Wirtschaft

Gewerkschaft ortet Hygiene-Lücke in Landeskliniken

Die Gewerkschaft vida kritisiert die Auslagerung des Patientenservice an eine Fremdfirma. Die Wäsche von Mitarbeitern sei nicht ausreichend vor Verunreinigung mit Keimen geschützt.

Gewerkschaft ortet Hygiene-Lücke in Landeskliniken SN/robert ratzer

Die Gewerkschaft vida macht sich Sorgen um die Hygiene in den Salzburger Landeskliniken (SALK). Nach der Auslagerung des Patientenservice im Jahr 2013 an eine private Firma sei es Mitarbeitern nahezu unmöglich, hygienisch einwandfrei zu arbeiten, sagte vida-Landesvorsitzender Rudolf Schuchter am Donnerstag bei einer Pressekonferenz. Mängel seien bisher nur schleppend bis gar nicht behoben worden.

In den Landeskliniken erledigt die Firma Apleona Tätigkeiten rund um die Patienten. Das Unternehmen war bis vor kurzem eine Tochter des deutschen Bilfinger-Konzerns, wurde aber im Oktober 2016 an einen schwedischen Investor verkauft und umbenannt. In den SALK kümmern sich derzeit 130 Apleona-Mitarbeiter um das Servieren und Abservieren der Speisen, das Aufbereiten der Betten oder um Reinigungsarbeiten nahe am Patienten, etwa dem Abwischen der Nachtkästchen. Auf mittlerweile 37 Stationen der SALK hat die Firma diese Arbeiten übernommen, seit 2013 hat sich der Personalstand nahezu verdoppelt.

Doch für die 130 Mitarbeiter stehen momentan nur 45 Spinde zur Verfügung. "Das ist keine vernünftige Möglichkeit, Arbeitskleidung zu lagern. Wenn sich mehrere Personen Kästen und Spinde teilen, kann die Wäsche nicht vor einer neuerlichen Verunreinigung geschützt werden", sagte vida-Landessekretär Kajetan Uriach. "Obwohl das Arbeitsinspektorat bereits drei Mal vor Ort war und den Arbeitgeber informiert hat, hat sich an der Situation nichts verbessert." Auch eine Anzeige des Arbeitsinspektorats im Juni blieb bis jetzt ohne Folgen.

"Bis ins Jahr 2015 mussten die Mitarbeiter ihre Arbeitskleidung sogar privat zu Hause waschen", berichtete Uriach. "Das war aus zwei Gründen bedenklich. Zum einen konnte eine Verunreinigung der privaten Wäsche mit Krankenhauskeimen nicht ausgeschlossen werden. Zum anderen konnte nicht sichergestellt werden, dass zuhause alle Keime abgetötet werden." Mittlerweile wurde zwar ein Wäschekreislaufsystem eingeführt. "Aber bis es dazu kam, haben wir fast ein Jahr dafür gekämpft", sagte Uriach.

Zugleich orten Gewerkschaft und der Apleona-Betriebsrat weitere Probleme: So fehlen für die Mitarbeiter geeignete Pausenräume, immer wieder komme es zu Arbeitszeitüberschreitungen. "2015 wurde bei mehreren Mitarbeitern an Tagen, an denen sie ohnehin dienstfrei hatten, Urlaub eingetragen", sagte Uriach. "Auf unsere Kritik hat es von Unternehmensseite geheißen, man sei mit den SALK in Gesprächen. Aber wir warten jetzt schon relativ lange auf Antwort."

Vida-Landesvorsitzender Schuchter regte am Donnerstag an, die Auslagerungen von Patientenservice und Reinigung noch einmal zu überdenken. "Das Billigstbieterprinzip sorgt für Probleme. Außerdem arbeiten Fremdfirmen rein gewinnorientiert." Andere Spitäler würden eigene Tochterfirmen gründen und das Service dort hin auslagern. Schuchter nahm am Donnerstag auch die SALK-Führung und den politisch zuständigen LHStv. Christian Stöckl (ÖVP) in die Pflicht. "Obwohl die Missstände bekannt sein müssten, wird von Seite des Auftraggebers wenig bis nichts zur Verbesserung der Situation unternommen."

Die SALK hätten bereits mit der Firma über die Auflagen des Arbeitsinspektorates gesprochen, sagt SALK-Sprecherin Mick Weinberger. Die SALK hätten bereits vor mehreren Wochen 150 Spinde für die Mitarbeiter bestellt. Außerdem könnten die Mitarbeiter im Speisesaal der SALK essen, in den Pausen könnten sie die Schwesternstützpunkte auf den Stationen verwenden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 19.09.2018 um 04:54 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/gewerkschaft-ortet-hygiene-luecke-in-landeskliniken-897400

Schlagzeilen