Wirtschaft

Das sagt die Wirtschaftskammer Salzburg: "So viele offene Stellen wie noch nie"

"Vor einem Jahr haben wir noch eine Rekordarbeitslosigkeit verzeichnet, ein Jahr später freuen wir uns in Salzburg phasenweise über Vollbeschäftigung und niedrigste Arbeitslosenraten. Das grundlegende Problem ist aber geblieben: der eklatante Bedarf an Fach- und Arbeitskräften!", erklärt Peter Buchmüller, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg.

Peter Buchmüller, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg.  SN/robert ratzer
Peter Buchmüller, Präsident der Wirtschaftskammer Salzburg.

80 Prozent der Betriebe in Salzburg geben laut WKÖ-Wirtschaftsbarometer an, dass das Problem fehlender Arbeitskräfte derzeit die größte Herausforderung darstellt, noch vor Schwierigkeiten in den Lieferketten und Belastungen aufgrund der hohen Energiepreise. "Die Wirtschaft bietet so viele offene Stellen an wie noch nie. Ende Dezember waren beim AMS 11.545 offene Stellen vermerkt, um 219 Prozent mehr als Dezember 2020 und sogar um 77 Prozent mehr als im Hochkonjunkturjahr 2019. Das Problem der mangelnden Arbeitskräfte wird langsam aber sicher zur Wachstumsbremse", warnt Peter Buchmüller.

Können neue, zusätzliche Stellen nicht besetzt werden, wächst sich der Mangel auch zum Wettbewerbsnachteil der Betriebe gegenüber Mitkonkurrenten in anderen Ländern aus. Der Fachkräftemangel darf deshalb nicht einfach hingenommen werden, warnt Buchmüller: "Die Arbeitskräfteproblematik gefährdet die Dynamik in der Wirtschaft und damit mittelfristig das Wohlstandsniveau. Wir müssen dieses grundlegende Strukturproblem in den Griff bekommen!"

Mehrfach angekündigte Arbeitsmarktreform finalisieren

Vor diesem Hintergrund fordert der Salzburger Wirtschaftskammerpräsident einmal mehr eine umfassende Reform der Arbeitslosenversicherung. "Die von Arbeitsminister Kocher für das erste Halbjahr angekündigte Reform muss jetzt angegangen werden. Auch wenn die Materie heikel ist, löst sie sich nicht durch wiederholte Ankündigungen, sondern nur durch konkrete Maßnahmen." Generell muss es jetzt darum gehen, die Arbeit zu fördern und nicht die Arbeitslosigkeit. Es müssen verstärkt Anreize und Unterstützung zur Beschäftigungsaufnahme gesetzt werden.
Konkret fordert die Wirtschaftskammer Salzburg erneut folgende Maßnahmen:

  • Eine degressive Staffelung des Arbeitslosengeldes mit einer aufkommensneutralen Erhöhung in den ersten drei Monaten und einer Absenkung nach dem dritten und dem sechsten Monat. Arbeitsminister Kocher kündigt hier ein differenziertes Modell an. "Wir erwarten seine Vorschläge", erklärt Buchmüller.
  • Die Möglichkeit der geringfügigen Beschäftigung neben dem Bezug an Arbeitslosenunterstützung sollte zumindest eingeschränkt werden. Sie hat sich als vermittlungshemmend erwiesen und verfestigt den Verbleib in der Arbeitslosigkeit.


Als weitere Maßnahme gegen den Fachkräftemangel ist nach Ansicht der WK Salzburg auch eine Neuordnung im Bereich der qualifizierten Zuwanderung nötig. Hier braucht es eine längst überfällige Reform der Rot-Weiß-Rot-Card.

Sozialpartner haben wichtige Initiative für die Qualifizierung verstärkt
2020 haben darüber hinaus AMS, AK, WKS und das Technische Ausbildungszentrum Mitterberghütten (TAZ) die Höherqualifizierung von Arbeitslosen gestartet. "Wir haben damit das Angebot der arbeitsplatznahen Qualifizierung - kurz AQUA - verbreitert. Wir können damit eine weitere Höherqualifizierung im stark nachgefragten Bereich Technik bzw. dem Elektro- und Metallsektor anbieten. Die AQUA-Ausbildung ist noch dazu besonders praxisnah gestaltet und findet in den Unternehmen statt, die so einen direkten Zugang zu den späteren Fachkräften bekommen", hebt Buchmüller die Vorteile hervor.

