Wirtschaft

Die beste Lage für die Wohnung

Eine Plattform soll es erleichtern, Wohnviertel zu vergleichen. "Lageprofi" zeigt auch, wie viele Singles in der Gegend wohnen.

Die Dreizimmerwohnung sieht gut aus, die Räume sind auf den Fotos hell und es gibt einen Garten. Die Unterlagen, die der Makler präsentiert, sind detailliert: Quadratmeter, Heizbedarf, Beschaffenheit des Bodens. Doch was nutzt die schönste Wohnung, wenn die Lage nicht passt?

Bernd Gschwandtner ist Geschäftsführer von Terravistor. Der 46-jährige Salzburger und sein Partner Rainer Schilcher wollen Wohnungssuchenden mehr Informationen über ihren zukünftigen Wohnort zukommen lassen. "Die Lage war bisher unterrepräsentiert: Das Objekt lässt sich verändern, die Lage nicht", sagt Gschwandtner. Mit der Plattform "Lageprofi" will er Maklern, Bauträgern und Sachverständigen Werkzeuge in die Hand geben, mit denen diese Kunden besser beraten können. Die Pauschale startet bei 79 Euro, das teuerste Paket kostet 199 Euro. 150 Makler nutzen das System bereits. Derzeit gibt es die Plattform nur in Österreich, eine Version für Deutschland soll folgen.

Wie viel hat der Nachbar für seine Wohnung bezahlt?

Wer sich bei "Lageprofi" einloggt, gibt zuerst die Adresse der Immobilie ein und kann anschließend verschiedene Bereiche wählen. Wer auf "Grundbuch" klickt, bekommt eine Übersicht über Immobilien in der Nähe der Adresse sowie Zugriff auf den Verkaufspreis und die Quadratmeter. "Die Daten kommen aus dem Grundbuch, wir stellen sie lesbar dar", sagt Gschwandtner. Die Plattform rechne den durchschnittlichen Quadratmeterpreis der gewählten Wohnungen und Häuser aus. Wenn der Verkauf länger zurückliege, berechne ein Algorithmus den Wert, den die Immobilie jetzt haben würde. Plötzlich taucht Neugierde auf: Wie viel haben die Nachbarn für ihre Wohnung gezahlt? Und warum darf ich das überhaupt wissen? "Die Daten sind öffentlich zugänglich, jeder kann die Verträge einsehen", sagt Gschwandtner. Die Plattform vereinfache den Prozess nur. Wer die Preise vergleichen will, stellt aber fest, dass das Alter der Häuser nicht erfasst ist. Das Baudatum ist aber sehr wohl relevant für eine Bewertung. "Das stimmt. Der Makler muss jedoch ohnehin bewerten, wann das Haus gebaut und saniert wurde."

Weitere Daten zu verschiedenen Objekten kommen von der Statistik Austria, dem Bund und acht weiteren Quellen. Grafiken zeigen die Entfernung zu Bäckereien, Bahnhof, Kino sowie Kindergärten und Fitnesscenter. Selbst die Zahl der Singles in der Nähe ist angegeben: Balken zeigen einen Vergleichswert für das Bundesland und den Bezirk. Ein Kreisdiagramm stellt den Anteil der Grünflächen in der Nähe dar, eine Karte zeigt die Lärmbelastung. Zudem werde prognostiziert, ob die Immobilie in den kommenden zwei Jahren teurer werde, sagt Gschwandtner: "Dadurch lassen sich Szeneviertel früh erkennen."

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