Wirtschaft

Generationenwechsel im Triangel: Salzburgs "Festspielwirt" verspürt Wunsch nach Veränderung

Im Triangel in der Salzburger Altstadt beginnt eine neue Ära. Franz Gensbichler übergibt an Tochter Franzi.

Promiwirt Franz Gensbichler übergibt das Zepter im Triangel im Salzburger Festspielbezirk nach 17 Jahren an Tochter Franzi.  SN/mike vogl - vogl-perspektive.at
Promiwirt Franz Gensbichler übergibt das Zepter im Triangel im Salzburger Festspielbezirk nach 17 Jahren an Tochter Franzi.

Die schwierigste Übung im Leben sei das Loslassen, sagt der Salzburger "Festspielwirt" Franz Gensbichler. Der 52-Jährige meisterte diese Übung am Donnerstag mit Bravour und übergab das Zepter im Triangel nach 17 Jahren an seine Tochter Franziska, genannt Franzi. Sie arbeitet seit fünf Jahren an der Seite ihres Vaters in dem Lokal im Festspielbezirk, dort hat sie auch die Lehre absolviert. Nun führt die 25-Jährige das Regiment allein. "Ich werde nicht viel ändern, sondern das bewährte Konzept weiterführen", kündigt die neue Wirtin an.

Ein bisschen wehmütig war Gensbichler beim Abschied schon ums Herz. "Leicht fällt mir dieser Schritt nicht, aber ich brauche eine kreative Schaffenspause, die Zeit ist reif für etwas Neues." Gensbichler ist es gelungen, das Triangel zu einem der beliebtesten Treffpunkte in der Altstadt zu machen. Dort gehen nicht nur Studenten, Geschäftstreibende, Einheimische und Touristen ein und aus, sondern auch die Festspielprominenz. Sogar die "New York Times" hat schon über das Lokal berichtet.

Ein Festspielsommer ohne Triangel ist undenkbar. Künstler wie Rolando Villazón, Jonas Kaufmann, Cecilia Bartoli, Plácido Domingo und Tobias Moretti geben sich seit Jahren im Triangel die Klinke in die Hand. Dutzende Fotos mit Festspielkünstlern künden von geselligen Abenden und ausgelassenen Partys. "Hier hat schon Anna Netrebko auf den Tischen getanzt", erzählt Gensbichler. Ihr Lieblingsgericht seien Trüffelnudeln. Ehemann Yusif Eyvazov bevorzuge Steak.

Er sei grundsätzlich mit jedem per Du, erzählt der Franz. Die Beliebtheit des Triangel führt er auf die Mischung aus der Lage neben dem Festspielhaus, dem guten Essen und der Gaudi zurück. "Hier fühlen sich alle wohl, von einfachen Leuten bis zum Bundespräsidenten." Dieser Umstand hat auch damit zu tun, dass Gensbichler ein Gespür für Menschen hat. Auf diesem Gebiet ist er gewissermaßen selbst ein Künstler. "Ich bin sehr sensibel und spüre viel, noch ehe die Gäste etwas sagen, weiß ich, was sie auf dem Herzen haben." Im Triangel hätten sich auch viele Paare gefunden - aber auch getrennt.

Heuer sind die Festspielkünstler ausgeblieben. Coronabedingt durften sie sich nicht unters Volk mischen. "Normalerweise kommt die ,Jedermann'-Truppe nach den Aufführungen zu uns", schildert Gensbichler. Ob Promi oder nicht - ihm war stets jeder Gast gleich lieb. Das Triangel sei weder Restaurant noch Wirtshaus noch Café oder Bar, sondern von allem ein bisschen. Zu den Stammkunden zählen auch viele Studenten. Das Lokal gehört der Erzdiözese. Sie hat sich ausbedungen, dass im Triangel auch ein Mensatisch angeboten wird. Täglich nehmen daher am großen "Kaisertisch" Studierende Platz und lassen sich eines der zwei Mittagsgerichte schmecken. Zu den Klassikern gehören die faschierten Laibchen mit Püree, die Eiernockerl, die gerösteten Knödel und die Fischsuppe mit Waller und Seesaibling.

Vom Franz wird man noch hören. Er tüftelt an einem neuen "Gastrobaby" in oder nahe der Stadt. "Ich mag Leute und brauche sie." Doch das neue Lokal ist Zukunftsmusik. Vorerst will Gensbichler nur eines: Erholung.


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