Wirtschaft

AMS zahlt für Hilfsarbeiter, die Lehre starten

Bei der "Erwachsenenlehre" erhält ein Betrieb bis zu 700 Euro im Monat Zuschuss, damit ein Hilfs- zum Facharbeiter wird. 350 sind interessiert.

AMS-Chefin Jacqueline Beyer setzt neue Schwerpunkte.  SN/ams
AMS-Chefin Jacqueline Beyer setzt neue Schwerpunkte.

Die Wirtschaft brummt. Und viele Firmen klagen, dass sie deswegen kaum Fachkräfte finden. Laut einer Umfrage der Wirtschaftskammer würde sogar ein Drittel der Salzburger Betriebe mehr Personal einstellen - wenn sie dieses fände. Gleichzeitig waren im Jahresschnitt 2018 aber, die Schulungsteilnehmer eingerechnet, rund 16.000 Salzburger arbeitslos - bei einem gleichzeitigen Rekord von knapp 260.000 Beschäftigungsverhältnissen. Bei den Lehrstellen ist das Verhältnis noch ärger: Im Jahresschnitt 2018 standen 821 offenen Lehrstellen nur 358 Lehrstellensuchende im Bundesland gegenüber.

Eine Maßnahme, um etwas gegen dieses Missverhältnis und den Fachkräftemangel zu tun, ist die "Erwachsenenlehre" oder "Lehre 18plus": Dabei werden junge Erwachsene, die derzeit nur als Hilfskräfte arbeiten, gezielt motiviert, eine Lehre zu absolvieren. Denn aktuell verfügen fast 43 Prozent der Arbeitslosen in Salzburg nur über einen Pflichtschulabschluss.

Nur: Bislang scheiterte diese Weiterqualifikation oft an den Einkommenseinbußen. Denn die Lehrlingsentschädigung im ersten Lehrjahr beträgt meist nur wenige Hundert Euro.

Um hier Abhilfe zu schaffen, subventioniert das Salzburger AMS ab heuer die "Erwachsenenlehre": Die Mitarbeiter erhalten weiterhin ein Hilfsarbeitergehalt; im ersten Lehrjahr erhalten die Betriebe aber einen Lohnzuschuss von 700 Euro pro Person und Monat. Im zweiten Lehrjahr sind es 600 und im dritten 500. AMS-Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer: "Einige dieser Beschäftigten werden die Lehre sogar in verkürzter Lehrzeit schaffen. Bei Asylberechtigten gibt es im Gegenzug die Möglichkeit zur verlängerten Lehre."

Weiterer Schwerpunkt des AMS für 2019 ist, mehr Frauen in Technikberufe zu bringen: Denn Ende 2018 waren lediglich 107 Frauen in einer handwerklich-technischen Ausbildung. Dritter Punkt ist eine "arbeitsplatznahe Qualifizierung" junger Leute, die von Firmen, in denen sie Praktika machen, übernommen werden sollen. Punkten will man auch mit dem Fachkräftestipendium - speziell im Pflegebereich.

Arbeiter- und Wirtschaftskammer begrüßen all diese Maßnahmen. Differenzen zwischen den Kammern gibt es aber in der Frage, wie die durch die geburtenschwachen Jahrgänge künftig fehlenden Fachkräfte rekrutiert werden sollen. Der scheidende WK-Präsident Konrad Steindl pocht darauf, weiterhin Leute aus dem Ausland anzuwerben, und bringt ein drastisches Beispiel: "Bäcker und Fleischer in Salzburg finden keinen Nachwuchs mehr. Da geht es auch um die Existenz dieser Betriebe. Wenn die keine Leute finden, müssen sie irgendwann zusperren." AK-Präsident Peter Eder entgegnet, dass es die erste Aufgabe sein müsse, zunächst auf Arbeitslose und bereits auf in Österreich befindliche Migranten, etwa Asylbewerber und -berechtigte, zuzugehen - wobei er sich einen Seitenhieb auf Kanzler Sebastian Kurz' Aufsteh-Sager nicht verkneifen konnte: "Wenn Menschen arbeitslos sind und sich nicht jeden Tag gern vor die Tür trauen - dass man die noch als faul und arbeitsunwillig hinstellt, dagegen treten wir auf." Zudem wird von AK-Experten mit den oft sehr niedrigen KV-Gehältern in etlichen Branchen argumentiert: "Ein Bäckerlehrling im ersten Lehrjahr verdient nur 489 Euro netto im Monat." Das reiche oft nicht einmal für die Miete.

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