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SN-Diskussion in Oberndorf - Wirt und Nahversorger gesucht

Die vier Bürgermeisterkandidaten in Oberndorf haben unterschiedliche Konzepte bei Wohnen, Parken und Verkehr. Beim leiblichen Wohl war man sich vergleichsweise einig.

Soll Oberndorf mit seinen aktuell 5800 Einwohnern noch weiter wachsen - und wenn ja, eher in Form von Einfamilienhäusern oder Mietwohnungen? Mit dieser Frage eröffneten die Moderatoren SN-Lokalchef Hermann Fröschl und Salzburger-Woche-Chef Heinz Bayer die SN-Diskussion am Dienstagabend in der mit 400 Besuchern vollbesetzten Aula der Sportmittelschule.

SPÖ-Vize und Bürgermeisterkandidat Georg Djundja betonte: "Oberndorf hat keine Bevölkerungsexplosion erlebt - sondern 2013/14 genauso wie Hintersee eine abnehmende Bevölkerung gehabt." Weiters erinnerte er an die schon 1998 vereinbarte Obergrenze von 7000 Einwohner - plädierte aber dennoch für weiteres Wachstum: "Aber ich spreche mich für eine sensible Bebauung aus." Wichtig sei, eine gute Mischung der verschiedenen Wohnformen anzubieten.

Gemeindevertreter Christoph Thür von der Neuen Oberndorfer Wählergemeinschaft übte hingegen heftige Kritik am Status Quo: "In den letzten Jahren war der Fokcus klar auf Wohnblöcken. Die wurden optisch äußerst unsensibel placiert. Das möchte ich nicht mehr." Seiner Meinung nach müsse es auch mehr Platz für Einfamilien- und Reihenhäuser geben. Thür schlägt Plus-Energie-Häuser ("mit einer Photovoltaik-Fläche auf dem Dach") als zukunftsweisende Alternative vor.

Forderung nach günstigen Grundstücken

ÖVP-Vize und Bürgermeisterkandidatin Sabine Mayrhofer brach eine Lanze für den Erhalt bestehender Grünflächen: "Dass Maria Bühel ein Naherholungsgebiet bleibt, wurde schon 1998 beschlossen." Auch sie betonte, dass der ÖVP eine "gute Mischung" der Wohnformen wichtig sei - und sparte nicht mit Kritik an der bisherigen Wohnbaupolitik von Amtsinhaber Peter Schröder (SPÖ), der nicht mehr kandidiert. Mayrhofer: "Da haben wir uns in den letzten Jahren an den Vorgaben von 1998 vorbeigearbeitet; die Reihenhäuser wurden etwa fast gar nicht in die Bebauung einbezogen." Sie schlägt die Forcierung von Baulandsicherungsmodellen vor: "Da gab es in Nachbargemeinden tollen Lösungen." Damit würden mehr Oberndorfer zu günstigen Grundstücken kommen, meint sie.

Peter Weissenböck, Bürgermeisterkandidat der Grünen, konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen: "Was mir gefällt, ist, dass die Grenzen des Wachstums, das ja ein grünes Thema ist, jetzt in der Mitte der Politik angekommen ist." Dass in den vergangenen Jahren sehr dicht gebaut wurde, liege an den auch in Oberndorf gestiegenen Grundstückspreisen: "Und auch die Wohnbauförderung gibt gewisse Mindestdichten vor", betonte er. Sein Konzept für weiteres Wachstum: "Es fehlen Starterwohnungen in Oberndorf." Baulandsicherungsmodelle seien hingegen problematisch - "denn es ist laut einem EuGH-Urteil nicht erlaubt, da die einheimische Bevölkerung zu bevorzugen."

Bei der Frage, ob es im Zentrum genug Parkplätze gibt, gab es ebenfalls Unterschiede zwischen den vier Kandidaten: Weissenböck vertrat die Ansicht, dass es ausreichend Stellplätze gebe - "wir brauchen aber ein besseres Parkflächen-Management, etwa für Leute, die zum Arzt gehen oder einkaufen." Anstatt von neuen Mitarbeiterparkplätzen schlägt er einen Park-&-Ride-Platz in Ziegelhaiden vor - "und dass die Angestellten dann mit der Lokalbahn runterfahren ins Zentrum." Eine Verbauung der sogenannten "Fußballwiese" kommt für ihn nicht in Frage.

Die SN waren auf Instagram live dabei - hier ein kleiner Einblick:

"Wir brauchen mehr Pendlerparkplätze"

Sabine Mayrhofers Rezept: "Wir müssen die Kurzparkzonen besser kontrollieren." Weiters will sie Sondergenehmigungen für Bewohnerparkplätze im Zentrum. "Und für die Mitarbeiter müssen wir Parkmöglichkeit im Ort zur Verfügung stellen. Daher möchte ich die Fußballwiese nicht anderweitig belegen - weil wir ohnehin ein großes Sportzentrum geplant haben, das nicht weit vom Zentrum ist."

