Wirtschaft

Im Pongau entsteht ein Ski-Riese

Morgens um zehn war die Welt noch in Ordnung. Bis die Bombe platzte. Die SN berichten als Erste auf ihrer Homepage: "Die Bergbahnen Wagrain übernehmen die Bergbahnen Flachau."

 SN/sn(markus mitterer

Noch hat die Wettbewerbsbehörde nicht zugestimmt. Und kartellrechtlich wird dieser große Deal wohl auch noch ganz genau unter die Lupe genommen werden. Als Faktum bleibt: In der Salzburger Sportwelt entsteht ein neuer Leitbetrieb. Und zwar auf Grund einer Übernahme der Bergbahnen Flachau durch die Bergbahnen Wagrain. Über Summen herrscht vornehmes Schweigen.

In der Zentrale des Raiffeisenverbands Salzburg gaben Landeshauptmann Wilfried Haslauer, der Generaldirektor des Raiffeisenverbands Salzburg (RVS), Günther Reibersdorfer , und Andreas Derndorfer, Geschäftsleiter des RVS, die Neuigkeit bekannt: Die Bergbahnen AG Wagrain (Aufsichtsratsvorsitzender Derndorfer; RVB und Raiffeisenkassa Wagrain halten über 51 Prozent) und der RVS übernehmen die Bergbahnen Flachau. Günther Reibersdorfer: "Alle Verträge sind unterschrieben."

Wie ging diese Übernahme vor sich? Und vor allem warum? Ein RV-Tochterunternehmen namens Fremdenverkehrs GmbH hält künftig 25,1 Prozent der Bergbahnen Flachau. Der Anteil der Bergbahnen Wagrain an den Nachbarn wird 74,9 Prozent betragen. Die Aktion ging Anfang Jänner über die Bühne. Es galt absolute Geheimhaltungspflicht. Salzburgs Bergbahnenbranche zeigte sich am Freitag, nach einer ersten Push-Meldung der SN, überrascht.

Der Geschäftsführer der Flachauer Bergbahnen, Ernst Brandstätter, durfte erst knapp vor seiner Fahrt zur Pressekonferenz seine engsten Mitarbeiter in die Veränderungen einweihen.

Am Freitagabend wurden dann die Mitarbeiter der hoch profitablen Flachauer Bergbahnen über die Entwicklung informiert. Die wichtigste Botschaft sandte Generaldirektor Reibersdorfer bereits am Freitagvormittag aus: "Keiner der 350 Mitarbeiter muss gehen." Diese stattliche Zahl der Bediensteten ergibt sich dadurch, weil zu den Bergbahnen Flachau auch noch jene in Filzmoos gehören.

Bewegung in die Besitzverhältnisse kam, weil die Cerha-Gruppe mit Sitz in Wien als Mehrheitseigentümer (52 Prozent) ihre Anteile verkaufte. Das traf auch auf das Stift Admont zu. Der Orden besaß 17 Prozent.

Die Fronten sind klar abgesteckt. Wer zahlt, schafft an. Während Haslauer, Reibersdorfer und Derndorfer mitteilten, was künftig Sache sei, saßen die beiden Geschäftsführer der Liftunternehmen, Christoph Baumann (Wagrain) und Ernst Brandstätter, am Nebentisch.

Ob es künftig weiter zwei Geschäftsführer geben werde oder einen Chefmanager für alle Bereiche, wollte Generaldirektor Reibersdorfer noch nicht beantworten. Er sagte: "Durch diese Akquisition ist eine der größten Seilbahngesellschaften in Österreich entstanden." Sie reihe sich unter die Top 10. Mit einem Umsatz von 52 Millionen Euro sei diese neue Unternehmensgruppe auch die größte Seilbahngesellschaft im Skiverbund Ski amadé.

Der Kauf diene keinem Selbstzweck. Er sei betriebswirtschaftlich und wirtschaftspolitisch von großer Bedeutung. "Durch den gemeinsamen Betrieb des Skigebiets am Grafenberg und am Griessenkareck steigt die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens." Die Gebiete Eben und Filzmoos würden durch ihre spezifischen Angebote für Familien und Kinder das "Portfolio der Gruppe und der gesamten Region gezielt ergänzen".

Zur Unternehmensgruppe gehören ja nicht nur Wagrain und Flachau, sondern eben auch Seilbahnen in Eben im Pongau und über eine Mehrheitsbeteiligung die Bergbahnen Filzmoos.

Ergibt in Summe neben den besagten 350 Mitarbeitern rund 112 Pistenkilometer. 1,8 Millionen Gäste werden pro Jahr gezählt, 15 Millionen Mal die Lifte benutzt.

"Die neu formierte Gruppe versteht sich als Leitbetrieb in der Salzburger Sportwelt. Zur Sportwelt zählen Flachau, Wagrain, Kleinarl, Altenmarkt-Zauchensee, Radstadt, Eben, Filzmoos und St. Johann/Alpendorf. Diese acht Orte bringen es auf 4,7 Millionen Nächtigungen pro Jahr.

Sind Innovationen angedacht, vor allem aber, wie steht es um die Liftverbindung zwischen Flachau und Zauchensee? Es gilt als Mega-Projekt und ist nicht unumstritten? "Wir sehen uns das alles in Ruhe und ganz an. Die Summe der Investition wäre ja beträchtlich", so Reibersdorfer.

Die Bahn soll, wie berichtet, den Bereich Lisaalm in Flachau und den Rosskopf in Zauchensee verbinden. Sie soll zwischen den Einsteig- und Aussteigstationen und einer Umlenkstation mit nur fünf Liftstützen auskommen und die Tauernautobahn überspannen. Fahrzeit für die 7,2 Kilometer: 19 Minuten. Die Stützen wären bis zu 90 Meter hoch, die Kabinen würden an der höchsten Stelle 310 Meter über Grund schweben. Kosten: 60 Mill. Euro.

Aufgerufen am 21.06.2018 um 01:05 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/im-pongau-entsteht-ein-ski-riese-324826

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