Wirtschaft

Empörung über Preise für Bus und Bahn in Salzburg

Manche Kunden von öffentlichen Verkehrsmitteln in Salzburg zahlen seit Juli um bis zu 50 Prozent mehr. Die Aufregung ist groß.

Empörung über Preise für Bus und Bahn in Salzburg SN
Preissprung: Für den Einzelfahrschein zahlen Senioren im Bus statt 1,10 Euro jetzt 1,60 Euro.


Die Anhebung der Preise für den öffentlichen Verkehr mit Anfang Juli hat bei vielen Kunden der Verkehrsbetriebe wütende Reaktionen ausgelöst.

"Will man Beziehern kleiner Pensionen das Fahren mit den Öffis unmöglich machen?", lautet eine von vielen Fragen von SN-Lesern. Oder: "Welcher Dienstleister oder Handelsbetrieb könnte sich Preiserhöhungen dieses Ausmaßes leisten?" Eine Leserin meint ironisch: "Ein super Beitrag vom Salzburger Verkehrsverbund, um die Umwelt zu schonen und den Stau zu minimieren."

Vor allem Senioren und ihre Vertreter beschweren sich. "Die Mobilität der Senioren hängt sehr viel von den öffentlichen Verkehrsmitteln ab", sagt Albert Preims, Bezirksobmann des Seniorenbunds für die Stadt Salzburg. "Natürlich schmerzt jede Erhöhung, gerade bei den Öffis, weil ja die Pensionen nicht so angehoben werden, wie es sein sollte. Wenn man nur das Pensionsminimum hat, tut jeder Euro weh." Außerdem werde so das Ziel, die Menschen zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, konterkariert.

22 Prozent Steigerung bei Einzelfahrscheinen, 37,5 Prozent Steigerung beim 24-Stunden-Ticket: Das sei ein "Skandal", sagt Josef Huber, Landesvorsitzender des Penionistenverbands. "Das trifft vor allem die Personengruppe, die besonders auf den öffentlichen Verkehr angewiesen ist."

Kritik kommt auch von der Arbeiterkammer. Die Preiserhöhungen seien das "falsche Signal", betont Verkehrsexperte Christian Laireiter von der Arbeiterkammer. Die Preiserhöhung der Einzelfahrscheine für Senioren im Obus-Verkauf von 1,10 auf 1,60 Euro um 45,45 Prozent sei nicht zu rechtfertigen. "Auch der Preis des Senioren-Vorverkaufsscheins im Fünferblock wurde um 22,22 Prozent erhöht." Die Seniorentarife für den regionalen Verkehr seien im selben Ausmaß gestiegen.

Von den Verkehrsunternehmen müsse man zudem eine transparentere Preispolitik einfordern, sagt Laireiter. "Man kann in die Tarifgestaltung nicht wirklich hineinschauen. Wir hätten gern, dass transparent gemacht wird, welche Gebietskörperschaft wie viel einzahlt. Nur damit kann man die Tarife einschätzen."

Richard Kobler, Geschäftsführer des Salzburger Verkehrsverbunds, lässt die Kritik in der Form nicht gelten. Auf Seniorenkarten hätten nach einem Gerichtsurteil jetzt auch 60-Jährige Anspruch - darunter gut verdienende Berufstätige. "Wir haben die bestverdienenden Männer dabei. Die zahlen den gleichen Preis wie Jugendliche und bekommen 30 Prozent Rabatt vom Normalpreis. Wir können bei den auf Alter basierenden Tarifen nicht sozial treffsicher sein."

Mit der Senkung des Alters bei der Seniorenkarte habe man im Gegenzug den Rabatt gekürzt - von 50 auf 30 Prozent. "Das ist aber österreichweit abgestimmt." Kobler rechtfertigt die höheren Preise auch mit den gestiegenen Kosten. Die Treibstoffpreise und der Wegfall der Mineralölsteuer-Rückvergütung treffe die Verkehrsunternehmen. "Die Betriebskosten sind im letzten Jahr um 15 Prozent gestiegen."

Aber warum nützt der Verkehrsverbund nicht die Zeit der hohen Benzin- und Dieselpreise, um mit günstigen Tickets für den öffentlichen Verkehr zu werben? Das wäre grundsätzlich eine gute Idee, sagt Kobler. "Aber irgend jemand muss die Kosten abdecken."

Man habe bei der Tarifgestaltung darauf geachtet, dass Preiserhöhungen im Vorverkauf weitgehend vermieden würden, heißt es bei der Salzburg AG. Umweltschutzlandesrat Walter Blachfellner (SPÖ) betont, dass das Land Besitzern von Verkehrsverbund-Jahreskarten 20 Prozent der Kosten ersetze.

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