Christoph Thürs Analyse: "Oberndorf ist ein großer Pendlerparkplatz." Ihm ist daher wichtig, die Salzburg AG als Grundeigentümer der Flächen und um die Lokalbahnhaltestellen mehr in die Pflicht zu nehmen: "Wir brauchen mehr Pendlerparkplätze." Er habe daher bereits mit anderen Grundbesitzern gesprochen. Seine Conclusio: "Man kann das Parken nicht beschränken, ohne den Leuten eine Alternative zu bieten."

Georg Djundja ist vor allem eine Parkraumbewirtschaftung und eine externe Überwachung wichtig - sowie eine Vereinheitlichung der Kurzparkzonen: "Ich spreche mich klar gegen zusätzliche Parkplätze auf Grünflächen aus. Es könnte auch ein Parkhaus errichtet werden" - auf Flächen der Lokalbahn. Denn mehr Freizeitflächen für Junge zu erhalten, sei kein Widerspruch zum geplanten Sportzentrum an der B156.

Bürger fordern einen Nahversorger und zusätzliche Wirtshäuser

In der anschließenden Publikumsdiskussion kristallisierten sich - ebenso wie in einer am Beginn gezeigten Video-Straßenumfrage - zwei weitere Themen als "heiße Eisen" heraus, die den Oberndorfer Bürgerinnen und Bürgern ein großes Anliegen sind: Zum einen ist die Zahl der Wirte in der Stadt massiv gesunken. Und zum anderen befürworten alle vier Parteienvertreter die Ansiedelung eines Nahversorgers im Ortsteil Ziegelhaiden.

Grün-Kandidat Weissenböck betonte hier, dass auch eine Umfrage seiner Partei unter den Bürgern diese Einschätzung bestätigt habe: "Da hat die fehlende Gastronomie eine sehr schlechte Note bekommen; natürlich wäre es wichtig dass wir ein g'scheites Kaffeehaus und ein Restaurant haben." Spontanen Lösungsvorschlag konnte er aber keinen präsentieren.

NOW-Vertreter Christoph Thür betonte dazu, dass das Thema "mehr Leben in Oberndorf", das ein Bürger als Ziel angesprochen habe, ihm aus der Seele spreche: "Das ist auch mein Thema - etwa durch mehr Veranstaltungen - den Ort zu beleben." Gemeinsam mit der Nachbarstadt Laufen, das ein schönes Zentrum habe, sei das durchaus realistisch: "Das muss attraktiv beworben werden. Dann werden wir auch wieder Wirte haben."

"Früher gab es 18 Wirtshäuser im Ort"

SPÖ-Vizebürgermeister Djundja meinte, dass mit dem Thema der fehlenden Gastronomie sehr vorsichtig umgegangen werden müsse - um nicht den bestehenden Gastronomen weiter zu schaden. Sein Resümee: "Das Café Gruber geht uns ab, das tut uns weh. Aber das Wirtshaussterben ist kein Oberndorfer Phänomen. Alteingesessene Oberndorfer haben mir gesagt, dass es früher 18 Wirtshäuser gab im Ort." Und im Falle des Gasthofs zur Bahn, das schon länger ohne Pächter dasteht, sei er bereits aktiv gewesen: "Da waren bei Stiegl lästig, dass sie mit der Pacht runter gehen."

ÖVP-Vizebürgermeisterin Mayrhofer kritisierte die Genese der Nahversorgersuche in Ziegelhaiden - und damit auch den aktuellen SPÖ-Bürgermeister Schröder: "Das Projekt wurde vor der letzten Wahl als fix vorgestellt. Ich habe als Vizebürgermeisterin immer wieder die Aussage gehört: 'Mischt Euch ja nicht ein, die Verhandlungen führt der Grundbesitzer.'" Sie habe sich an diese Vorgabe gehalten - und der Spar-Konzern habe immer wieder neue Planungen vorgestellt; Ergebnisse gebe es aber immer noch nicht. Sie plädierte daher für einen neuen Weg: "Wenn wir keine große Lösung bekommen, werden wir eine kleine Lösung versuchen; und bei 70 bis 80 Prozent der Hausbesuche in Ziegelhaiden haben wir gehört, dass die Bewohner gar keine große Lösung wollen." Daher sei ein kleinere Alternative nun wohl das bessere Mittel, meint sie.

In seiner Replik meinte Djundja, dass ein Befetzen der Parteien beim Nahversorger-Thema nicht zielführend sei - und brachte seinerseits einen neuen Ansatz ins Spiel, nämlich Verhandlungen mit weiteren Lebensmittelkonzernen abseits von SPAR: "Jetzt ist auch der Grundeigentümer so weit, dass er mit einem anderen Anbieter redet."


Was die vier Kandidaten von zusätzlichen Kreisverkehren im Ort halten und warum es dazu kam, ein Landwirt im Rahmen der SN-Diskussion 220 m2 Grund öffentlich zum Kauf anbot, lesen Sie am Donnerstag in den Salzburger Nachrichten - sowie sofort auf Instagram.

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