Wirtschaft

Jeder soll wissen, wo das Frühstück herkommt

Salzburg führt ein Herkunftslogo für im Land produzierte Lebensmittel ein. Eine Hofkäserei und 29 weitere Betriebe machen den Anfang.

Josef Mangelberger, seine Schwester Gertraud Schober (r.) und seine Lebensgefährtin Martha Schober (l.) von der Mattigtaler Hofkäserei SN/robert ratzer
Josef Mangelberger, seine Schwester Gertraud Schober (r.) und seine Lebensgefährtin Martha Schober (l.) von der Mattigtaler Hofkäserei

Die Familie Mangelberger mit ihrer Mattigtaler Hofkäserei in Seekirchen-Kraiham ist seit 25 Jahren einer der Pioniere der bäuerlichen Direktvermarktung im Salzburger Land. Ihre Spezialitäten sind längst auch in Supermärkten zu finden.

Jetzt setzt der Flachgauer Betrieb den nächsten Schritt. Das Seekirchner Familienunternehmen ist einer von vorerst 30 Salzburger Lebensmittelproduzenten, die nun das Projekt "Wissen, wo's herkommt" starten. Ein neues Zertifikat mit dem von Künstler Hans Weyringer geschaffenen Salzburger-Land-Logo kennzeichnet ab dem nächsten Monat Lebensmittel, die aus Salzburg kommen. Landesrat Josef Schwaiger (ÖVP) als Obmann des Vereins Salzburger Agrarmarketing und Landwirtschaftskammer-Präsident Rupert Quehenberger haben es ins Leben gerufen. Fürs Erste sind über 200 Produkte von Rind- und Kalbfleisch, Lammfleisch, Eier sowie Milch und Milchprodukte zertifiziert. Das ist aber erst der Anfang.

Produkte, die mit dem "Garantiert"-Siegel ausgezeichnet sind, seien streng kontrolliert, betonten die Initiatoren am Freitag auf dem Bauernhof in Seekirchen. Die Lebensmittel und Urprodukte müssen aus dem Land kommen und vorab eine Produktzertifizierung durch den Agrarmarketing-Verein durchlaufen. Der Herkunftsnachweis sei produktabhängig und werde großteils im Rahmen von bestehenden Kontrollprogrammen (zum Beispiel Bio, AMA) durch unabhängige Institute gewährleistet. "Als Mindestkriterium für das Zertifikat beim Fleisch gilt geboren, aufgezogen und geschlachtet in Salzburg. Bei Milch und Käse müssen die Milchlieferanten für das Produkt zu 80 Prozent aus Salzburg kommen", erklärt Quehenberger. Maximal 20 Prozent dürfen aus angrenzenden Regionen wie etwa dem oberösterreichischen Innviertel stammen. "Die Eier werden von Hennen im Salzburger Land gelegt." Für Obst und Gemüse gelte: angebaut, geerntet und verarbeitet in Salzburg. Die Auszeichnung bezieht sich ausdrücklich auf die einzelnen zertifizierten Produkte und nicht auf den Betrieb. "Für uns ist es selbstverständlich, dass wir dabei sind", betont Gertraud Schober von der Hofkäserei, "die Zertifizierung ist unkompliziert".

Ein Ziel ist, dass nach einem Jahr 60 bis 75 Betriebe mitmachen. Vom Ab-Hof-Verkauf müsse man in die Breite kommen, sagt Schwaiger, "und die Breite heißt Zusammenarbeit". Ein Wirt könne nicht selbst zu zehn Bauern gehen, um die Produkte zu besorgen und dann mühsam abzurechnen. Einheimische und Touristen würden profitieren, "jeder, der sich in diesem Land zum Essen an den Tisch setzt".

Der Konsument soll sich darauf verlassen können, dass Salzburg drin ist, wo Salzburg draufsteht. Im Tourismus "wollen 80 Prozent unserer Gäste lokale Spezialitäten kennenlernen", so SLT-Geschäftsführer Leo Bauernberger. Mit dem Projekt sei Salzburg Vorreiter in Österreich.

Es wird eine Bezugsquellenliste samt Produktdatenblättern für den Lebensmittelhandel und den Gastronomie-Großhandel erstellt. "Die ausgezeichnete Salzburger-Land-Lebensmittel-Palette wird dadurch sichtbar für Sortimentsmanager, eigenständige Kaufleute, Markt- und Filialleiter, Küchenchefs und Gastronomen", sagt Agrarmarketing-Geschäftsführer Gerald Reisecker. Die Teilnahme an der Herkunftsaktion ist kostenlos sowie freiwillig für Produzenten, Metzger, Kaufleute, aber auch für Gastronomen. Bis 2022 soll so das Bundesland auf nationaler und internationaler Ebene als Spitzendestination für Genuss und Kulinarik noch stärker positioniert werden.

Das Land Salzburg investiert 1,8 Millionen Euro

Mit 1. Juni startet das Projekt mit dem Herkunfts-Zertifikat des Salzburger Landes. Seit zwei Jahren wurde es vorbereitet - mit einer Umfrage unter Konsumenten als Grundlage. 1,8 Millionen Euro sind für drei Jahre budgetiert. Die Mittel kommen aus Landwirtschafts- und Wirtschafts-Töpfen des Landes.
Projektpartner sind das Agrarmarketing, die Bauernkammer, die Fleischer-Innung und das Lebensmittelgewerbe der Wirtschaftskammer sowie die Salzburger Land Tourismus GmbH.

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