Wirtschaft

Bürgermeister Preuner ist gegen Touristen-Obergrenze für die Stadt Salzburg

Überlegungen in Richtung Besucherlenkung hätten begonnen, hieß es bei einer Präsentation der Tourismuszahlen 2018 am Donnerstag. Das Busregistrierungssystem sei nur ein erster Schritt. Sowohl Bürgermeister Harald Preuner (ÖVP) als auch Tourismus-Stadt-GmbH-Chef Bert Brugger sprachen sich jedoch gegen eine dezidierte Gäste-Obergrenze für die Landeshaupstadt aus.

Die Salzburger Getreidegasse als Sinnbild für den Touristenansturm auf die Stadt.  SN/robert ratzer
Die Salzburger Getreidegasse als Sinnbild für den Touristenansturm auf die Stadt.

Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner und der Geschäftsführer der Tourismus Salzburg GmbH (TSG), Bert Brugger, nutzten die Präsentation der touristischen Ergebnisse 2018 am Donnerstag zur Vorstellung von Plänen für die zukünftige Entwicklung. Mit 1.821.303 Ankünften (+3,6 %) und 3.141.005 Nächtigungen (+3,2 %) hat der Tourismus in der Stadt Salzburg im Jahr 2018 für eine erfolgreiche Bilanz gesorgt. Die Nächtigungen aus Österreich stiegen um 1,79 %, jene aus Deutschland um 3,88 % und aus den USA um 7,61 %. Diese drei Länder haben in Summe mehr als 50.000 Nächtigungen Zuwachs im Vergleich zu 2017 und machen mehr als die Hälfte aller Übernachtungen aus (51,8 %). Auf Platz 4 und 5 der wichtigsten Märkte folgen die UK (133.345 Nächtigungen, +7,87 %) und China (129.710 Nächtigungen, +1,44 %). Das ergibt einen Marktanteil von 4,2 % für die britischen und 4,1 % für die chinesischen Gäste.

Bettenauslastung weiter gesteigert

Trotz der leicht gestiegenen Bettenanzahl auf rund 13.000 konnte die Bettenauslastung weiter gesteigert werden und liegt bei 61,23 %, was einer Zimmerauslastung von etwa 80 Prozent entspricht. Bruggers Vergleich: "Das heißt: Die Hotels sind an 290 Tagen im Jahr voll. Und an jedem Tag schlafen heuer 4000 Gäste mehr pro Nacht in den Hotels der Stadt als noch vor 15 Jahren."

Im Salzburger Kongresshaus, das der Stadt gehört, wurden im Jahr 2018 insgesamt 112 (im Vergleich zu 103 im Vorjahr) Veranstaltungen abgehalten. 254 Belegungstage führten zu rund 45.000 Nächtigungen. Die gesamten Nächtigungen aus diesem Segment machen mehr als 250.000 Nächtigungen aus, was knapp 10 % der Gesamtnächtigungen entspricht. Kongress- und Tagungsgäste zählen zu den lukrativsten Städtetouristen, sie bringen im Schnitt eine drei- bis fünfmal höhere Wertschöpfung und stellen mit Tagesausgaben von rund 450 Euro die profitabelste aller touristischen Zielgruppen dar.

Online Reisebussystem wird um Shuttle-Lösung erweitert

Seit 1. Juni 2018 müssen Reisebusse für die Zufahrt zu den Terminals Nonntal und Paris-Lodron-Straße vor Anreise einen Zeitslot gebucht haben. Dieses System habe sich rasch bewährt: Im Zeitraum Juni bis Dezember 2018 wurden 53.238 Zufahrten von rund 27.000 Reisebussen registriert, hochgerechnet auf das gesamte Jahr ergibt das rund 40.000 Busse. 45 % der Zufahrten wurden am Terminal Paris-Lodron-Straße abgewickelt, 55 % am Terminal Nonntal.Im nächsten Schritt soll mit 1. Juni 2019 die Gebühr pro Zufahrt von 24 auf 38 Euro erhöht werden. Warum wird die Gebühr nicht noch weiter erhöht? Preuners Antwort: "Wenn wir diesen Tarif zu weit anheben, besteht die Gefahr, dass der Bus-Chauffeur die Gäste irgendwo illegal aussteigen lässt - etwa bei der Regionalbus-Haltestelle Hofwirt." Das blockiere dann die Haltestelle fast für eine halbe Stunde, und das wolle man vermeiden - ebenso wie aufwändige und teure Kontrollen dieser illegalen Park-Aktionen.

