste als noch vor 20 Jahren, heißt es von der AK. Im Jahr 2000 hätte man für eine solche Wohnung in der Stadt noch rund 677 Euro Miete gezahlt, im Vorjahr seien es bereits 1094 Euro gewesen (eine Steigerung um fast 62 Prozent).

Die durchschnittlichen Mieten (inkl. Betriebskosten) für eine 70 Quadratmeter große Wohnung sind demnach im letzten Jahr in der Stadt Salzburg (15,6 Euro/m2) um 5,5 Prozent und auf dem Land (13,2 Euro/m2) um 5,4 Prozent gestiegen.

Genauso groß ist der Preissprung am Land. Im Jahr 2000 habe man rund 565 Euro an Miete für eine 70 Quadratmeter große Wohnung bezahlt, nun seien es rund 923 Euro. Die Mietpreise seien weitaus stärker gestiegen als die allgemeine Teuerung, sprich der Verbraucherpreisindex, sagt Edith Steidl, Konsumentenberaterin bei der AK. Demnach sind seit 2000 die Mieten am Land um 18,3 und in der Stadt Salzburg um 16,6 Prozentpunkte stärker gestiegen als die Inflation.

Die Daten der Statistik Austria würden auch kein anderes Bild zeichnen. Salzburg sei bei den sogenannten Hauptmietwohnungen (hier sind auch Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen enthalten) mit 9,90 Euro pro Quadratmeter (inkl. Betriebskosten) Spitzenreiter in Österreich.

Kostenexplosion bei Eigentumspreisen

Was Eigentum betreffe, so sei dies mittlerweile Utopie geworden. Mit einem Quadratmeterpreis von 5329 Euro im Schnitt seien die Preise in der Stadt Salzburg im Jahresvergleich um 5,8 Prozent gestiegen. Ziehe man auch hier einen Vergleich zum Jahr 2000, so ergebe das eine Kostenexplosion von plus 160 Prozent. Der Quadratmeterpreis habe sich demnach in 20 Jahren um 3278 Euro verteuert. Am Land sei die Preissteigerung etwas geringer ausgefallen. Im Schnitt sind hier 4543 Euro zu berappen. Seit 2000 sei der Quadratmeter um 122 Prozent, somit 2495 Euro, teurer geworden.

Präsident kritisiert Wohnbauziele des Landes

AK-Präsident Peter Eder fordert Maßnahmen von der Politik, "um diese Kostenexplosionen endlich einzudämmen". Salzburg sei nämlich bei den Einkommen keineswegs im Spitzenfeld zu finden, sondern rangiere im unteren Drittel im Bundesländervergleich. Eder wiederholt seine Forderung nach deutlich mehr geförderten Mietwohnungen. Das Land hat die Ziele dafür im Vorjahr hinuntergeschraubt, von 900 bis 1000 auf 700 geförderte Mietwohnungen. Eder: "Die Reduktion des Landesziels kommt einer Kapitulation vor dem Markt gleich."

Dass es einen Mangel an Flächen bzw. Baugründen gebe, lässt Eder nicht gelten. "Denn Flächen stehen zur Verfügung." Im Jahr 2016 sei die Salzburger Stadtplanung - ohne Baulücken - von einem Flächenpotenzial von bis zu 90 Hektar und 8000 Wohnungen für rund 20.000 Menschen ausgegangen. Dabei sei die Nachverdichtung noch nicht einmal berücksichtigt worden. "Insgesamt könnte man also beispielsweise alle Bewohnerinnen und Bewohner der Stadt Hallein mit Wohnungen versorgen."

Beim Mietrecht ist der Bund gefordert

Die AK fordert auch eine Vereinheitlichung des Mietrechts. Hier sei der Bund gefordert. "Das aktuelle Mietrechtsgesetz ist in sehr unterschiedlichem Umfang anwendbar und damit für die Mieterinnen und Mieter kaum transparent. Hier bräuchte es einheitliche rechtliche Rahmenbedingungen. Zum Beispiel für Wohnungen in Häusern, die vor über 30 Jahren errichtet wurden, sollten nachvollziehbare Mietzinsbegrenzungen eingeführt werden", sagt AK-Expertin Steidl.
Auch eine Abänderung des gesetzlichen Betriebskostenkataloges sei aus Sicht der AK längst überfällig: "Nämlich insofern, dass nur jene Kosten überwälzbar sein dürfen, die die Mieter unmittelbar verursachen (Wasser, Abwasser, Müllentsorgung), aber nicht Posten wie Grundsteuer, Versicherungs- oder Verwaltungskosten", meint Steidl.

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