Wirtschaft

Höhenflüge eines Henndorfers

Salzburger Piloten drehen atemberaubende Videos mit Drohnen - und werden nach Dubai eingeladen. Das Zentrum des Trends ist Henndorf.

Die Drohne fliegt den Fluss entlang, schnell, nur ein bisschen über dem Wasser. Unter einer Brücke durch, dann steht die Welt durch den FPV Copter plötzlich kopf. FPV steht für First Person View - der Pilot sieht den Flug der 25 Zentimeter großen Drohne über eine Brille und gibt Befehle über eine Fernsteuerung.

Bis zu 130 km/h fliegt der Copter. Eine Videokamera zeichnet jede Bewegung auf. Auf YouTube sind solche Clips ein Hit: In kürzester Zeit haben Tausende einen Narren an den Drohnen gefressen. Der 36-jährige Henndorfer René Lausenhammer ist einer davon. Vor eineinhalb Jahren sah der Veranstaltungstechniker ein Video - und beschloss, eine neue Karriere zu starten. "Ich wollte einen Copter kaufen, doch nirgendwo gab es einen." Deshalb bestellte er online Bauteile aus China. Weil der Import kompliziert war, hat er gleich mehrere Bauteile erstanden, um sie zu versteigern. "Am Ende konnte ich keine Drohne basteln - denn die Menschen rissen mir die Teile aus der Hand." Seither betreibt Lausenhammer einen Online-Shop, www.redbee.de. Demnächst will er in der Hauptstraße in Henndorf ein Geschäft eröffnen. "Beratung ist mir wichtig", sagt der 36-Jährige. Lausenhammer hat sich zum Ziel gesetzt, dass Lieferungen in 24 Stunden beim Kunden sind. Derzeit schafft er das nicht, obwohl seine Lebensgefährtin ihm halbtags hilft. "Die Zahl der Bestellungen explodiert." RedBee liefert nach Österreich, Italien, Russland und Deutschland.

400 Bauteile hat Lausenhammer im Shop, die meisten produziert ein Tiroler, der in Hongkong lebt. "Das Team Black Sheep ist ein wichtiger Partner für uns."

Für den Erfolg von Lausenhammer ist auch das RedBee Racing Team verantwortlich. Vier Piloten zwischen 20 und 31 Jahren steuern regelmäßig ihre Drohnen über den Henndorfer Sportplatz: Alle sechs Wochen findet der "Funrace" statt. Die Piloten bauen dabei einen Parcours auf der Wiese, den sie durchfliegen. Fliegen und filmen im Wohngebiet ist verboten.

In Zukunft sollen noch mehr Drohnen in Henndorf starten. Am 11. und 12. Juni findet das Henndorf Air Masters 2016 statt. Doch damit nicht genug: "Andreas Neubauer und ich planen eine Staatsmeisterschaft." Ab 2017 soll es in jedem Bundesland Ausscheidungen geben, am Ende wird der beste Pilot Österreichs gekürt. Doch der größte Erfolg des Teams fand auf fremdem Boden statt. Stefan Meyer qualifizierte sich mit seinem Video für den World Drone Prix in Dubai. "500 Piloten nahmen daran teil", sagt Lausenhammer. Die 250.000 Dollar Preisgeld habe aber ein junger Engländer gewonnen. "Macht nichts. Allein das Dabeisein war genial für unser Team."

Aufgerufen am 21.05.2018 um 01:10 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/hoehenfluege-eines-henndorfers-1571536

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