Wirtschaft

Bad Hofgastein: Seilbahn zahlt mehr Zinsen als die Bank

Schlossalmbahnen investieren Millionen und holen Kleinanleger ins Boot. Neues Finanzierungsmodell gilt in der Branche als Pilotprojekt.

Die Zahl macht ein wenig schwindlig: Bis 2020 werden die Schlossalmbahnen in Bad Hofgastein 85 Millionen Euro investieren. Die Rede ist von einem "Generationenprojekt." Das Skigebiet wird teils neu konfiguriert, ein 125.000 m3 Wasser fassender Speicherteich gebaut, zwei neue Lifte, eine neue Tal- und eine neue Mittelstation entstehen. Die Bauarbeiten starten im Frühjahr 2017.

21,3 Millionen Euro, das entspricht einem Viertel der Gesamtsumme, können aus dem Cash flow finanziert werden. Für die restlichen 63,5 Millionen Euro gibt es verschiedene Finanzierungskonzepte.

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Modell der Bürgerbeteiligung

Auch ein ganz neues, in Salzburg noch nie im Zusammenhang mit Investitionen in Seilbahnanlagen verwendetes. Die Rede ist von einer Bürgerbeteiligung. Neudeutsch heißt das Crowdfunding. Die Vorstände der Gasteiner Bergbahnen, Franz Schafflinger und Wolfgang Egger stellten das Modell am Dienstag vor.

Investoren können sich mit 100 bis 5000 Euro beteiligen. Höchstsumme: 10.000 Euro.

Je nach Laufzeit (fünf oder sieben Jahre) fahren Anleger fix vier oder sechs Prozent Zinsen ein.

Franz Schafflinger: "Das gesamte Kapital wird nach Ablauf der Frist zurückgezahlt." Drei Beteiligungsmodelle stehen zur Wahl. Bei einem ist Fixverzinsung garantiert. Bei zwei weiteren erfolgt die Zinszahlung durch Gutscheine für Liftkarten. Dadurch entstünde eine Art Perpetuum mobile. Ein Kreislauf an Finanzierung, Kundenbindung mit gleichzeitiger Belebung des Geschäftes durch die Anleger. Mittels dieses Beteiligungsmodells können maximal 1,5 Millionen bereitgestellt werden.

"Reales Geld für ein reales Projekt"

Reinhard Willfort ist Direktor einer Crowfunding-Plattform namens 1000x1000. Er realisiert die Bürgerbeteiligung mit den Gasteinern. Er sagt: "In Österreich liegen 610 Mrd. Euro auf Konten und in Stiftungen. Das Modell der Bürgerbeteiligung kann zu einem neuen, starken Motor für die Entwicklung der heimischen Wirtschaft werden." Auch abseits von Wind- oder Solarparks.

Schafflinger zum neuen Finanzierungsmodell im Bereich von Liftanlagen: "Wir wollen keine Bank sein und ziehen deshalb auch bewusst eine Grenze, was die Höhe der Beteiligung betrifft." Es gehe nicht nur um Geld.

Schafflingers Vorstandskollege Wolfgang Egger erläutert: "Gemeinschaft, eine Bindung von Kunden, eine neues Maß an Anteilnahme und Identifikation für ein Projekt stehen im Zentrum." Sowohl in Bezug auf Einheimische als auch in Bezug auf Urlaubsgäste. Für österreichische Kleinanleger falle zudem keine Kapitalertragssteuer an.

Und Willfort fügt an: "Im Gegensatz zur Finanz- und Börsenwelt geht es hier um reale Personen, um reales Geld und um ein reales Projekt. Wir finanzieren hier unsere reale Wirtschaft."

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Möglich macht diese Form touristischer Finanzierung das Alternativfinanzgesetz 2015. Crowdfunding soll damit als sinnvolle Ergänzung zur klassischen Kreditfinanzierung etabliert und der Unternehmergeist gestärkt werden.

Schafflinger: "Unsere Branche sollte dieses Modell viel mehr nützen."

Die Pistenfläche der Schlossalm wird nach Umsetzung des "Generationenprojektes" 120 Hektar betragen (plus 20 Hektar). die Beförderungskapazität von 1400 auf 3000 Personen pro Stunde erhöht. Die multifunktionale Talstation auf die gegenüberliegende Seite der Bundesstraße verlegt. Für den Skinachwuchs der Tourismusschule entstehen zwei neue Trainingsstrecken.

Alle Infos zum Projekt:www.skigastein.com

Aufgerufen am 21.09.2018 um 12:49 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/bad-hofgastein-seilbahn-zahlt-mehr-zinsen-als-die-bank-842941

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