Wirtschaft

Kuchen gegessen: Salzburger Konditor feuert Angestellte

Eine Kellnerin bekam monatelang kein Gehalt, stattdessen nach dem Verzehr eines Stück Kuchens die Kündigung. Die Arbeiterkammer klagt.

Kuchen gegessen: Salzburger Konditor feuert Angestellte SN/www.bilderbox.com

Ein besonders dreister Fall beschäftigt derzeit die Rechtsabteilung der Salzburger Arbeiterkammer. Frau T., Mitarbeiterin in einer Konditorei, naschte ein Kuchenstück - und wurde daraufhin entlassen. Zuvor habe sie jedoch seit Monaten keinen Lohn erhalten, meldet die AK. "Mir ist in meiner langjährigen Dienstzeit als Arbeitsrechtler schon vieles untergekommen, aber so etwas Perfides habe ich noch nicht erlebt: Der Dienstgeber hat ihr seit Mai 2016 kein Gehalt mehr überwiesen und entlässt dann die Mitarbeiterin, weil sie ein Stück Kuchen gegessen hat", zeigt sich Heimo Typplt, Leiter der AK-Rechtsabteilung, fassungslos. Die Arbeiterkammer hat bereits Klage eingebracht.

Frau T. sei seit einem Jahr als Servierkraft in Teilzeit in der besagten Konditorei beschäftigt. Ab Mai 2016 habe der Dienstgeber aus heiterem Himmel seine Lohnzahlungen eingestellt, erklärt Typplt. Die Mitarbeiterin sei immer wieder vertröstet worden. "Man kann sich ausmalen, in welche Zwangslage die Arbeitnehmerin gekommen ist, schließlich hat sie ja wie jeder Mensch Fixkosten zu tragen", beschreibt er die Situation.

Ein Kuchenstück führte zur Kündigung

Die verzweifelte Kellnerin habe sich an die Arbeiterkammer gewandt, "nur durch die finanzielle Unterstützung von Freunden und durch das Entgegenkommen der Hausbank kam Frau T. halbwegs über die Runden." Sogar ihr Bankbetreuer habe sich beim Dienstgeber der Frau gemeldet, um das Gehalt einzufordern. Vergeblich.

Als die Kellnerin sich eines Tages, wie es bis dahin üblich war, bei einem Kuchenstück bediente, wurde sie vom Dienstgeber aufgefordert, dieses umgehend zu bezahlen. Frau T. entgegnete, dass sie das gerne tun werde, wenn sie endlich das ihr zustehende Gehalt bekäme. Daraufhin wurde sie fristlos entlassen, schreibt die Arbeiterkammer in einer Aussendung. So hat die AK letztlich Klage eingebracht, informiert Typplt und erwähnt ein weiteres tragisches Detail: In der Zwischenzeit verstarb der Vater von Frau T. Aus Geldmangel konnte sie nicht in ihr Heimatland fahren, um an der Beerdigung teilzunehmen. Der Experte rät sich bei Problemen mit dem Arbeitgeber rasch an die AK zu wenden.

Wirtschaftskammer Salzburg wusste von dem Fall nichts

Die Wirtschaftskammer hingegen bietet Unternehmen Beratung sowie Rechtsschutz. Der konkrete Fall in der Stadt Salzburg sei der Wirtschaftskammer nicht bekannt gewesen, sagte Lorenz Huber, Referent für Sozial- und Arbeitsrecht. Für eine fristlose Entlassung bedürfe es aber eines wichtigen Grundes, gab er zu bedenken.

Eine Stellungnahme des Dienstgebers gegenüber der AK habe trotz Aufforderung jedoch nie stattgefunden, sagt Typplt. "Da eine außergerichtliche Intervention ergebnislos blieb, wurde von uns Klage beim Arbeits- und Sozialgericht eingebracht und alle offenen Ansprüche von Frau T., insgesamt 5000 Euro, eingeklagt." Ob es zu einer öffentlichen Verhandlung komme, bliebe abzuwarten, hieß es von Seiten des Landesgerichts.

Quelle: SN

Aufgerufen am 16.11.2018 um 04:26 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/kuchen-gegessen-salzburger-konditor-feuert-angestellte-1061803

Schlagzeilen