Wirtschaft

Bramberger Obstpresse: Wie der Apfel wieder einen Wert bekam

Vor 15 Jahren beschloss man in Bramberg, eine Obstpresse zu kaufen. Was daraus entstand, ist zum Modell geworden.

Christian Vötter, Josef Steiner und Toni Lassacher (von links) an der Obstpresse in Bramberg. SN/anton kaindl
Christian Vötter, Josef Steiner und Toni Lassacher (von links) an der Obstpresse in Bramberg.

Der Oberpinzgau ist klimatisch, den Obstanbau betreffend, nicht so begünstigt wie die Steiermark oder Südtirol. Frostnächte gefährden den Ertrag. Dennoch begannen einzelne Landwirte wie Jakob Schranz in Niedernsill und Martin Steger in Bramberg im 19. Jahrhundert sich intensiv mit Obstbau auseinanderzusetzen und gaben ihr Wissen in der Region weiter.

Heute führen der Obst- und Gartenbauverein Bramberg und der Verein Tauriska das Werk fort. Am Freitag nehmen sie ihre Obstpresse wieder in Betrieb, die sie vor 15 Jahren angeschafft haben. Nach telefonischer Voranmeldung kann dort jeder sein Obst zu Saft pressen lassen, auch Kleinmengen. Und man bekomme den Saft vom eigenen Obst, was es sonst kaum gebe, sagt Toni Lassacher, seit 2001 Obmann des Obst- und Gartenbauvereins. Gepresst wird bis November jeden Freitag, in der Haupterntezeit auch an anderen Tagen.

Lassacher sagt, der Verein habe sich schon lange dafür eingesetzt, dass die Leute nicht nur Rasen und Hecken anlegen, sondern wieder Obstbäume pflanzen - vor allem sein Vorgänger Josef Fankhauser. "Viele wussten dann aber nicht, was sie mit dem Obst machen sollen. Es wurde nur ein Teil zum Essen, zum Schnapsbrennen und als Viehfutter verwendet. Seit die Keller beheizt sind, kann man die Äpfel auch nicht mehr lagern." Und eine Möglichkeit, kleinere Mengen zu Saft zu pressen, gab es nicht. "Ich habe mich dann wegen einer Obstpresse umgeschaut. Aber die sind sauteuer. Die Kosten von 50.000 bis 60.000 Euro konnte der Verein nicht aufbringen."

Lassacher wandte sich an Christian Vötter, der als Obmann des Vereins Tauriska Erfahrung mit Förderungen hatte. Vötter machte aus der Idee zur Anschaffung einer Obstpresse ein umfassendes Projekt, bei dem auch die Jugend, die Gastronomie und kleine Handwerksbetriebe einbezogen wurden, nicht zuletzt deshalb, um auch förderwürdig zu sein. Vötter: "Und die Gemeinde Bramberg stellt uns die Räumlichkeiten bis heute kostenlos zur Verfügung. Vorher ist in dem ehemaligen Stall eine Pistenraupe gestanden." Das nötige Eigenkapital für die Anschaffung trieben Lassacher und Vötter mit privaten Krediten auf. "Als Kulturvereinsobmann war ich das gewöhnt", sagt Vötter.

Der Erfolg der Presse übertraf alle Erwartungen. Schon im ersten Jahr wurden 30.000 Liter Saft erzeugt. Inzwischen sind es je nach Ernte 70.000 bis 80.000 Liter. Die Pressanlage wurde immer wieder modernisiert und später auch eine Trockenanlage angeschafft. Damit werden aus den Pressrückständen Apfeltresterflocken und -pulver hergestellt, die man zum Beispiel für Müsli oder Kuchen verwenden kann. "Das gibt es sonst in ganz Österreich nicht", sagt Vötter.

Das Ziel war es, dass das Obst in der Region wieder mehr wert ist. Deshalb bekommen auch alle Schüler im Ort ihren eigenen Obstbaum und es wurden zahlreiche Leute zu Baumwarten ausgebildet. Andere Vereine kamen nach Bramberg, um sich die Anlage anzuschauen, und schafften auch Pressen an. Vötter und Lassacher werden aus ganz Österreich zu Vorträgen eingeladen, um über ihre Erfahrungen mit dem Apfel zu berichten.

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