Wirtschaft

"Auf einem toten Planeten gibt es keine Arbeitsplätze und keine Wirtschaft"

Die 25-jährige Katharina Rogenhofer hat die "Fridays For Future"-Bewegung in Österreich gestartet. Im SN-Interview erklärt die Sprecherin des Klimavolksbegehrens, wie aus einer Demo mit 80 Personen eine Bewegung mit 150.000 Demonstrierenden wurde. Die Wienerin erzählt auch, wie sie Greta Thunberg traf und wie groß das Interesse für Klimaschutz im Pinzgau ist.

Frau Rogenhofer, warum sind Sie mit dem Zug unterwegs in den Pinzgau? Katharina Rogenhofer: Wir werden uns in Zell am See mit Aktivisten treffen und die lokale Szene kennenlernen. Wir spazieren zudem zur Umfahrung Schüttdorf, um uns auszutauschen. Am Abend spreche ich dann in der Robert-Jungk-Bibliothek in der Stadt Salzburg darüber, welch große Hebel es in der Klimapolitik gibt: Als Zivilbevölkerung können wir das Volksbegehren unterschreiben, auf die Straße gehen, Initiativen vor Ort gründen.

Wie schätzen Sie das Interesse für Klimaschutz in Salzburg ein? Es ist großes Interesse da. Wir haben - genauso wie in Tirol - Kooperationen vor Ort. Um viele Menschen zu erreichen, müssen wir uns regional vernetzen. Die Klimakrise und die Lösungen soll alle Winkel Österreichs erreichen und nicht die Menschen von Wien aus oder per Social Media informieren. Es ist wichtig, dass wir viele Freiwillige vor Ort haben.

Sie haben die Streiks von "Fridays For Future" nach Wien gebracht, nachdem Sie Greta Thunberg getroffen haben. Haben Sie erwogen, sich stattdessen mit einem Schild vor das Parlament zu setzen? Wir haben Ähnliches getan: Wir haben uns am 21. Dezember mit Schildern auf den Heldenplatz gestellt. Ich habe Greta Thunberg zuvor beim Klimagipfel in Kattowitz getroffen. Sie hat mir gezeigt, dass wir Menschen jetzt schon betroffen sind, dass es aber auch um die nächste Generation geht, darum wie Österreich sein soll. Mit zwei Freunden habe ich dann die Demo angemeldet, wir waren 80 Personen am Heldenplatz. Danach sind Regionalgruppen entstanden, zuletzt waren beim Earth Strike 150.000 Menschen in Österreich auf der Straße. So groß war die Klimabewegung noch nie - wir werden von der Politik wahrgenommen.

Die Protestierenden wurden von manchen Seiten kritisiert, sie sollten lieber in die Schule gehen … Die Menschen sagen: Macht zuerst eine Ausbildung, dann könnt ihr etwas Positives zur Gesellschaft beitragen. Aber die Wissenschaft wurde lange ignoriert. Es braucht die Streiks, um die Aufmerksamkeit auf Klimaschutz zu lenken - ohne die Demos wäre das Thema nicht so groß geworden.
Bei "Fridays for Future" habe ich intelligente, tolle Jugendliche kennengelernt, die ihre Freizeit investieren: Sie organisieren Diskussionen, reden mit Wissenschafterinnen und Wissenschaftern. Früher hat man uns vorgeworfen, unsere Generation sei unpolitisch. Nun kritisieren sie, dass wir uns engagieren.

Wo liegen für Sie die Unterschiede zwischen Klimavolksbegehren und "Fridays For Future"? Demos und Volksbegehren sind politische Werkzeuge - es ist wichtig, alle Instrumente in die Hand zu nehmen, um Klimaschutz durchzusetzen. Mit dem Volksbegehren wollen wir auch jenen Menschen die Möglichkeit geben, ein Zeichen zu setzen, die nicht auf Demos gehen können oder wollen.

Was ist das Ziel des Volksbegehrens? Mutiger Klimaschutz. Wir haben vier Forderungen: Klimaschutz soll in der Verfassung verankert werden. Es muss ein verpflichtendes CO2-Budget geben, um die Erwärmung auf 1,5 Grad zu begrenzen. Eine ökosoziale Steuerreform soll Treibhausgas besteuern - aber auf sozial verträgliche Weise. Zudem fordern wir eine Energie- und Verkehrswende. Kurzum: Nachhaltiges, klimaschützendes Verhalten soll einfach, leistbar und bequem werden.
Derzeit läuft noch die Unterstützungsphase, im Dezember leiten wir das Volksbegehren ein. Dann wird vom Innenministerium eine Eintragungswoche festgelegt. Alle bisher geleisteten Unterschriften gelten dann schon. Wir haben zuletzt kommuniziert, dass wir 50.000 Unterstützer haben.

Das Thema Klima spaltet die Gesellschaft. Was tun? Die Argumente Wirtschaftlichkeit und Arbeitsplätze sprechen nur scheinbar gegen Klimaschutz. Ich sage jetzt mal ganz polemisch: Auf einem toten Planeten gibt es keine Arbeitsplätze und keine Wirtschaft. Wir sollten nicht darüber diskutieren, ob wir Klimaschutz betreiben, sondern wie: Wie können wir Geringverdienende nicht zu sehr belasten, welche Umschulungen sind nötig, welche Arbeitsplätze kann man erhalten. Es gibt da sehr viele großartige Konzepte.
Was hilft, ist, dass die Menschen schon Auswirkungen spüren. Ich rede mit vielen Menschen in der Land- und Forstwirtschaft: Sie sagen, dass der Wald stirbt. Viel gutes Holz liegt im Wald, weil der Borkenkäfer die Bäume angreift. Und es gibt Ernteausfälle. Nach einer Studie der ARGE kann in Österreich die Ernährungssicherheit bald nicht mehr garantiert werden. Wir müssen endlich aufwachen.

Wie geht es für Sie nach dem Volksbegehren weiter? Ich habe nicht damit gerechnet, dass ich heute bin, wo ich bin. Klima ist mein Anliegen, ich werde daran weiter arbeiten.

Seit April koordiniert Katharina Rogenhofer das Klimavolksbegehren in Österreich. Zuvor hat die 25-Jährige ein Praktikum bei der "Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen" absolviert - dem Teil der UN, der die Klimagipfel organisiert. In Kattowitz hat die Wienerin voriges Jahr Greta Thunberg getroffen, daraufhin startete sie im Dezember die erste "Fridays For Future"-Demonstration in Österreich. Rogenhofer studierte "Biodiversity, Conservation and Management" an der Universität Oxford.

Aufgerufen am 22.11.2019 um 09:13 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/auf-einem-toten-planeten-gibt-es-keine-arbeitsplaetze-und-keine-wirtschaft-78029029

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