Wirtschaft

Ein neuer Markt als Treffpunkt

In zehn Gemeinden in Salzburg gibt es keinen Supermarkt. Ebenau startet nun mit einem Projekt. Das Ziel: ein Platz zum Ratschen.

Johann Fagerer bietet einen Lieferservice an, Johanna Neureiter ist Biobäuerin und Bürgermeister Johannes Fürstaller.  SN/wienerroither
Johann Fagerer bietet einen Lieferservice an, Johanna Neureiter ist Biobäuerin und Bürgermeister Johannes Fürstaller.

Es ist paradox. In zehn Salzburger Gemeinden hat kein Nahversorger geöffnet. Die Bewohner kaufen woanders Käse, Fleisch, Brot. Gleichzeitig gibt es in ihren Dörfern Bauern, die Lebensmittel produzieren - aber keine Möglichkeit, die Produkte bei ihnen zu beziehen.

Warum es in vielen Orten kein Lebensmittelgeschäft mehr gibt, erklärt Johann Höflmaier, Spartenobmann der Wirtschaftskammer. "Die Konkurrenz durch filialisierte Betriebe ist riesig - kleine Kramer können das umfangreiche Sortiment nicht bieten." Sechs Lungauer Gemeinden, drei im Flachgau und eine im Tennengau haben kein Lebensmittelgeschäft mehr. Das habe Auswirkungen, sagt Höflmaier. "Nahversorger bringen Frequenz. Wenn die fehlt, haben es auch andere Geschäfte schwer." Und: "Ohne Nahversorger fehlt ein Treffpunkt im Ort."

Einkaufen können die 1400 Einwohner von Ebenau zwar beim Bäcker. Die Auswahl sei dort aber beschränkt, sagt Bürgermeister Johannes Fürstaller. Viele Bewohner arbeiten in der Stadt Salzburg und decken sich auf dem Arbeitsweg ein. "Auf der Strecke bleiben Ältere, Familien ohne Zweitauto und jene, die im Dorf arbeiten."

Johanna Neureiter ist Biobäuerin in der Flachgauer Gemeinde. Ein Hofladen kommt für sie nicht infrage, es gebe zu viele Auflagen und das finanzielle Risiko sei zu groß. Ebenau arbeitet nun an einer Lösung, durch die die Bewohner Lebensmittel kaufen und Bauern ihre Produkte unkompliziert anbieten können. Ab 4. Mai wird es an jedem ersten Samstag im Monat einen Wochenmarkt vor der Feuerwehr geben. An jedem zweiten Samstag bauen die Standler in der Nachbargemeinde Krispl auf. Die für den Markt notwendigen Partnerschaften gibt es bereits: Johann Fagerer liefert etwa seit zehn Jahren Fleisch an Haushalte aus und arbeitet mit der Metzgerei Lettner aus Guggenthal zusammen.

Der Biobäuerin, dem Bürgermeister, dem Zusteller geht es aber um mehr als nur regionale Lebensmittel. "Wir wollen mit dem Markt einen Treffpunkt schaffen", sagt Fagerer. Neureiter will deshalb Kaffee und Kuchen verkaufen. "Wir wollen einen Ort zum Ratschen. Das ganze Dorf stirbt sonst aus."

Aufgerufen am 17.10.2019 um 05:27 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/ein-neuer-markt-als-treffpunkt-67199017

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