Wirtschaft

"Betriebe wollen die billigsten, nicht die besten Köche"

Welche Arbeitsmarktmaßnahmen in Boom-Zeiten nötig sind, darüber sind AK, WK und AMS uneins.

AK-Präsident Siegfried Pichler übt Kritik am Lohnniveau im Tourismussektor.  SN/marco riebler
AK-Präsident Siegfried Pichler übt Kritik am Lohnniveau im Tourismussektor.

Die Wirtschaft brummt. Denn die Arbeitslosigkeit ist 2017, die Schulungsteilnehmer eingerechnet, um 4,1 Prozentpunkte gesunken, auf rund 16.800 Personen im Jahresschnitt. Die Arbeitslosenquote von im Jahresschnitt 5,3 Prozent ist der mit Abstand beste Wert in Österreich. Gleichzeitig stellen die rund 254.000 Beschäftigungsverhältnisse im selben Zeitraum neuen Rekord dar. Heuer soll es ähnlich laufen: Zu Jahresbeginn lag die Arbeitslosenquote bei nur mehr 5,1 Prozent, was dem angepeilten Ziel für 2018 entspricht. Das Wirtschaftswachstum dürfte mit bis zu drei Prozent weiter hoch bleiben.

Allerdings: Darüber, was in der jetzigen Boomphase an Arbeitsmarkt-Maßnahmen nötig ist, gehen die Meinungen der Sozialpartner auseinander. Der Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice (AMS), Siegfried Steinlechner, will dem Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit (über ein Jahr vorgemerkt) Priorität geben: Denn die Zahl der Betroffenen stieg 2017 um 16,6 Prozent auf im Jahresschnitt 1255.

Der Präsident der Arbeiterkammer (AK), Siegfried Pichler, nennt deswegen das vom Bund fixierte Ende der Aktion 20.000 (bei gemeinnützigen Jobs von Langzeit-Arbeitslosen werden bis zu 100 Prozent der Lohnkosten bis zu zwei Jahre vom AMS getragen, Anm.), den "falschen Schritt". Weiters sei es "zynisch, die Zugangsbestimmungen zum Arbeitslosengeld verschärfen zu wollen." Pichler ist auch gegen das Ende der Notstandshilfe und fordert stattdessen eine "aktive Arbeitsmarktpolitik" etwa in Form von Qualifizierungsmaßnahmen für Schlechtausgebildete. Der Facharbeitermangel ist für ihn "hausgemacht", weil zuletzt zu wenige Lehrlinge ausgebildet worden seien. Außerdem stört den AK-Chef das Faktum, dass in der Saison im Tourismus bereits mehr als die Hälfte des Personals Ausländer sind: "Da steckt Lohn- und Sozialdumping dahinter. Man kann einen Koch auch mit der Rot-Weiss-Rot-Card ins Land holen. Der müsste aber einen Mindestlohn von 2565 Euro brutto verdienen. Wenn er über die Mangelberufsliste kommt, muss man ihm nur 1600 Euro brutto laut Kollektivvertrag zahlen." Die Betriebe wollten aber nicht die besten Köche, sondern die billigsten, so Pichlers Resümee.

Der Präsident der Wirtschaftskammer (WK), Konrad Steindl, wiederum pocht darauf, Köche gleich auf die Mangelberufsliste zu setzen: Denn ein Köche-Überschuss im Burgenland helfe Salzburg nicht weiter: "Überzogener Berufsschutz ist uns ein Dorn im Auge." Weiters fordert er eine Entbürokratisierung der Rot-Weiß-Rot-Card, sowie den Bezug der Notstandshilfe auf zwei Jahre zu beschränken. Die Mittel der Aktion 20.000 würde er gerne für die Wiedereingliederung von Langzeitarbeitslosen bei privaten Unternehmen verwenden: "Das ist viel zielführender."

Aufgerufen am 18.10.2018 um 07:07 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/betriebe-wollen-die-billigsten-nicht-die-besten-koeche-23282782

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