Wirtschaft

Ein Haus ganz ohne Heizung

Dass es möglich ist, ein Haus bauen zu lassen, dass mehr Energie produziert, als es verbraucht und trotzdem nicht teurer als ein "normales" Haus ist, hat ein Energieberater bei seinem Privathaus in Köstendorf bewiesen. Wie das genau geht, wird Experte Georg Thor heute, Donnerstag, bei einem Fachsymposion präsentieren. Die SN erfuhren es schon vorab.

Ein Haus ganz ohne Heizung SN/chris hofer
Hauseigentümer Friedrich Wörndl und Georg Thor von der Energieberatung Salzburg vor dem ersten Plus-Energie-Haus in Köstendorf.

Friedrich Wörndl ist ein Veteran der Energieberatung in Salzburg - und seit kurzem offiziell in Pension. 2012 hat er sich einen Traum erfüllt - und mit seiner Frau in Köstendorf ein Haus gebaut - schon zum zweiten Mal in seinem Leben. Weil er es seiner Ehre als Energieberater schuldete, plante er das Haus als sogenanntes "Plus-Energie-Haus", das mehr Energie erzeugt, als es verbraucht. Wörndl: "Ich habe mir gedacht, alle Erfahrungen und Tipps zu verwirklichen, die ich gehört habe. Das ist zu 100 Prozent gelungen. Das Lehrgeld habe ich beim ersten Mal gezahlt, als ich vor 35 Jahren gebaut habe."

Beraten hat ihn dabei sein Chef in der Energieberatung, Georg Thor. Er wird darüber auch heute, Donnerstag, beim Fachsymposion "Alpines Bauen" an der Fachhochschule Salzburg in Puch-Urstein referieren. Warum insbesondere Plus-Energie-Haus ein Thema beim Bauen in den Alpen sind, liegt für Thor auf der Hand: "Solar- und Photovoltaikanlagen haben umso bessere Erträge, je höher ein Haus liegt, weil es dann weniger Nebel gibt und die Sonnenstrahlung an sich stärker ist." Je alpiner die Lage ist, umso leichter sei es, ein Haus nur mit der Sonne zu heizen.

Haus hat Solar- und Photvoltaikanlage sowie Betonkernaktivierung

Zentraler Ansatz beim Projekt in Köstendorf sei gewesen, ein Haus zu bauen, dass komplett ohne eigene Heizung auskomme, berichtet Thor: "Die Kunst ist zunächst, das Haus so zu planen, dass die Gebäudehülle sehr dicht ist." Aber wie wird etwa das Warmwasser beheizt - ohne Heizung? Thor: "Die Grundbeheizung erfolgt über eine zehn Quadratmeter große thermische Solaranlage, die an der Südwand des Hauses angebracht ist - mit 60 Grad Neigung." Gespeichert werde diese Wärme, wenn sie nicht sofort verbraucht werde, im Betonkern der Decke zwischen Parterre und erstem Stock. Auffälligstes technisches Detail am Einfamilienhaus (130 m22 Wohnfläche) samt Einliegerwohnung (23 m²), das Wörndl mit seiner Frau bewohnt, ist aber die Photovoltaikanlage: Diese ist auf einem eigenen Masten, der neben dem Haus steht, angebracht: Der Vorteil an dieser Konstruktion: Die Anlage kann sich drehen - und folgt dem jeweiligen Sonnenstand, um die höchstmögliche Strommenge produzieren zu können.

Wörndls Erkenntnis aus der nur vier Monate dauernden Bauzeit von Februar bis Juni 2012? "Meine Botschaft ist: Man sollte es so bauen, dass es die beste Wärmedämmung hat - und eine Komfortlüftung mit Wärmerückgewinnung - dann ist schon viel gewonnen." Dem Haus eine konventionelle Heizung verpassen, daran habe er gar keinen Gedanken verschwendet, erzählt Wörndl lachend: "Als pensionierter Energieberater weiß ich gar nicht mehr, wie man Erdöl schreibt."

Der Clou: Baukosten waren nicht höher als für konventionelles Haus

Aber sind nicht die Baukosten bei so einem Projekt automatisch höher als bei einem konventionellen Eigenheim aus Ziegel und mit Gas- oder Ölheizung? Wörndl kann diese Frage entschieden verneinen: "Wir haben uns für Fertigteilbauweise entschieden. Und das Haus hat uns ohne Grundstückskosten, Bodenplatte und PV-Anlage - schlüsselfertig rund 220.000 Euro gekostet. Wir sind damit auf keinen Fall teurer als ein konventionelles Haus. " Wie das möglich ist, erklärt Wörndl mit einem Satz: "Der Vorteil war, dass wir keine eigene Heizung einbauen mussten." Denn diese koste schnell einige zehntausend Euro.

