Wirtschaft

Ein Zirkus namens Street Food Festival

Geschmäcker sind verschieden. Aber beim European Street Food Festival konnte nichts danebengehen. Da war für jeden etwas dabei.

Eben brachte Patrick de Clerck zwei Kinderaugen zum Leuchten. Mit seinen frisch gebackenen belgischen Waffeln, Schlagobers und Erdbeeren. Der Kleine bedankt sich artig und entschwindet mit seiner süßen Beute Richtung Biergarnitur. Auf den Bänken warten schon seine Eltern. Sie laben sich bereits an indischen Currys. Es sind genau diese kleinen Momente, die den rüstigen belgischen Pensionisten nicht zur Ruhe kommen lassen. "Ich habe 45 Jahre als Chocolatier gearbeitet. 25 Jahre in Belgien, 20 Jahre in Passau. Dann kam der Ruhestand und mir war langweilig. Deshalb habe ich mich diesem Zirkus hier angeschlossen. Der ist jetzt wie eine große Familie für mich", sagt er.

Genau genommen heißt dieser Zirkus European Street Food Festival. In den vergangenen fünf Jahren verzeichnete es 2,5 Millionen Besucher. Dieses Wochenende waren es 30 Aussteller, die sich im Salzburger Messezentrum wie zu einer Wagenburg mit Gastgarten zusammengerottet haben. Mit dem Andrang zeigte sich der Veranstalter Chris Tresper hochzufrieden. Als Freiluftveranstaltung sei man in Coronazeiten auch halbwegs auf der sicheren Seite, erzählt er. Außerdem ließ er eine Hygienestation aufbauen.

Die Zeiten, als Food-Trucks noch als Bedrohung für die Gastronomie gegolten hätten, seien endgültig vorbei. "Im Gegenteil", sagt Tresper. "Wo wir auftauchen, profitieren die Kollegen von einem Publikum, das sonst gar nicht da wäre." Das System ist tatsächlich ein bisserl paradox. Food-Trucks fahren durch halb Österreich und neugierige Genießer fahren ihnen mit dem Auto hinterher. Dann wird auf gebührenpflichtigen Parkplätzen geparkt, um - sagen wir mal so - leicht überteuerte Imbisse auf Wegwerfgeschirr mit Plastikbesteck zu essen. Aber ein Rundgang macht schnell klar: Die Gäste sind nicht nur zum Essen da. Ihnen gefallen das Spektakel und der Duft nach der weiten Welt. Manche sind sogar gekleidet wie Rockstars. Womit wir beim Ursprung des Festivals wären. Die Agentur Trespers heißt Stage Culinarium. Sie machte sich früher vor allem einen Namen als Caterer bei Rockkonzerten. Weshalb auch heute auf dieser kulinarischen Bühne aus Lautsprechern leise Rockmusik zu hören ist. Was das Essen betrifft - da gibt es fast nichts, was es nicht gibt. Vegane Baumkuchen etwa, die man wirklich nicht probiert haben muss. Aber dann geht es schon los: frittiertes Eis, geeister Kaffee, holländische Crêpes und brasilianische Grillspieße. Dann gibt es noch Churros, Wraps und Burger sowieso. Weil man hier als Gast auch immer irgendwie unterwegs ist, gibt es natürlich auch Soups to go. Einen Stand weiter duften schon Steaks, die nach einem streng geheimen Maori-Rezept zubereitet werden. Das behauptet zumindest die charmante Slowakin, die sie grillt.

Den ganzen Charme Mexikos wiederum bringt eine schicke Totenkopffassade ins Bühnenbild. Aus dem einen Auge grüßt Attila, aus dem anderen Viktoria. Die beiden garen bereits seit fast zwei Stunden Hühnerfleisch bei 130 Grad. Wir lernen: Fast Food kann ganz schön lang dauern. Das Ergebnis heißt dann Pulled Chicken.

Geduld beweist auch Hugo, der ebenfalls aus der Slowakei kommt. Bei ihm geht der Rauch auf. Hugo bereitet Flammlachs zu. Sein Gesichtsausdruck verrät: "In 90 Minuten wird dieser Fisch der Star des Tages sein."

Eines gibt es übrigens doch, was es beim European Street Festival nicht gibt: "Traditionelles Fast Food, wie es am Würstelstand erhältlich ist. Solches gibt es sowieso überall", erklärt Tresper. So betrachtet ist das European Street Food Festival dem "Guide Michelin" fast schon um eine Armlänge voraus. Dieser vergibt seine Höchstwertung von drei Sternen nur an Restaurants, die eine Reise wert sein sollen. Wer nun aber in einem Dreisternerestaurant einkehrt, der wird herausfinden, dass sich das Angebot dieser edlen Häuser ziemlich ähnelt. Und beim Streetfood des Stage Culinarium gehen die Überraschungen nie aus. Oder haben Sie schon eine Wildenten-Focaccia gegessen? Eben.

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Aufgerufen am 05.12.2020 um 09:10 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/ein-zirkus-namens-street-food-festival-93085657

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