Wirtschaft

Fertigteilhäuser punkten in der Coronakrise

Mehr als jedes vierte Eigenheim ist mittlerweile ein Fertigteilhaus. Der Absatz ist trotz Krise gestiegen - dank Preis- und Termingarantie.

Sie freuen sich über den Fertighausboom: Jakob Reiter (Musterhauspark), Motivforscherin Helene Karmasin, Thomas Scheriau (ELK-Geschäftsführer).  SN/stefan veigl
Sie freuen sich über den Fertighausboom: Jakob Reiter (Musterhauspark), Motivforscherin Helene Karmasin, Thomas Scheriau (ELK-Geschäftsführer).

Baustahl ist seit Jahresbeginn um fast 40 Prozent teurer geworden; bei Leimbindern sind es bis zu 25 Prozent, bei Dämmplatten 15 bis 20 Prozent. Käufer von Fertigteilhäusern seien von diesen massiven Preissprüngen aber viel weniger belastet, sagt Jakob Reiter. Der Geschäftsführer der Musterhauspark GmbH in Eugendorf betont: "Wenn Sie heute ein Fertigteilhaus kaufen, haben Sie eine Fixpreisgarantie, wenn Sie in den nächsten zwölf Monaten zu bauen beginnen." Dennoch muss er einräumen, dass auch seine Branche auf die Preisrallye reagieren mussten. Denn per Ende April sei der Baupreisindex, der neben dem Material auch die Löhne und Sub-Gewerke umfasst, um 7,5 Prozent im Jahresvergleich gestiegen. Reiter: "Es gab bei Fertigteilhäusern daher Preissteigerungen von fünf bis zehn Prozent. Diese Listenpreise sind aber garantiert." Bis zum Jahresende rechnet er mit einem weiteren Anstieg um drei bis fünf Prozent.

Marktführer der Branche ist die Firma ELK aus Niederösterreich. Deren Geschäftsführer Thomas Scheriau ist im Park in Eugendorf, so wie alle anderen namhaften Hersteller, mit einigen Musterhäusern vertreten. Er beziffert den Preisvorteil eines Fertigteil- im Vergleich zu einem Massivhaus mit bis zu 20 Prozent: "Je nach Größe des Hauses kosten Fertigteilhäuser mit Fundament, Bad und Küche im Schnitt 2100 bis 2400 Euro pro Quadratmeter." Daher seien die meisten Käufer, die im Schnitt Häuser mit 130 bis 160 m2 Nutzfläche erwerben, mit 300.000 bis 350.000 Euro dabei - "aber ohne Grundstückskosten".

Zweiter Vorteil der Fertigteilhäuser sei ihre rasche Verfügbarkeit, sagt Scheriau: "Die durchschnittliche Lieferzeit beträgt zwölf bis 14 Monate. " Wenn es schneller gehen müsse, sei bei ELK auch eine Einzug binnen sechs bis acht Monaten möglich - allerdings gegen einen Aufpreis von bis zu zehn Prozent. Vom "Coronajahr" 2020 hat die Branche proftiert: Insgesamt wurden drei Prozent mehr Fertigteilhäuser verkauft. Deren Anteil an allen neugebauten Eigenheimen liegt österreichweit mittlerweile bei 27,4 Prozent.

Am Donnerstag wurde im Musterhauspark auch eine Studie von Motivforscherin Helene Karmasin präsentiert. Zentrale Ergebnisse: "Rund 60 Prozent der Bauinteressierten haben während des Entscheidungsprozesses ein Fertighauszentrum besucht", sagt sie. Als größte Vorteile eines Besuchs nannten die Befragten, dass sie sich danach die Größenverhältnisse besser vorstellen hätten können; einen Überblick über verschiedene Anbieter bekommen hätten und eine hohe Anzahl unterschiedlicher Haustypen gesehen hätten.

In puncto Nachhaltigkeit und Ökologie hätten Fertihäuser keinerlei Nachteile betont Reiter: "95 Prozent davon sind in Holz- oder Holzriegelbauweise errichtet." Zudem würden sie weniger Boden verbrauchen, sagt Scheriau: "Mit unserem Wandaufbau holen wir sieben Prozent mehr Wohnfläche heraus." ELK errichtet in Obergrafendorf (NÖ) gerade einen mehrgeschoßigen Fertighaus-Prototypen, sagt er: "Er umfasst 42 Wohnungen, verteilt auf vier Geschoße; alles in Holzriegelbauweise. Da ist sogar der Liftschacht aus Holz. Aus Betonfertigteilen sind nur die Stiegen."

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