Salzburg

Was Weiterbildung wirklich bringt

Ein Lehrgang, ein Masterstudium, Neues entdecken? Welchen Mehrwert Weiterbildungen haben, berichten zwei, die mittendrin sind.

Was Weiterbildung wirklich bringt SN/drubig-photo - Fotolia
... immer am Ball bleiben!

Annalena Fischacher klickt sich durch die Webseiten. Sie surft auf der Homepage der Donau-Universität Krems. Die freiberufliche Diätologin aus Eberstalzell in Oberösterreich will sich für den Jobmarkt interessant machen - sie hat vom Dasein als Selbstständige vorerst genug, sie zieht es in eine Anstellung. "Dafür möchte ich meinem zukünftigen Arbeitgeber auch etwas bieten", sagt die 36-Jährige. Ihre Ausbildung sei ja auch schon einige Jahre her. Gerade im ernährungswissenschaftlichen Bereich sei viel in Bewegung, es gebe ständig neue Erkenntnisse und Entwicklungen. "Wenn ich einen Master an mein bisher erworbenes Wissen anhänge, dann bin ich wieder richtig up to date", argumentiert sie.

Was die Donau-Uni ihr anbieten kann? Einen Master of Science (MSc) als klinische Ernährungsmedizinerin. Fischacher hat vorab recherchiert: "Zwei Bekannte sind bereits in dieser Ausbildung und schätzen die Verknüpfung von Theorie und Praxis. Da ich schon einige Jahre mit Patienten zugebracht habe, ist mir eine praxisorientierte Lehre natürlich wichtig." Gerade die Ernährungsmedizin warte mit so vielen Facetten auf, die es zu berücksichtigen gelte. Fünf Semester dauert der Master, also zweieinhalb Jahre. Nebenbei kann die Diätologin weiter arbeiten - der Studiengang ist ein berufsbegleitender. Was Fischacher sich nach dieser Zeit erwartet? Eine Fixanstellung bei gutem Gehalt und ein abwechslungsreiches Arbeitsumfeld.

Dass Weiterbildungen nicht nur dem Einzelnen, sondern letztlich dem Staat dienen, davon ist Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl überzeugt. Leitl forderte kürzlich beim Forum Alpbach eine Revolution im Bildungssystem. Er sei "stolz", dass es in Österreich die "beste berufliche Ausbildung in Europa" gebe. Es brauche ein ganzheitliches Aus- und Weiterbildungssystem, das früh ansetze. Auch die frühkindliche Förderung gehöre ausgebaut. "Es geht um ein vernetztes ganzheitliches Aus- und Weiterbildungssystem, das begabungs- und schülerzentriert und nicht lehrerzentriert ist", forderte Leitl - passend zum Veranstaltungsort in einem Klassenraum der Hauptschule Alpbach. "Es muss eine Revolution im Denken stattfinden."

Demnach liegt die Oberösterreicherin Annalena Fischacher am Puls der Zeit: Zu den Anliegen einer Wissensgesellschaft zählt, dass Know-how, Qualifikationen und Kompetenzen nicht nur vor Beginn des Erwerbslebens gesammelt werden. Wer sich mit aktuellen Entwicklungen beschäftigen oder einfach in seinem Thema am Ball bleiben will, ist am besten immer beweglich, wenn es um Weiterbildungen geht.

Wie etwa Werner Pomwenger. Er hat an der HTL in Salzburg-Itzling die Fachschule für Elektrotechnik absolviert. Diese schlossen die Schüler allerdings ohne Matura ab. Pomwenger hat danach im Bereich der Gebäudetechnik gearbeitet, wie er den "Salzburger Nachrichten" berichtete. "Dabei blieb ich, bis ich etwa 22 Jahre alt war. Dann dachte ich, dass das ja wirklich nicht alles sein kann." Dazu kam, dass ein Arbeitskollege zur selben Zeit seine Matura an der Abendschule nachmachte. Also fasste Pomwenger einen Entschluss: Er schlug über die Studienberechtigungsprüfung den Weg an die Fachhochschule (FH) Salzburg ein, die gerade entstand.

Seinen Studienort hat er nicht mehr verlassen: "Ich habe Telekommunikationstechnik studiert, gerade da, als E-Mails kamen und absehbar war, dass dieser Bereich boomt und stark bleiben wird." Mit der Wahl seines Studiengangs lag er offenbar richtig - und in dieser Branche hat er dann auch noch die Seiten gewechselt. Vom Studierenden ist er nach seiner Dissertation zum FH-Professor bei "Informationstechnik & System-Management" aufgestiegen. Weil er sich in den 1990ern für eine zukunftsträchtige Weiterbildung entschieden hat, hat er nicht nur Karriere gemacht, sondern ist auch tief in eine Materie vorgedrungen, die ihn besonders interessiert hat.

Dieselben Motive findet Pomwenger heute bei seinen Studentinnen und Studenten. Karrieredenken sei nicht ganz unwichtig, sagt er - etliche wählen sein Studium berufsbegleitend. "Viele sehen, dass sie in ihrem Unternehmen ohne einen Hochschulabschluss nicht weiterkommen, und handeln daher."

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