Politik

Zehn Antworten zum Salzburger Bad-Debakel

Niemand weiß, wie viel Salzburgs neues Hallenbad kosten wird. Oder ob die Bürger es wollen. Momentaufnahme eines Projekts unter Wasser.

Zehn Antworten zum Salzburger Bad-Debakel SN/robert ratzer
Geht das Hallenbad endgültig unter? Momentan prüft die Stadt, ob sie überhaupt ein Siegerprojekt hat.
Die Stadtpolitik quält sich wieder mit dem Neubau des Paracelsusbades. Mittlerweile versinken die Vorbereitungen im Chaos. Die Politiker scheinen täglich aneinander vorbeizureden - sofern sie noch miteinander reden. Die zehn vordringlichsten Fragen und Antworten in aller Kürze.

Zustand:Ist das alte Bad bereits ein Sicherheitsrisiko? Nein. Aber der Zahn der Zeit hat an der Bausubstanz genagt. Zuletzt wurde nur das Nötigste getan, um Bad und Kurhaus instand zu halten. Jährlich wird die Deckenkonstruktion im Paracelsusbad von der bautechnischen Versuchs- und Forschungsanstalt überprüft. Einzelne Stahlteile weisen Korrosionserscheinungen auf. Aber von einer weiteren, sicheren Verwendung des Bauwerks bis zum nächsten Überprüfungstermin (Sommer 2015) sei auszugehen. Sanieren?Was würde eine Renovierung kosten? Eine Generalsanierung des Bades und des Kurhauses beläuft sich laut internen Rechnungen auf rund 25 Mill. Euro. Wobei das Becken nicht saniert werden kann, es müsste getauscht werden. Zum Vergleich: Ein Neubau dürfte laut Projektbegleiter Rinderer & Partner bis zu 72 Mill. Euro kosten. Falls der Entwurf von Berger+Parkkinen verwirklicht wird. Allerdings wären auch Büros und Tiefgarage enthalten. Denkmal?Steht das Paracelsusbad unter Denkmalschutz? Nein. Das Denkmalamt ist bereits 2009 aktiv geworden. Landeskonservatorin Eva Hody sagt, dass man das Bad statisch sanieren müsse. Das Objekt habe sehr wohl Denkmaleigenschaften, allerdings verliere es diese, sobald man tragende Strukturen sanieren müsse. BesucherWie viele Besucher hat das Bad? Für heuer rechnen die Kurhausbetriebe mit 110.000 Gästen in Bad und Sauna. Bevor das AYA-Bad in der Alpenstraße 2013 in Betrieb ging, zählte das Paracelsusbad noch 160.000 Besucher, davon 50.000 Schüler und Sportler. Sieger Gibt es nun ein Siegerprojekt zum Neubau? So skurril es klingt: Das weiß man in der Stadtpolitik nicht genau. Immobiliengesellschaft und Fachjury streiten, ob das zweitgereihte Projekt aus der ersten Sitzung oder das erstgereihte Projekt aus der zweiten Sitzung "Sieger" des Wettbewerbs ist. Nur: Beides ist dasselbe Projekt, nämlich das von Berger+Parkkinen. Die juristische Formfrage eröffnet aber Einspruchsmöglichkeiten für die Verlierer. Sodass vielleicht in einigen Wochen zum dritten Mal eine Jury tagen muss, um ein Badprojekt zu wählen. Die Anwälte der Stadt prüfen gerade. Kostenfrage Warum geistern so viele Zahlen zu den Kosten herum? Weil es ein großer Unterschied ist, ob die Inflation seit 2010 einberechnet wird. Weil einmal sechs bis neun Mill. Euro für eine Tiefgarage ein- oder aber herausgerechnet werden. Weil die "Baukosten" viel geringer sind als die "Errichtungskosten", bei denen die Einrichtung, Außenanlagen und Planung hinzukommen. "Bauwerkskosten" wiederum enthalten nicht einmal die Aufschließung des Grundes. Und: Man kann entweder vom "Idealfall" ausgehen oder einen größeren oder kleineren Kostenpuffer einbeziehen.

Konkretes Beispiel: Der favorisierte Entwurf von Berger+Parkkinen. Laut Grobkostenschätzung kostet das "nackte Bauwerk", also Bad und Kurhaus, 32,2 Mill. Euro. Rechnet man Tiefgarage, (verkaufbare) Büros, Planung, Aufschließung und vor allem einen großen "Worst-Case-Puffer" hinzu, liegt der Preis bei über 72 Mill. Euro. Verkehr Bringt ein neues Bad noch mehr Stau in der Innenstadt? Verkehrsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) sagt: Nein. Das Straßennetz könne die geringe Mehrbelastung verkraften. Aber: "Ja, es wird mehr Verkehr geben." Beschlusslage Was hat der Gemeinderat eigentlich beschlossen? 2010 hat der Gemeinderat "Gesamtkosten" von rund 36 Mill. Euro beschlossen. Bleibt offen, was mit "Gesamtkosten" gemeint ist (siehe oben). Und: Bgm. Heinz Schaden (SPÖ) hat bereits eingeräumt, dass ein neuer Gemeinderatsbeschluss nötig sein werde. Immer teurerWieso legt die Stadt keinen Pauschalpreis fest, den das Bad maximal kosten darf? Das könnte die Stadt tun - beim AYA-Bad in der Alpenstraße ist das auch passiert. Nicht aber beim "großen Badprojekt". Das Argument: Ein Bauträger würde dann am Material und der Qualität sparen, schlimmstenfalls wäre das Bad schnell ein Sanierungsfall. Auch wäre die Architektur dann wohl weniger spektakulär. Abstimmen?Kann man über das Bad eine Bürgerabstimmung machen? Sobald der Landtag das Paket zur Direkten Demokratie in der Stadt beschlossen hat: Ja. Das bestätigt der Legislativ- und Verfassungsdienst. Allerdings könnte der Gemeinderat die Bürger mit einer Dreiviertelmehrheit "überstimmen".

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.11.2018 um 11:00 auf https://www.sn.at/salzburg/politik/zehn-antworten-zum-salzburger-bad-debakel-3080164

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