Politik

Wohnungsnot in Salzburg: Höher bauen soll Pflicht sein

"Mindestdichte": Im Kampf um erschwingliches Wohnen entwickelt das Land ein Instrument gegen "Schuhschachteln" mit nur einer Etage.

Wohnungsnot in Salzburg: Höher bauen soll Pflicht sein SN/wizany
Im foischn Film. . .


Drei große Brocken gibt es noch in der Stadt Salzburg. Drei große Flächen, wo in den kommenden Jahren neue Wohnungen entstehen können. Über 800 sollen es insgesamt sein - auf dem Areal der Rauchmühle, in der Riedenburgkaserne und an der Alpenstraße, auf dem Gelände der Obus-Remise.

Dann ist es wohl vorbei. "Dann bröckelt es herunter auf kleine Flächen, vielleicht je 20 oder 40 Wohnungen", fasst Salzburgs Bürgermeister Heinz Schaden (SPÖ) die Lage zusammen.

Mangel an BaulandflächenDamit ist auch das Hauptproblem beschrieben, welches in der Landeshauptstadt die Wohnungspreise explodieren lässt: Eklatanter Mangel an zusammenhängenden Baulandflächen.

Ein junger Architekt und Wissenschafter hat darüber eine Arbeit geschrieben und den 4. Salzburger Stiftungspreis erhalten.

Florian Medicus (37), der auch an der Universität für angewandte Kunst unterrichtet, stellt dabei provokant fest: Salzburgs Politik hat das Problem der Raum- und Wohnungsnot sehr wohl kommen gesehen. Und dazu selbst umfangreiche Studien in Auftrag gegeben. Aus denen hervorging, was zu tun gewesen wäre. Doch das geschah meist nicht oder zu zaghaft, urteilt Medicus. "Man wusste es - und hat nichts getan."

Die Kernaussage in "Ein Plädoyer für Salzburg als Stadt": Im Räumlichen Entwicklungskonzept (REK) 2007 und dem Masterplan "Kooperatives Raumkonzept für die Kernregion Salzburg", in Auftrag gegeben 2009, stehe bereits alles Wesentliche.

Masterplan warnte schon vor JahrenVor "zunehmender Knappheit und hohen Kosten" habe der Masterplan gewarnt, Landschaft und Umweltqualität der Umgebung würden zunehmend durch Satellitensiedlungen gefährdet. In der Stadt sei ein Bevölkerungswachstum von vier Prozent, im Umland von 16 Prozent bis 2030 zu erwarten. Schon 2022 seien insgesamt 23.000 neue Wohnungen nötig. Und: Die Stadt könne laut internen Prüfungen bis dahin 16.000 neue Wohnungen errichten, und zwar "ohne Änderung der Grünlanddeklaration". Die Realität zeigt aber, dass seit 2003 schon ein "Rückstand von 2000 Wohnungen entstanden ist".

Was es gebraucht hätte, habe jedem klar sein müssen, schreibt Medicus: nämlich intensive, wenn auch unpopuläre Nachverdichtung und ein Ende der Flächenverschwendung. Also mehr Geschoße, mehr Wohn- und Nutzfläche pro Quadratmeter Baugrund, weniger eingeschoßige Schuhschachteln mit riesigen Parkplätzen davor.

Das REK formuliert zur "Verringerung des Siedlungsflächenverbrauchs" und zur "sparsamen Verwendung von Grund und Boden", dass sich die Stadt "nach innen" entwickeln müsse - auch indem man weitere Baulandflächen mobilisiere.

Medicus moniert etwa am Beispiel Salzburg-Maxglan, dass in der Praxis oft das Gegenteil passiert sei. So seien in Siezenheimer Straße und Innsbrucker Bundesstraße kürzlich drei Supermärkte, einstöckig, samt viel zu großen und gestaltlosen Parkplätzen entstanden.

Die Folgen brachte gerade erst die Statistik Austria (wieder) auf den Punkt: Nirgends sind die Mieten so hoch wie in Salzburg, und nirgends so schnell angestiegen (die SN berichteten). Die AK Salzburg rechnet vor, dass eine private 100-Quadratmeter-Mietwohnung in der Stadt (warm) durchschnittlich 1360 Euro im Monat koste. Das liege, bestätigt auch der Bürgermeister, vor allem an den hohen Grundstückskosten. Die Immobilienkanzlei Hölzl+Hubner beschrieb 2014 eine Steigerung bei den Wohnungsneubaupreisen um 70 Prozent in zehn Jahren.

Dichter und höher bauenWas konkret könnte die Stadtpolitik also tun? Einerseits - dichter bauen lassen. "Aber gerade da bekommen wir immer den meisten Widerstand aus der Bevölkerung", sagt Stadtchef Schaden. Sehr wohl werde aber nachverdichtet, "und viele frühere Einfamilienhaussiedlungen haben sich deutlich verändert". Auch sei etwa der "Freiraum Maxglan" Beweis dafür, dass viele Etagen nicht identisch mit einer sozialen Problemzone seien.

Zweite Variante: Die Stadt könnte reichlich vorhandene Gewerbeflächen in Wohngebiet umwidmen - "konvertieren", wie das heißt. Hier allerdings bekommt Heinz Schaden ein finanzielles Problem. Denn jeder Wirtschaftsbetrieb, der wegfällt, kostet die Stadt Kommunalsteuer. Und für zusätzliche Einwohner in neuen Wohnungen gibt es jährlich nur ein paar Cent aus dem Finanzausgleich.

Damit keine Flächen mit einstöckigen Gewerbebauten "verschwendet" werden müssen, wünscht sich Schaden "Mindestdichten". Sie sollten für Grundstücke verordnet werden können. "Derzeit kann ich niemanden zwingen, dort, wo die erlaubte Dichte hoch ist, auch dicht zu bauen." Genau dieses Instrument entwickelt derzeit das Land im Auftrag von LH-Stv. Astrid Rössler. Es soll Teil des neuen Raumordnungsgesetzes (ROG) werden. Bis 2015 will Rössler so weit sein, einen Entwurf diskutieren zu können. Bis Effekte auf den Wohnungsmarkt schlagend werden, dürfte also viel Zeit vergehen.

Planungsstadtrat Johann Padutsch meint überdies, dass schon jetzt eine gewisse Dichte vorgeschrieben werden könne. "Das wurde aber Ende der 90er-Jahre gestoppt. Mit politischer Mehrheit von SPÖ und ÖVP. Wobei das Problem bestanden hat, dass eine Umgehungskonstruktion möglich war. Nämlich, indem ein Bauherr den Bauplatz seines Grundstücks verkleinert und so die Dichte künstlich erhöht hat."

Quelle: SN

Aufgerufen am 23.03.2019 um 11:56 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/wohnungsnot-in-salzburg-hoeher-bauen-soll-pflicht-sein-3037288

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