Wirtschaft

Aus für Lend: "So etwas habe ich noch nie erlebt"

AK-Präsident Peter Eder spricht von "dubioser Vorgangsweise" bei der Schließung des Aluminiumwerks in Lend. Heute finden immerhin erste Gespräche mit dem tschechischen Eigentümer statt. Und das AMS wird eingeschaltet, um Jobmöglichkeiten für die Betroffenen zu finden.

Die tschechischen Eigentümer wollen das Aluwerk in Lend schließen. SN/robert ratzer
Die tschechischen Eigentümer wollen das Aluwerk in Lend schließen.

Nachdem die Nachricht, dass die tschechische MTX das Aluminiumwerk in Lend schließen werde, derart hohe Wellen geschlagen hatte, gaben die tschechischen Eigentümer ihr Schweigen auf. Heute Nachmittag finden erste Gespräche mit Eigentümervertretern statt.

Wie berichtet, war der Betriebsrat schriftlich davon informiert worden, dass die Produktion mit Jahresende eingestellt werde. 40 Mitarbeiter in Lend und 20 in Schwarzach sind betroffen.

Begründung wurde keine genannt, was für Ärger und Kopfschütteln sorgte. AK-Präsident Peter Eder sprach gegenüber den SN von einer "dubiosen Vorgangsweise". Und: "So etwas habe ich in meiner Karriere noch nie erlebt."

Die tschechischen Eigentümer wollen das Aluwerk in Lend schließen. SN/robert ratzer
Die tschechischen Eigentümer wollen das Aluwerk in Lend schließen.

Es wird nicht damit gerechnet, dass der Schließungsbeschluss noch geändert werden könnte. Aber Fakten sollen auf den Tisch - und Begründungen. AK-Präsident Eder ist derweilen schon bemüht, für die betroffenen Mitarbeiter Lösungen zu finden. Ein Termin beim Arbeitsmarktservice ist für nächste Woche schon fixiert. "Es gibt Firmen, die Mitarbeiter brauchen können, da müssen wir jetzt schnell handeln."

"Gerade eben war ein Vertreter der Firma MTX hier. Er hat sich ein genaues Bild der Lage gemacht. Dass die Schließung nun so hohe Wellen schlägt, war der Firma wohl nicht ganz bewusst", sagte Michaela Höfelsauer (SPÖ), Bürgermeisterin von Lend. Am Nachmittag wird dann ein Geschäftsführer von MTX in Lend erwartet: "Der muss heute wohl mit einigen bitteren Worten rechnen", so Höfelsauer weiter.

Bürgermeisterin Michaela Höfelsauer (SPÖ). SN/robert ratzer
Bürgermeisterin Michaela Höfelsauer (SPÖ).

Höfelsauer: "Werden wirkliche Gründe erfahren"

Die Schließung des Werks ist damit natürlich nicht vom Tisch. Höfelsauer kann sich aber aktuell nicht vorstellen, dass die Firma die Mitarbeiter einfach hängen lässt: "Das wird sich heute Nachmittag entscheiden. Zudem werden wir dann wohl die wirklichen Gründe für die Schließung erfahren", so die Bürgermeisterin.

Lend: Großer Zusammenhalt in der Region

Unter den Mitarbeitern machten sich am Dienstag vor allem Unverständnis und eine gewisse Resignation breit. Der Zusammenhalt in der Region ist aber offenbar groß: Zahlreiche umliegende Firmen melden sich bereits bei Bürgermeisterin Höfelsauer und geben an, weitere Mitarbeiter zu suchen: "Die Firmenchefs melden sich direkt bei mir. Das ist ein wirklich schönes Zeichen der Solidarität und für die Mitarbeiter natürlich auch wichtig."

Haslauer: Land beteiligt sich an Arbeitsstiftung

Landeshauptmann Wilfried Haslauer gab in einer Aussendung am Donnerstag an, dass sich das Land im Bedarfsfall an einer Arbeitsstiftung beteiligen werde: "Aufgrund der guten Konjunkturlage ist aber davon auszugehen, dass die Mehrzahl der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in anderen Betrieben unterkommen - Interessenten haben sich bereits gemeldet. Ich bin mit Bürgermeisterin Michaela Höfelsauer in Kontakt, um rasche Lösungen für die Betroffenen herbeizuführen."

Die tschechischen Eigentümer wollen das Aluwerk in Lend schließen. SN/robert ratzer
Die tschechischen Eigentümer wollen das Aluwerk in Lend schließen.

Aluminium Werk Lend: Wie geht es weiter?

Wie es mit dem Gelände des Werks in Lend nun weitergeht, soll ebenfalls am Donnerstagnachmittag besprochen werden. Höfelsauer geht aktuell davon aus, dass das Gelände verkauft wird. "Grund und Gebäude sind komplett vorhanden. Wie es hier um den Preis steht, kann ich allerdings noch nicht sagen", so die Lender Bürgermeisterin abschließend.

Die Gießerei und die Plattenerzeugung gehörten früher der Aluminium Lend GmbH und waren im Dezember 2016 von der Mutterfirma in den Konkurs geschickt worden. 83 Mitarbeiter verloren ihre Arbeit. Der Masseverwalter konnte die Unternehmen jedoch an die MTX-Gruppe mit Sitz in Prag verkaufen, im Frühjahr 2017 startete die Produktion mit rund 60 Mitarbeitern wieder. Damals war angekündigt worden, dass mittelfristig die Produktion sogar ausgebaut werden soll.

Quelle: SN

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