Wirtschaft

AK Jugendmonitor: Immer mehr arbeiten neben Schule oder Studium

Die Zahl der 15- bis 24-Jährigen in Salzburg sinkt - doch die Erwerbsquote steigt.

Es gibt wieder mehr Lehrlinge (Symbolbild). SN/bernhard schreglmann
Es gibt wieder mehr Lehrlinge (Symbolbild).

Seit 2012 erstellt die Arbeiterkammer jährlich einen Jugendmonitor und leuchtet damit die wichtigen Lebensbereiche junger Salzburgerinnen und Salzburger aus. Zahlenmäßig machen sich die geburtenschwachen Jahrgänge in der Analyse bemerkbar. Die Zahl der 15- bis 24-Jährigen ist um 3,38 Prozent auf 61.450 gesunken, heißt es in einer Aussendung der AK.

Weil immer mehr von ihnen neben Schule und Studium einem Job nachgehen müssten, ist die Erwerbstätigenquote um 1,4 Prozent auf 57,2 Prozent gestiegen. Sie liegt damit allerdings noch immer unter der allgemeinen Erwerbstätigenquote von 70,1 Prozent. Ins Auge sticht diesbezüglich eine Zahl: Auch bei der Jugend gehen 6,3 Prozent weniger Frauen als Männer einer Beschäftigung nach. Dies liegt zwar zum einen an der höheren Beteiligung an der Schulbildung und der Unterrepräsentation in der Lehrlingsausbildung. Anderseits ist noch immer die klassische Rollenverteilung vorzufinden: Frauen sind - unbezahlt - in der Betreuung von Kindern und Angehörigen tätig.

Die meisten jungen Erwerbstätigen finden sich übrigens in der Bauwirtschaft und in der Gastronomie - dort ist jeder fünfte Beschäftigte "U25". Mit 9,4 Prozent hatte Österreich 2018 eine der niedrigsten Jugendarbeitslosigkeits-Quoten der EU. In Salzburg lag die Arbeitslosigkeit der bis 25-Jährigen bei 4,6 Prozent (-0,4 Prozent).

Sorgen bereitet der Arbeiterkammer die zunehmende Zahl atypischer Beschäftigungsformen. "Befristete saisonale Arbeitsverträge statt ganzjährig Vollzeit, Leiharbeit mit unsicheren Zukunftsperspektiven, (unbezahlte) Praktika statt regulärer Dienstverhältnisse nehmen allesamt zu und erschweren die Zukunftsplanung", sagt Stephanie Posch, Jugendreferentin der AK Salzburg. Auch die Zahl der geringfügigen Beschäftigten in dieser Altersgruppe hat sich gegenüber dem Vorjahr von 5270 auf 5370 (+1,9 Prozent) erhöht. Ein weiteres Indiz dafür, dass immer mehr Jugendliche neben Schule und Studium arbeiten (müssen): "Die Ausbildung zieht sich dadurch in die Länge, der Einstieg ins reguläre Arbeitsleben verzögert sich", erklärt Posch.

Zahl der Lehrlinge nimmt zu

Ein Grund zur Freude: Die Zahl der Lehrlinge steigt weiter. Ende 2018 gab es 150 Lehrlinge mehr als 2017. Dazu beigetragen hat die Tatsache, dass seit langem erstmals auch die Anzahl der weiblichen Lehrlinge angestiegen ist. Allerdings ist "Lehre" noch immer stark männlich: 5528 männlichen Lehrlingen stehen nunmehr 2894 weibliche Lehrlinge gegenüber. Vom Abschluss einer Lehrausbildung profitieren Jugendliche wesentlich. So sinkt das Risiko arbeitslos zu werden um zwei Drittel gegenüber Jugendlichen, die nur einen Pflichtschulabschluss haben.

Männer erreichen mit 20 Jahren ein höheres Einkommen als Frauen am Zenit ihrer Karriere

Ein Wermutstropfen bleibt allerdings: Bereits in jungen Jahren treten große Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern auf. Männer erreichen im Schnitt bereits mit Anfang 20 ein höheres Einkommen als Frauen am Zenit ihrer Berufskarriere. "Ein Grund ist die traditionelle Berufswahl. Während etwa die Top-Drei-Lehrberufe bei Männern im technischen Bereich liegen, wählen Frauen kaufmännische Berufe oder werden Friseurin bzw. Stylistin. Das Einkommen ist dort bis zu 20 Prozent niedriger. Während der Lehre summiert sich das auf 1000 bis 7000 Euro weniger Entschädigung. Maurer - Platz sechs der Beliebtheit bei den Burschen - kommen in drei Lehrjahren sogar auf fast 30.000 Euro mehr als zum Beispiel Friseurinnen und Friseure", sagt AK-Expertin Simone Weiler aus dem Jugendreferat.
Diese Einkommensunterschiede setzen sich nach der Lehrzeit fort. In der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen verdienen Frauen im Durchschnitt um 451 Euro weniger als ihre gleichaltrigen männlichen Kollegen.

Ein Gütesiegel für das Praktikum

Dennoch: "Eine abgeschlossene Lehre bzw. Ausbildung in jungen Jahren schützt vor späterer Arbeitslosigkeit. Mit unserer Bildungs- und Berufsberatung inklusive kostenloser Kompetenzchecks und professioneller Auswertung finden junge, noch unschlüssige Menschen das passende Angebot", sagt AK-Präsident Peter Eder.

Für mehr Fairness und Gerechtigkeit für Praktikantinnen und Praktikanten sorge seit Beginn des Jahres das "Gütesiegel Praktikum". Damit Unternehmen dieses erhalten, müssen bestimmte Kriterien erfüllt werden. Dazu zählen u.a. ein schriftlicher Praktikumsvertrag, eine zeitliche Beschränkung, die Übereinstimmung der Aufgaben mit dem Bildungsziel, eine adäquate Betreuungsperson, die Bereitstellung der Betriebsmittel und die Anwendung kollektivvertraglicher Regelungen. "Der große Run auf das Gütesiegel zeigt, dass dessen Einführung der richtige Schritt war. Die Situation von Praktikantinnen und Praktikanten wird sich dadurch entscheidend verbessern", sagt Eder.

Um die Qualität und die Qualitätssicherung der so wichtigen Lehre zu erhöhen, fordert der AK-Präsident insbesondere in Bereichen mit großer Unzufriedenheit und hohen Abbruchraten verpflichtende Weiterbildungen für Ausbilderinnen und Ausbilder. Zudem sollten die Förderungen für Lehrbetriebe überdacht werden. Weg von einer Förderung mit der Gießkanne, hin zu einer Förderung nach qualitäts- bzw. problembezogenen Kriterien. So würden Betriebe dazu motiviert, genau dort anzusetzen, wo individuelle Förderung für den Lehrling besteht.

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.08.2019 um 05:35 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/ak-jugendmonitor-immer-mehr-arbeiten-neben-schule-oder-studium-74724424

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