Allerdings: Größtes Problem sei gewesen, eine Firma zu finden, die bereit war, das Haus zu bauen, erzählt Wörndl: "Es ist ein Fertigteilhaus, das für uns nach Maß gefertigt wurde. Wir hatten einen fertigen Plan, und ich bin damit zu verschiedenen Fertigteilhausanbietern gegangen." Das Problem daran: "Ich hatte genau Vorstellung bezüglich Dämmung, Bodenaufbau bis zur Situierung von Fenster, Stiegen und Zwischenwänden." Und es sei nicht so leicht gewesen, einen Hersteller zu finden, der flexibel genug sei, ein Haus nach so genauen, externen Vorgaben zu realisieren.

Not-Verbindung zum Haus der Tochter soll bald gekappt werden

Wörndl kann seit dem Einzug ins Haus tatsächlich behaupten, über das Jahr gesehen mehr Energie zu erzeugen, als er uns eine Frau verbrauchen: "Im Jahresschnitt liefere ich meinem Lieferanten zwischen 300 und 400 Kilowattstunden an Wärme zurück."Weil aber die Energieproduktion seines Hauses schwankt, hat er sich trotzdem eine Hintertür offen gelassen: "Für Notfälle konnten wir bisher Energie im Ausmaß von rund 700 Kilowattstunden - das enspricht rund 70 Litern Öl von meiner Tochter beziehen." Sie lebt im Haus nebenan, das Wörndl vor 35 Jahren gebaut hat. Technisch ermöglichst wurde das durch eine Fernwärmeleitung zwischen den beiden Häusern - die allerdings mit 13 mm Innendurchmesser nur sehr klein ausgefallen ist. Wörndls nächstes Projekt ist aber die energiemäßige Abnabelung von meiner Tochter: "Weil die Einspeisung unseres Überschussstroms wenig wirtschaftlich ist, werde ich mir demnächst eine kleine Solewasser-Wärmepumpe anschaffen, um auch den restlichen Strom selbst in Wärme umzuwandeln. Damit sind wir dann komplett energieautark."

Nachbarn haben kein Problem mit der Bauweise

Das Haus der Wörndls im Köstendorf Ortsteil Spanswag fällt aber nicht nur wegen seiner technischen Details, sondern vor allem wegen seiner Bauweise auf: Es hat ein Flachdach - und kein bei Häusern auf dem Land übliches Satteldach - und die bereit erwähnte, freistehende Photovoltaik-Anlage. Wie haben da die Nachbarn reagiert? Wörndl lacht: "Da gab es gar keine Probleme. Die kannten mich und meinen Zugang. Und die meisten haben selbst einen Photovoltaik-Anlage am Dach, die ich ihnen montiert habe." Und weil Köstendorf ja eine Smart-Grid-Pilotgemeinde sei, habe es auch in puncto Ortsbild keine Debatte gegeben. Und im übrigen stehe sein Haus sehr weit hinten in der Siedlung, sagt der Neo-Pensionist.

Es stehen bereits einige Plus-Energie-Häuser in Salzburg

Welche Tipps können die beiden Experten nun an andere Häuslbauer weitergeben?

Wörndl betont eines: "Man sollte den Energieberatern eher glauben als den Stammtischbrüdern." Und Thor ergänzt, dass gerade in puncto Energie und Haustechnik die Informationen sehr schnell altern würden: "Vor wenigen Jahren waren Plus-Energie-Häuser technisch noch fast unmöglich. Mittlerweile stehen allein in Salzburg schon einige." Beispiele dafür seien etwa die Landwirtschafts-Schulen in Klessheim und Bruck, die jeweils schon ein Werkstättengebäude in diesem Standard hätten, sowie das neue Kulturzentrum in Hallwang. Außerdem komme man mittlerweile auch bei Sanierungen schon nahe an die Dämm- und Energieverbrauchs-Kennzahlen von Neubauten heran, sagt Thor.

Bei Haustechnik gilt mittlerweile: Weniger ist mehr

Thor, der Chef der Energieberatung beim Land ist, will beim Symposion heut übrigens auch die ketzerische Frage aufwerfen, wie viel an Technik ein Haus heutzutage wirklich brauche - und wie viel zu viel sei. Thor: "Denn da gilt ein altes Prinzip: Technik, die man nicht hat, kann auch nicht kaputt gehen. Und auch die Wartung ist günstiger." Denn eine perfekte Gebäudehülle bestehe oft 30 Jahre, und damit sei schon viel gewonnen. Auch bei modernen Heizungsreglern sei oft das Problem, dass sie sehr viele Möglichkeiten böten, oft aber falsch eingestellt seien. "Je einfacher die Haustechnik ist und je logischer nachvollziehbar sie ist, umso einfacher ist ihr Einsatz." Thor: "Moderne IT-Technik ost oft sehr nützlich - sollte aber auch nicht den Alltag diktieren. Es ist schon die Frage, ob nicht oft weniger mehr ist. Denn ich will gar kein Smartphone haben, mit dem man auch noch mein Nachtkastellamperl ausschalten kann."

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.09.2018 um 11:51 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/ein-haus-ganz-ohne-heizung-1022149

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