Wirtschaft

29 Kündigungen bei SAG: Arbeiterkammer sieht "schweres Foul"

Die Salzburger Aluminium AG (SAG) in Lend baut Mitarbeiter ab. Das Unternehmen begründet das mit der eingebrochenen Produktion in der Krise. Kritik kommt von der Arbeiterkammer.

SAG hat eine lange Geschichte in Lend.  SN/sag
SAG hat eine lange Geschichte in Lend.

Beinahe 30 Mitarbeiter verlieren bei der SAG in Lend ihre Jobs. Die Kündigungen betreffen 19 Mitarbeiter in der Produktion und zehn in der Verwaltung, bestätigt Markus Lanschützer, Geschäftsführer der SAG Alutech. Die wirtschaftlich schlechte Lage aufgrund der Coronapandemie habe die Kündigungen unausweichlich gemacht. Insgesamt beschäftige die Unternehmensgruppe in den beiden Gesellschaften SAG Alutech und SAG Innovation somit noch 160 Mitarbeiter an den beiden Standorten Lend und Schwarzach.

Seit dem Frühjahr sind alle Mitarbeiter in Kurzarbeit. Diese wurde nach drei Monaten nochmals verlängert. Ob man auch im Herbst und Winter Kurzarbeit in Anspruch nehme, werde derzeit geprüft. "Mit der Kurzarbeit kann man eine vorübergehende Flaute überbrücken, aber wenn diese länger andauert, muss man Strukturen anpassen", sagt Lanschützer und verweist auf die weltweit stark eingebrochenen Zahlen bei KFZ-Neuzulassungen. Im April sei die Ausleistung im Unternehmen teils nur mehr bei 30 Prozent gelegen. Für das zweite Halbjahr 2020 rechne man mit einer Auslastung von 70 Prozent.

Arbeiterkammer kritisiert Vorgangsweise

Von einem "schweren Foul" spricht indes Salzburgs Arbeiterkammer-Präsident Peter Eder. Der Betrieb, deren Chefin Exner-Wöhrer auch als IV-Präsidentin gehandelt wurde, habe nicht nur widerrechtlich während der Kurzarbeit Mitarbeiter gekündigt, sondern auch die vorgeschriebene Anmeldung beim Frühwarnsystem des AMS ignoriert. Die ersten Kündigungen, die bereits am 22. Juni ausgesprochen worden seien, wären damit rechtsunwirksam gewesen, sagt Eder. Auch gegen die jetzt erneut ausgesprochenen Kündigungen wolle man klagen, betont Eder. "Wir werden uns sehr genau anschauen, ob gerade bei älteren, langjährigen Mitarbeitern nicht eine Sozialwidrigkeit vorliegt."

Lanschützer kann diese Kritik nicht nachvollziehen. Man habe auch bei der erstmaligen Aussprache der Kündigungen vor einem Monat Betriebsrat und Gewerkschaft informiert. Nachdem sich die Kündigungen aufgrund der Kurzarbeitsregelung als unrechtmäßig herausgestellt habe, habe man diese auch revidiert und nun die Fristen abgewartet. "Was zuerst passiert ist, ist bedauerlich. Logischerweise agieren wir jetzt im gesetzlichen Rahmen."

Weitere Kündigungen seien derzeit an keinen SAG-Standorten geplant, auch nicht international, erklärt SAG-Chefin Exner-Wöhrer: "Wir gehen von einer positiven Entwicklung im dritten und vierten Quartal aus. Wann sich die Wirtschaftslage wieder erholen wird, kann derzeit niemand voraussagen. Da die weiteren Auswirkungen von Covid-19 und eine allfällige zweite Welle derzeit nicht einschätzbar sind, muss die SAG sich auf verschiedene Szenarien vorbereiten", sagt Exner-Wöhrer.

SAG im Automobilbereich aktiv

Die SAG mit Sitz in Lend beschäftigte vor der Krise weltweit 1300 Mitarbeiter an zehn Standorten, davon 200 in Österreich. Produziert wird in Österreich in Lend und Schwarzach. Weitere SAG-Niederlassungen befinden sich in Schweden, Frankreich, den Niederlanden, der Slowakei, Spanien und Mexiko. Hergestellt werden Aluminiumtanksysteme und Aluminiumkomponenten für die Automobil-, Nutzfahrzeug- und Bahnindustrie.

Die Gemeinde Lend verbindet eine lange Geschichte mit der SAG. Im Jahr 1897 erwarb die Schweizerische Aluminium AG Wasserrechte an der Gasteiner Ache in Lend. In der ehemaligen Gold- und Silberschmelzhütte und auf dem Areal einer ehemaligen Asbestfabrik entstand Österreichs erster Aluminiumstandort. Ab 1938 hieß das Unternehmen Salzburger Aluminium GmbH. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde 1947 die Aluminiumerzeugung wieder aufgenommen.

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