Wirtschaft

Hier geht es zum geheimsten Büro Salzburgs

Kein Tageslicht, dafür jede Menge Bildschirme mit Wetterkarten tief in einem Berg: Die SN durften das verborgenste Büro Salzburgs besuchen.

Bis Katharina - das Österreichische Bundesheer will ihren Nachnamen zum Schutz nicht erwähnt wissen - an ihrem Schreibtisch angekommen ist, muss sie einige Hundert Meter durch einen Tunnel bei St. Johann bis tief in den Berg hinein zurücklegen. Sie ist Meteorologin bei der Luftraumüberwachung. Ihr Büro befindet sich im Bunker.

Wenn die 29-Jährige zu Dienstbeginn das Tageslicht hinter sich lässt, geht sie zu Fuß oder schnappt sich ein Fahrrad, das am Eingang parkt. Im Tunnel geht es stetig bergauf, ein bisschen muss sie schon in die Pedale treten, um voranzukommen. Auf ihrem Weg passiert sie wiederholt Schleusen und Kontrollen. Immerhin herrscht Sicherheitsstufe A - die höchste militärische Kategorie. Lange Zeit wurde der Bunker als eines der bestgehüteten Staatsgeheimnisse behandelt. Was es zu sichern gilt?

Die Luftabwehr und "Goldhaube". So heißt das Luftraumüberwachungs-System Österreichs.

Hier ticken die Uhren anders

In jener Koje, in der Katharina ihren Dienst versieht, tickt die Uhr anders. Zumindest könnte man das auf den ersten Blick vermuten, weil sie zwei Stunden nachgeht. Die Differenz entsteht deshalb, weil die Uhr die koordinierte Weltzeit angibt, von der im Arbeitsumfeld gesprochen wird. Und die unterscheidet sich um eben diese beiden Stunden von der Zeit, welche die Uhr am Handgelenk zeigt.

Im Büro stehen außerdem Drucker, die Funkanlage und große Pinnwände. Auf ihnen hängen bunte Ausdrucke der aktuellen Wetterkarten. Statt Sonnen- und Wolkensymbolen sind Zahlen und Bruchrechnungen angegeben. Die Sonnenmenge pro Tagesabschnitt wird zum Beispiel in Achteln beschrieben.

Die Wetterdaten werden laufend aktualisiert. Katharina blickt auf vier Bildschirme gleichzeitig, wenn das Telefon läutet und ein Pilot um Beratung bittet. So kann sie treffsicher Auskunft geben. Bevor Helikopter oder Flächenflieger an einem Stützpunkt im Land abheben, bekommen sie ihre Informationen aus dem Salzburger Bunker. Das Wetter ist eine wesentliche Säule der Flugsicherheit. Bleiben Fragen offen, rufen die Piloten Katharina oder einen ihrer Kollegen an und holen sich Details. "Das ist die Königsdisziplin der Meteorologie", sagt die gebürtige Wienerin. Sie arbeitet seit zwei Jahren im Bunker und war zuvor bei mehreren TV-Stationen. Ihr aktueller Job sei um einiges anspruchsvoller, als das Fernsehwetter zu präsentieren.

"Du hast den coolsten Arbeitsplatz"

Zum Militär fand die studierte Wetterexpertin über die Jobbörse des Bundes. Ihre Bewerbungsunterlagen wurden überprüft, eine Beurteilungsmatrix angewendet. Offensichtlich erfolgreich. Dann begann ihre Probezeit, nach der ihr Vertrag verlängert wurde. In den ersten Monaten können sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber ein Bild machen. Wer unter Platzangst leidet oder den Schicht- und Wechseldienst im Bunker als allzu bedrückend empfindet, wird wohl nicht glücklich. Für Katharina war alles klar, sie fühlt sich im Berg wohl.

Anfangs war Ausbildung angesagt: "Hier bin ich zur Luftmeteorologin geworden", sagt sie. Weil nicht nur Theorie zählt, hat sie Flugtage gemacht und sich zu Piloten, die sie bis dahin nur von Funk und Telefon kannte, dazugesetzt. "Ich fliege sehr gern mit und lerne, wem welche Informationen wichtig sind. Der eine legt mehr Wert auf Winde, der andere auf die Bewölkung, manche sind risikofreudiger und andere lieber auf der ganz sicheren Seite."

Dass die 29-Jährige an einem sehr speziellen Arbeitsplatz sitzt, ist ihr bewusst. Was im Job passiert, kann sie abends nicht mit Partner oder Freunden besprechen. Geheimhaltung hat oberste Priorität.

Genauso steht fest, dass Ausgleich wichtig ist. Freizeit findet daher bevorzugt im Freien, bei Tageslicht, statt. Katharina hat einen Hund, der Auslauf braucht. Als die Wetterexpertin kürzlich bei ihrem Klassentreffen sagte, wo sie arbeitet, waren die Schulfreunde einig: "Du hast den coolsten Arbeitsplatz von allen."

Der Bunker: Einsatzzentrale Basisraum

In Vollbetrieb ist das als "Regierungsbunker" bekannte System im Berg seit November 1988. Zuvor wurde der Luftraum vom Kolomansberg bei Thalgau aus überwacht.

Weitere Aufgaben im Bunker: Im Berg liegt das Kommunikationsnetzwerk IFMIN. Der Bund hat auch ein Backup des EDV-Systems des Bundeskanzleramtes als zentrales Ausweichsystem eingerichtet. Andere Institutionen wie die Österreichische Nationalbibliothek haben Datenspeicher eingerichtet. Auch Schengen-Fahndungsdaten werden hier gespeichert.

Aufgerufen am 23.09.2018 um 10:06 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/hier-geht-es-zum-geheimsten-buero-salzburgs-1138261

Schlagzeilen