Wirtschaft

Beim Walser Biobauern wächst auch im Winter frisches Gemüse

Warum auf den Frühling warten? Wissenschaft und Landwirtschaft unterziehen heimisches Gemüse einem Winterhärtetest - mit Erfolg.

"Unser Gemüse wird maßlos unterschätzt", sagt Wolfgang Palme. An der Höheren Bundeslehr- und Forschungsanstalt für Gartenbau in Schönbrunn betreibt der Wissenschafter seit elf Jahren buchstäblich Feldforschung. Er baut Salate, Radieschen oder Rüben an und setzt sie der Kälte und dem Schnee aus. "Es zeigt sich, dass das Gemüse viel kälteresistenter ist als von der Forschung beschrieben", sagt er. Salat dürfte minus neun Grad keinesfalls überleben, weil ihm die Wissenschaft höchstes minus zwei Grad zutraut - tatsächlich entwickelt er sich auch unter diesen Bedingungen prächtig. "Wenn er gefroren ist, lässt er die Blätter hängen, sobald die Sonne durch die Folie scheint, erwärmt er sich und regeneriert sich völlig", beschreibt der Wissenschafter. Einige Sorten halten sogar Temperaturen von bis zu minus 30 Grad aus.

Johann Feldinger, Biobauer aus Wals-Siezenheim, ist einer von österreichweit sieben Bio Austria-Betrieben und drei Versuchsanstalten, die seit April 2016 beim Anbau von Wintergemüse von Wissenschaftler Wolfgang Palme und Bio Austria begleitet werden. Das Gemüse wächst im Freien oder, geschützt vor der Nässe des Winters, in unbeheizten Folienhäusern. Es ist weniger anfällig gegenüber der Kälte als gegenüber der Nässe von Schnee und Regen. Im Folienhaus des Ökohofs Feldinger werden die im Herbst gesäten Radieschen und Salate jetzt reif und der Grünkohl am Feld zeigt sich vom ersten Schnee unbeeindruckt.

Die Kombination aus Regionalität und Saisonalität macht das Wintergemüse nicht nur energieeffizient und nachhaltig, sondern auch einzigartig. "Diese Form der Bewirtschaftung eignet sich für Direktvermarkter - in Supermärkten wird man dieses Angebot nicht finden", sagt Wolfgang Palme. Wie sich das Gemüse entwickelt, hängt vom Winter und vom Standort ab und lässt sich nicht im großen Stil vorausplanen. "Wien verzeichnet im Jänner und im Februar durchschnittlich 1,8 bzw. 2,8 Sonnenstunden am Tag. In Salzburg sind es 2,1 bzw. 3,2 Sonnenstunden. Das macht einen Unterschied", erklärt Palme. Er hofft, dass sich diese Form des Gemüseanbaus in Österreich etablieren wird und mittelfristig den Import von Wintergemüse überflüssig macht.

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