Wirtschaft

Jobsuche mit Behinderung: "Ich bin blind und nicht blöd"

Stefan Martin hat studiert und sucht nun einen Job. Wie er den Büro-Alltag meistert.

Eine Braillezeile übersetzt Stefan Martin alles in Blindenschrift.  SN/wienerroither
Eine Braillezeile übersetzt Stefan Martin alles in Blindenschrift.

"Windows wird gestartet", sagt die Audioausgabe des Laptops. Stefan Martin fährt mit seinem rechten Zeigefinger eine Zeile entlang, die aus winzigen Punkten besteht. Unter seiner Tastatur liegt eine Braillezeile, die ihm Texte in Blindenschrift übersetzt. Gleichzeitig ermöglichen diese Punkte dem 32-jährigen Elixhausner, sich durch Programme zu hanteln.

Martin hat mit der Technologie seine Masterarbeit in Kommunikationswissenschaft geschrieben. Er ist seit seiner Geburt blind, hat aber immer einen Weg gefunden, sein Ziel zu erreichen. "Aber jetzt frage ich mich, wie es weitergehen soll."

Sein Traumjob: In der Kommunikationsabteilung eines großen Unternehmens zu arbeiten. Nicht nur telefonisch, auch mit Kundenkontakt. Im Beauftragtencenter der Stadt Salzburg hat er für drei Monate ein Praktikum gemacht. "Das Feedback war gut, meine Kunden haben sich sehr gut von mir betreut gefühlt."

Einmal recherchierte er für einen Asylbewerber etwas im Internet. "Er kam aus dem Staunen nicht mehr raus, wie ich mich im Internet bewege." Woher er das weiß? Stimmungen könne man nicht nur erkennen, sondern auch hören. "Die Stimme verändert sich. Und die Menschen atmen ein oder aus", sagt der Elixhausner.

Einen Job im Magistrat bekam er nicht; es war keine Stelle frei. Martin hat seit September 2017 zahlreiche Bewerbungen geschrieben - und nur Absagen erhalten. Es sei zermürbend, erzählt der 32-Jährige. "Ich will nicht von meinen Eltern oder der Mindestsicherung abhängig sein. Ich bin blind und nicht blöd."

Er ist enttäuscht von der amtierenden Regierung: "Sie drängen behinderte Menschen in die Mindestsicherung, indem sie Förderungen streichen." Martin würde gern mit den Betrieben besprechen, wie er sich im Büro zurechtfindet. Er könne wie ein sehender Mensch arbeiten - dank Audioausgabe und Braillezeile. "Es wäre schön, wenn Firmen mir die Möglichkeit geben würden, sie zu überzeugen."

Aufgerufen am 22.02.2019 um 09:24 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/jobsuche-mit-behinderung-ich-bin-blind-und-nicht-bloed-63804151

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