Wirtschaft

Grünes Licht für das Hochhaus am Salzburger Hauptbahnhof

Das Gericht lehnte den Einspruch ab. Doch auch bei anderen großen Bauvorhaben gibt es Widerstand. Ist das schon zum Trend geworden in Salzburg?

Grünes Licht für das Hochhaus am Salzburger Hauptbahnhof SN/bodner
Das Bauprojekt „Perron“ in der Rainerstraße.

2012 hat sich die Baufirma Bodner erstmals an den Gestaltungsbereit gewandt. Sie wollte unweit des Hauptbahnhofs ein Hochhaus ("Perron") samt Langhaus bauen. Was folgte, war ein langer Verfahrensweg.

Eine Anrainerin drohte im März 2015 einen Einspruch wegen nächtlicher Lichtemissionen an. Sie ließ aber durchblicken, dass sie gegen eine Zahlung von 750.000 Euro bereit sei, den Einspruch zurückzuziehen. Weil Bodner nicht zahlte und der Baubescheid erfolgte, landete die Causa vor dem Landesverwaltungsgericht (LVwG).

Dieses hat am Montag den Einspruch der Anrainerin abgelehnt, wie Sandra Bodner, Sprecherin der Baufirma, bestätigt: "Wir sind sehr froh über das Urteil. Es hat keine aufschiebende Wirkung. Es sollte nicht einreißen, dass man mit Einsprüchen Großprojekte mutwillig verzögern kann. Denn es ging der Gegenseite nur ums Geld." Das Gericht formulierte es neutraler: "Die Beschwerde erweist sich als unbegründet und war daher abzuweisen."

Die Mehrkosten für ihre Firma durch den Einspruch beziffert Bodner mit 50.000 Euro. "Aber bei weiteren Verzögerungen wären wir wegen der Mietentgänge bald bei drei Millionen Euro gewesen."

Nun soll das Projekt bis Ende 2018/Anfang 2019 fertiggestellt werden. Hoch war aber der bürokratische Aufwand durch zig Umplanungen. Und um die Kellergeschoße, die fast fertig sind, zeitgerecht bauen zu können, wurden die Baubewilligungen gesplittet.

Das "Perron" ist aber nicht das einzige Projekt, das durch Einsprüche länger braucht als geplant. Auch bei einem anderen Wohnbauprojekt musste letztlich das Gericht entscheiden. Im Vorfeld gab es einen Vertrag, der den Anrainern bis zu 700.000 Euro zusicherte, wenn plangemäß gebaut würde. Die Gebäude stehen mittlerweile.

Durch Anrainerprotest wurde auch das Projekt auf dem Rehrl-Platz neben dem Unfallkrankenhaus bekannt. Dort geht es den Nachbarn um das Weltkultur erbe. Fünf Jahre, nachdem Bauträger Cassco das Projekt eingereicht hat, soll jetzt, wieder nach einem LVwG-Urteil, gebaut werden.

Johanna Hume, Fraktionsmitarbeiterin der "Bürger für Salzburg", die das Projekt jahrelang bekämpft haben, betont: "Es mag vielleicht so ausschauen, als ob Widerstand schick wäre. Aber es geht ja um die individuellen Probleme, die die Projekte auslösen. Es macht uns ja keinen Spaß, da dagegenzuhalten."

Dass sich Einsprüche gegen große Bauvorhaben häufen, beobachtet Planungsstadtrat Johann Padutsch (Bürgerliste) nicht. Wohl aber würden die Forderungen von Nachbarn steigen. "Das Erschreckende ist, dass wichtige Anrainerrechte schon ein bisschen pervertiert werden. Es gibt schon Stimmen, die sagen, dass solche Verzögerungen ge rade in Salzburg besonders schlimm sind. Widerstand gibt es hier schnell einmal, der ist teils auch heftig", sagt Padutsch.

Verzögerungen auch bei Mönchsberggarage

Erhebliche Verzögerungen wegen Anrainer- und Bürgerprotesten gibt es auch beim Ausbau der Mönchsberggarage. Geplant war ein Baustart 2014, jetzt wird es Mitte 2017. Bürgerinitiativen-Sprecherin Roswitha Müller legt Wert auf die Feststellung, dass ihre Gruppe keine "Querulanten" seien: "Mir geht es darum, dass Politiker die Dimension der Verkehrsmisere nicht wahrnehmen wollten. Wir haben ja auch Alternativen zur Garage aufgezeigt. Viel Geld auszugeben für ein unbrauchbares Projekt ist sinnlos."

Alfred Denk, Geschäftsführer der Parkgaragengesellschaft und einst Landesbaudirektor, sagt: "Der Egoismus nimmt zu. Das ist aber kein Salzburger Phänomen, das ist flächendeckend so." Natürlich verteuere sich ein Bauvorhaben durch Verzögerungen, aber daran sei weniger der Baupreisindex schuld. Denk: "Heute nimmt sich jeder einen Anwalt. Man muss Einsprüche hieb- und stichfest begründen, braucht zusätzliche Gutachten. Rechtsanwaltskosten und ,Gutachteritis' machen das Ganze dann eher unlustig."

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.09.2018 um 04:54 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/gruenes-licht-fuer-das-hochhaus-am-salzburger-hauptbahnhof-885010

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