Wirtschaft

Ärgern statt fliegen: Wenn Passagiere auf dem Boden bleiben

Im Sommer steigt stets die Zahl der annullierten oder verspäteten Flüge. Heute, Donnerstag, streiken zudem Ryanair-Piloten. Was können Fluggäste tun, wenn sie am Flughafen stranden?

Stornierte Flüge (Symbolbild). SN/60486478
Stornierte Flüge (Symbolbild).

Vergangene Woche wollte Michael Leitner von Salzburg über Wien nach Moskau fliegen. 30 Minuten vor Abflug in Salzburg stand plötzlich "cancelled" auf der Anzeigentafel. "Alternativen gab es nicht", sagt der 36-jährige Salzburger. Abgehoben ist er erst am Tag danach. "Das war eine sehr unangenehme Sache, weil ich einen wichtigen Termin verpasst habe."

Die Zahl der Annullierungen und Verspätungen nimmt zu: Nach Auskunft des Fluggastrechteportals EUclaim hatten im Juni 2017 drei Flüge von oder nach Salzburg mehr als drei Stunden Verspätung, 20 starteten gar nicht. Dieses Jahr hoben im Juni 32 Flugzeuge nicht ab, sieben waren verspätet.

Heute, Donnerstag, streiken zudem die irischen Piloten des Billigfliegers Ryanair. Nach Auskunft der Airline legen nur einige Hundert der mehr als 4000 Piloten die Arbeit nieder. Wird es dennoch in Salzburg Verspätungen oder gar Ausfälle geben?

Nein, sagt Alexander Klaus vom Flughafen Salzburg. Ryanair fliege zwar im Sommer von der Mozartstadt nach London. "Aber nicht am Donnerstag."

Es gebe mehrere Gründe, warum sich Flugzeuge verspäteten, sagt Klaus. Von großen Ereignissen wie Vulkanausbrüchen, terroristischen Anschlägen, politischen Umwälzungen oder einer Airlinepleite bis zu Gewittern und Staus in der Luft. "Es ist wie auf der Autobahn: Wenn die Luftverkehrsstraßen überlastet sind, können die Flugzeuge nicht starten." Die Mitarbeiter des Flughafens bereiten auf dem Boden alles für die Landung und den Start vor. "Bei uns läuft das wie am Glöckerl, wir arbeiten schnell", sagt Klaus. In 30 Minuten steigen etwa die Passagiere einer Ryanair-Maschine aus - und die neuen ein. "Das sind 150 Menschen und ihr Gepäck."

Leitner will für den annullierten Flug nach Moskau eine Entschädigung von der Fluggesellschaft. "Laut meinen Infos gibt es dafür einen rechtlichen Rahmen." Diese Gesetzeslage kennt Andrea Kinauer gut. Sie ist Konsumentenberaterin für Reiserecht bei der Arbeiterkammer Salzburg. 600 Euro pro Person können Fluggäste erhalten, deren Langstreckenflug mehr als drei Stunden verspätet oder gar nicht gestartet ist. Auf der Kurzstrecke sind es 250 Euro, auf der Mittelstrecke 400 Euro. "Zusätzlich muss sich die Airline um Verpflegung, Hotel und den Transport dorthin kümmern", sagt Kinauer. Wer seinen Flug nicht mehr antreten will, bekommt den Flugpreis rückerstattet.

Die Regelung greife aber nur, wenn kein außergewöhnlicher Umstand vorliege. "Dazu zählen Unwetter, politische Instabilität und Stromausfälle, wie kürzlich am Hamburger Flughafen", sagt Kinauer. Ein Streik, der Tage vorher angekündigt wurde, zähle nicht dazu. Ebenso wenig technische Gebrechen: "Diese Ausrede zieht nicht, die Airlines sind für die Wartung der Flugzeuge zuständig."

Wer seine Rechte geltend machen wolle, könne sich bei der Arbeiterkammer melden oder Musterbriefe auf deren Website herunterladen. In wie vielen Fällen eine Schadenersatzforderung erfolgreich sei, könne Kinauer nicht sagen.

Das Portal EUclaim vertritt die Rechte von Passagieren, die von deutschen Flughäfen starten wollten. Ihre Kunden erhielten ihre Entschädigung abzüglich einer Provision von 22,5 Prozent plus Mehrwertsteuer. Sprecher Steffen Klinge: "In 98 Prozent der Fälle sind wir erfolgreich."

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