Auch für den Individualgast wird es eine neue Lösung geben: In den Sommermonaten Juli und August soll von Montag bis Freitag eine Direktverbindung vom Park & Ride Messe bis zum Hanuschplatz eingerichtet werden.

Weitere Maßnahmen zur Besucherlenkung

Ein Ziel in den Überlegungen ist eine örtliche Verteilung der Besucherströme und Attraktivierung alternativer Plätze in und außerhalb der Altstadt. Der Besuch der wichtigsten Sehenswürdigkeiten sei nicht zu vermeiden, eine Lenkung der Routenplanung könne jedoch Abhilfe leisten. Brugger: "Wir wollen mit Thementouren die Gäste von den 'Ameisenrouten' weg in die Umgebung locken."

Zum Beispiel werde mit den Salzburger Fremdenführern an einem Katalog gearbeitet, der geführte Gruppen in Zukunft besser lenken soll. So könnte die Gruppengröße auf 25 Personen limitiert werden und Alternativrouten in und innerhalb der Altstadt könnten für eine bessere Verteilung sorgen. So könnte es spezielle Angebote geben, etwa Wanderungen über die Stadtberge, Rundwege zum Thema Kirchenstadt oder der "Walk of Modern Art". Schon jetzt würden über die Salzburg-Card pro Jahr bis zu 70.000 Touristen mit der Seilbahn auf den Untersberg fahren, sagt Brugger: "Und bis 100.000 locken wir jedes Jahr nach Hellbrunn."

Allerdings: Die Zahl der reinen Tagesgäste, die in keiner Statistik aufscheinen, schätzt Brugger auf mittlerweile sechs bis sieben Millionen im Jahr. "Basis ist eine Studie aus 2008, die von 5,5 Millionen spricht; hochgerechnet sind es jetzt entsprechend mehr." Rund 3,5 Millionen davon seien aber Einheimische, die aus der Umgebung für einen Tag nach Salzburg kämen, betont er.

Preuner und Brugger wollen keine Besucher-Obergrenze

Eine dezidierte Besucher-Obergrenze lehnten auf Nachfrage aber sowohl Preuner wie auch Brugger ab. Preuner betonte: "Das hat uns bisher keiner der Experten sagen können, wo eine solche Grenze liegen soll." Für ihn sei eine Obergrenze nur dann erreicht, wenn die Bevölkerung ein Mehr an Gästen nicht mehr akzeptiere, meinte Preuner sinngemäß. Und Brugger betonte, dass, auch wenn man wolle, "eine Obergrenze nur schwer festzulegen ist und noch viel schwerer zu exekutieren ist. Und wenn wir Gäste auszusperren beginnen, kommen wir in Konflikt mit der Reisefreiheit. Und die ist ein Menschenrecht." Das wünsche er sich für Salzburg nicht.

Neue Regeln für Airbnb sollen kommen

Auch die Vermietung über Onlineplattformen wie Airbnb werde gesetzlich geregelt. Der Wettbewerb zwischen Wohnungs- und touristischer Nutzung müsse entschärft werden. Stadt und Land Salzburg bringen ein neues Tourismusgesetz auf den Weg, in dem festgehalten wird, dass sich die Vermieter in Zukunft registrieren und online alle Angebote mit dieser Registrierungsnummer versehen sein müssen. Damit solle eine effiziente Kontrolle gewährleistet werden. Und das so ein Registrierungssystem erfolgreich sein könne, untermauerte Brugger am Beispiel Japan: "In Tokio hat sich durch die Registrierung das Airbnb-Angebot am Markt drastisch reduziert."

Quelle: SN

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