Wirtschaft

In der Wehrle-Klinik wird künftig nicht mehr operiert

Eine Million Euro an unerwarteten Ausgaben verzeichnete der neue Klinikverband. Nun gibt es die ersten großen Änderungen für Ärzte und Patienten.

In der Wehrle-Klinik wird künftig nicht mehr operiert SN/andreas kolarik
Seit Anfang 2015 sind die Wehrle-Klinik und jene der Diakonissen fusioniert.

Es war eine emotionale Versammlung, bei der die Führung der Privatklinik Wehrle-Diakonissen ihren Belegärzten am Dienstagabend strukturelle Änderungen vorstellte. Vor knapp zwei Jahren fusionierte die Privatklinik Wehrle mit jener der Diakonissen. Eine Million Euro an zusätzlichen Ausgaben hatte die neue Klinik seither zu verkraften. Nun gibt es die ersten großen Veränderungen für Mitarbeiter und Patienten. Dies wurde am Dienstag den Ärzten mitgeteilt, die die Räumlichkeiten in Aigen und im Andräviertel als Belegärzte für ihre Privatpatienten nutzen.

In der ehemaligen Wehrle-Klinik im Salzburger Andräviertel werden ab 1. Jänner 2017 keine Operationen mehr durchgeführt. Die Belegärzte müssen künftig mit allen chirurgischen Patienten in das Haus der Diakonissen nach Aigen gehen. Nur noch dort werden künftig Operationssäle (OP) zur Verfügung stehen. In der Wehrle-Klinik im Andräviertel gibt es derzeit zwei OP, im Diakonissenspital in Aigen vier. Künftig wolle man die Operationssäle in Aigen besser auslasten.

Viele Ärzte wunderten sich bei der Präsentation am Dienstag, warum die strukturellen Änderungen so kurzfristig bekannt gegeben wurden. Zudem äußerten die Mediziner Bedenken, weil viele Patienten jahrelang gern in die Wehrle-Privatklinik kamen. Man sei sich nicht sicher, ob die Patienten die strukturellen Änderungen mittragen würden. Unsicherheit bestehen dem Vernehmen nach auch bei den angestellten Ärzten und Pflegekräften. Sie befürchten, dass der Standortwechsel auch Personalkürzungen mit sich bringe.

Durch die Zusammenlegung wird weniger Personal gebraucht

Tatsächlich werde man durch die Zusammenlegung weniger Personal brauchen, sagt die Verwaltungsdirektorin der Klinik Wehrle-Diakonissen, Ines Weiher. "Allerdings benötigen wir wegen des Ärzte- und Pflegekräftemangels derzeit noch viel Fremdpersonal. Durch die neuen Strukturen sind wir in der guten Position, mit unseren eigenen Fachkräften auszukommen."

Es sei nachvollziehbar, dass die geplanten Änderungen viel Staub aufwirbelten, sagt Verwaltungsdirektorin Weiher. "Immerhin haben beide Häuser eine lange Tradition. Die Wehrle-Klinik gibt es seit 1927, jene der Diakonissen seit 1935. Da fällt jede Änderung schwer." Überraschend sollten die neuen Strukturen aber auch für die Belegärzte nicht sein. "Wir haben bereits bei der Fusion Anfang 2015 angekündigt, dass wir unsere Kompetenzen bündeln werden."

Die neuen Strukturen seien aus vielen Gründen sinnvoll, sagt der ärztliche Direktor der Privatklinik, Harald Mühlbacher. So hätten sich die Belegszeiten in den Spitälern in den vergangenen Jahren sehr stark verändert. "Vor allem chirurgische Patienten sind im Schnitt viel kürzer im Spital als internistische Patienten. Wenn wir künftig nur mehr an einem Standort chirurgische Eingriffe durchführen, können wir den Betrieb besser auf diese Entwicklung abstimmen."

Auch die eine Million Euro an zusätzlichen Ausgaben bestätigt die Klinikleitung. Diese Mehrausgaben hätten aber auch mit dem neuen Ärztearbeitszeitgesetz und neuen Qualitätsvorgaben zu tun. Man werde auch in Zukunft noch höhere Ausgaben haben, sagt Harald Mühlbacher. "Wir werden im Rahmen der neuen Strukturen noch eine weitere Million Euro in flankierende Maßnahmen investieren. So werden wir die Operationssäle auf den neuesten Stand bringen und auch für die Intensivstation Geld in die Hand nehmen."

Beide Häuser sollen an einem Standort zusammengeführt werden

Langfristig sei es der Plan der Klinik, beide Häuser an einem Standort zusammenzuführen. Dazu sei man auf der Suche nach einer geeigneten Fläche in der Stadt. "Wir wollen mit unserem Spital unbedingt in der Stadt bleiben. Eine konkrete Fläche haben wir aber noch nicht im Auge", sagt Ines Weiher.

Die Privatklinik Wehrle-Diakonissen gehört zu 40 Prozent dem Diakoniewerk und zu 60 Prozent der PremiQaMed-Gruppe, die eine 100-Prozent-Tochter der Uniqa-Versicherung ist. Die Salzburger Ärztekammer sieht die Bündelung der privaten Spitäler auf wenige Anbieter generell kritisch. "Für die Ärzte ist diese Situation nicht gut, auch deshalb, weil die Privatkliniken zunehmend auf angestellte Ärzte setzen. Die Situation für die Belegärzte wird immer schwieriger."

In Wien rief die Entwicklung bei den Privatspitälern sogar die Wettbewerbshüter auf den Plan. Dort ließ die Ärztekammer die Übernahme der privaten Geburtsklinik Goldenes Kreuz durch die Uniqa-Versicherung kartellrechtlich überprüfen. Die Übernahme wurde in erster Instanz genehmigt, die Wettbewerbsbehörden riefen den Obersten Gerichtshof an. Schließlich wurde die Übernahme des Goldenen Kreuz nur unter Auflagen genehmigt.

In Salzburg setze man jedenfalls nach wie vor sehr stark auf die Belegärzte, sagt Verwaltungsdirektorin Ines Weiher. "Wir haben neulich auch in der Ärztekammerzeitung per Inserat wieder Belegärzte gesucht. Das Belegsystem macht die Qualität unserer Klinik aus."

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.09.2018 um 01:56 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/in-der-wehrle-klinik-wird-kuenftig-nicht-mehr-operiert-1018942

Nur in Salzburg wird die Gratis-Zahnspange gestoppt

Nur in Salzburg wird die Gratis-Zahnspange gestoppt

Ende Juni hatten die Salzburger Kieferorthopäden die Vereinbarung mit der Salzburger GKK gekündigt. Jetzt endet die Kündigungsfrist. Eine neue Vereinbarung gibt es vorerst nicht. Andreas Huss, Obmann der …

57 Prozent der Kinder haben schlechte Zähne

57 Prozent der Kinder haben schlechte Zähne

Untersuchungen in Salzburger Volksschulen ergeben ein alarmierendes Bild: Mehr als die Hälfte der Kinder hat Karies. Der kleine Trost: Vor zehn Jahren war die Lage noch schlechter. 60 Zahnärzte untersuchten …

Schlagzeilen