Wirtschaft

Lilly Bruckner fertigt Taschen aus untypischem Material

Alte Kaffeeverpackungen verarbeitet Lilja Bruckner in ihrer "kava Werkstatt" zu stylischen Taschen. Beim diesjährigen Handwerkspreis hat sie dafür einen Anerkennungspreis erhalten.

Sie ist selbst eine leidenschaftliche Kaffeetrinkerin, die viele Sorten ausprobiert. Beim Besuch in Kaffeehäusern stechen ihr regelmäßig die verschiedenen und oft bunten Kaffeeverpackungen ins Auge. Und eines Tages dachte sie sich: "Da lässt sich mehr herausholen als die Bohne."

Heute fertigt Lilly Bruckner aus dem untypischen Material optisch ansprechende Taschen und hat seit Mai dafür offiziell ein Gewerbe angemeldet. Gut 15 Kaffeehäuser sammeln die Säcke, aus denen die zweifache Mutter dann an der Nähmaschine sitzend ihre Werkstücke fertigt. "Mir geht es um Müllvermeidung, ein sinnvolles Recycling. Um Nachhaltigkeit. Ich bin ein veganer Mensch. Wir denken anders", erzählt die gebürtige Bosnierin. Offenbar können immer mehr Menschen diesem Denken etwas abgewinnen. Abgesehen davon, dass Bruckner alten Verpackungen neues Leben einhaucht, bildet sich allmählich eine Art zweiter Kreislauf: Die Leute, die das Verpackungsmaterial an die Kleinunternehmerin abgeben, fangen an sich für ihre Stücke zu interessieren. "Sie sagen: Schicken Sie uns doch ein paar zu", sagt Bruckner: "Die Menschen sind neugierig und wollen sehen, was ich daraus mache."

In einem Salzburger Caféhaus steht bereits ein von Bruckner aus Kaffeesäcken genähter Zeitungs- und Toilettenpapierständer. Andere haben Interesse signalisiert, die Taschen bei sich auszustellen und zu verkaufen.

Besonders schöne Packungen mit historischen Bildern fielen beim Kurzurlaub in Berlin ab. Dort besuchte sie mit ihrem Mann Markus eine Rösterei, bat um das Leergut und bekam es. Diese Tasche (im Bild auf ihrem Schoß) reichte Bruckner für den diesjährigen Handwerkspreis ein - und erhielt im Oktober von der Wirtschaftskammer prompt einen Anerkennungspreis. "Das macht mich stolz", sagt die junge Unternehmerin. Derzeit arbeitet sie von ihrem Zuhause in der Alpenstraße aus. Bis zu drei Taschen näht sie pro Vormittag. Den restlichen Tag über kümmert sich die 42-Jährige um ihre Tochter.

Gang und Wohnzimmer nimmt sie mittlerweile voll in Beschlag. Deshalb geistert bereits die Idee im Kopf herum, irgendwo einen eigenen Raum für die Fertigung zu finden - "aber das muss sich finanziell ausgehen", sagt Bruckner, die nachmittags als Reinigungsfrau arbeitet. Eine ihrer Taschen kostet aktuell zwischen 18 und 30 Euro, bei speziellen Kundenwünschen auch einmal 40. Demnächst sind Stücke am Christkindlmarkt in Fuschl zu sehen. Bruckner will ihr Handwerk "wachsen" lassen, will es aber langsam angehen.

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