Die WKS erachtet - neben Anreizen, eine Beschäftigung aufzunehmen - die betriebsnahe Qualifizierung als eine zentrale Strategie, mehr Menschen aus der Arbeitslosigkeit in die Beschäftigung zu bringen.

Betriebliche Kinderbetreuung hilft Frauen, Familie und Betrieb

Mit einer besseren Kinderbetreuung könnten immer mehr Frauen ins Erwerbsleben eintreten oder auch ganztags arbeiten, wenn sie wollen. Auch das stellt eine Teilstrategie gegen den Mangel an Arbeitskräften und zur Bewältigung des demografischen Wandels dar.

Hier haben die Sozialpartner AK und WKS mit der Beratungsstelle "Betriebliche Kinderbetreuung" vor gut einem Jahr ein Projekt gestartet. Die Beratungsstelle berät Betriebe, Betriebsräte und Beschäftigte beim Aufbau von betrieblichen Kinderbetreuungsmöglichkeiten und das kostenlos.

Das neue Beratungsangebot wird sehr gut angenommen. Es haben sich bereits zahlreiche Firmen gemeldet, die Interesse an entsprechenden Angeboten für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Ein Salzburger Vorzeigebetrieb, die has.to.be gmbh in Radstadt, hat nach eingehenden Beratungen bereits einen betrieblichen Kindergarten installiert. Weitere Betriebe werden heuer folgen. "Wir brauchen generell mehr für Beschäftigte, auch praktikable Möglichkeiten der Kinderbetreuung. Das würde allen helfen, den Eltern und den Betrieben", tritt Buchmüller für neue Wege ein.

Erfreuliche Bilanz: Lehre zieht wieder an

"Die duale Ausbildung hat sich als krisenfest erwiesen", betont der Salzburger WK-Präsident. Besonders erfreulich: Mit einem Plus von 4 Prozent bei den Lehranfängern setzte Salzburg im Vorjahr den Lehrlingszuwachs wieder fort, der durch die Corona-Pandemie 2020 unterbrochen wurde. 2.308 junge Leute haben im Vorjahr eine Lehrausbildung aufgenommen. Der Zuwachs von 4 Prozent liegt dabei über dem österreichischen Durchschnitt: Österreichweit starteten im Vorjahr 33.189 Lehrlinge ihre Ausbildung, um 3,8 Prozent mehr als 2020.

Die Gesamtzahl der Lehrlinge ist 2021 in Salzburg von 8.344 auf 8.149 zurückgegangen, ein Effekt des Corona-Tiefs, das vor allem die Lehrausbildung im Tourismus getroffen hat. Dieses Minus wird aber heuer wieder zusehends kleiner. Denn die Zahl der Lehranfänger ist 2021 auch in Tourismus und Freizeitwirtschaft gestiegen - und das mit 17,4 Prozent (Österreich +10,3%) überdurchschnittlich hoch. In fast allen Sparten der Salzburger Wirtschaft legte die Zahl der Lehranfänger mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten zu.

Zwar hat die Zahl der Lehrbetriebe auf 2.555 (-1,35%) leicht abgenommen, gezählt werden in dieser Statistik aber Betriebe, die aktuell ausbilden. Viele Betriebe wollen, aber können gar nicht ausbilden, weil sie derzeit keine Lehrlinge finden. Dies beweist auch die Zahl der offenen Stellen: Ende Dezember sind beim AMS in Salzburg laut Aussendung des AMS 1.210 Lehrstellen gemeldet gewesen, gegenüber Dezember 2020 ein Plus von 101,7 Prozent, und auch gegenüber 2019 noch ein Plus von 80 Prozent. Diesem Angebot standen Ende des Jahres 306 Lehrstellensuchende gegenüber.

Auf das Gesamtjahr bezogen, hat sich die Zahl der offenen Lehrstellen gegenüber 2019 um fast 21 Prozent erhöht. 1.075 Stellen wurden im vergangenen Jahr angeboten, ein Plus von 251 (60%) gegenüber 2020.

"Die sinkende Ausbildungsbereitschaft der Wirtschaft ist eine Mär. Schuldzuweisungen sind unangebracht - wir alle müssen zusammenarbeiten, um die duale Ausbildung weiter zu stärken. Wir waren vor Corona schon auf einem guten Weg, wir sollen auch nach Corona wieder alle Kraft auf die Sicherung der Lehrlingsausbildung richten." WKS-Präsident Buchmüller bedankte sich in diesem Zusammenhang bei AMS-Landesgeschäftsführerin Jacqueline Beyer für ihre Bemühungen, etwa in der Erwachsenenlehre und für Initiativen wie die Lehrlings-Challenge 2021.

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