Wirtschaft

Luxusresort wächst: Aha-Effekt in Pongauer Dorf

Der Tourismus ist krisenfest. Noch mehr Qualität ist gefragt. Auf der größten Hotelbaustelle des Landes in Werfenweng herrscht Hochbetrieb.



Eine Winterpause am Bau gab es heuer in Werfenweng nicht. Ein Jahr nach dem Baubeginn laufen die Arbeiten am Bergresort der Berliner Hotelkette Travel Charme auf Hochtouren. Jahrelang war um das Projekt gerungen worden. Eröffnungstermin wird Anfang Dezember sein.

Das Dorf Werfenweng liegt auf einer sonnigen Terrasse. Es wird praktisch um eine kleine Hotelstadt auf drei Hektar mit 123 Zimmern und Suiten sowie 48 Residenzen (Appartements) erweitert - mit herrlichem Blick auf den Hochkönig. Für das Projekt gibt es einstimmige Beschlüsse in der Gemeinde. Es kamen aber auch kritische Stimmen aus der Bevölkerung. Jetzt nimmt das Bergresort Formen an. Erste Fassaden sind zu sehen. Es gebe einen "Aha-Effekt" und viele, großteils positive Rückmeldungen, sagt Bgm. Peter Brandauer (ÖVP). Ein Bauvorhaben dieser Größe brauche eine moderne Gestaltung, keine "klassische Lederhosenarchitektur". Dennoch dominieren heimische Baustoffe, vor allem Holz. "Lärche natur, nur geölt, zum Teil auch Stein, verputzte Sockel, Böden aus Eiche", nennt Architekt Hermann Eisenköck ein paar Beispiele. Auch die Pflanzen im Garten werden heimisch sein, etwa die an Bächen und Waldrändern typischen Sträucher.

Die Investitionen in das Vier-Sterne-Superior-Hotel beziffert der Projektbetreiber mit 47 Mill. Euro netto. Das Hotel besteht aus drei Bauteilen. Die Residenzen - sie werden verkauft - sind in sechs Häusern. Werfenweng will verhindern, dass es Zweitwohnsitze werden. Die Appartements sind über Brücken mit dem Hotel verbunden und müssen gemäß Vertrag über das Hotel weitervermietet werden (außerhalb der zeitlich beschränkten Eigennutzung). Autos werden in der Tiefgarage mit 153 Stellplätzen untergebracht. Der Wellnessbereich werde an die 2000 Quadratmeter groß, sagt der Grazer Architekt, der über seine Gattin familiär mit Werfenweng verbunden und einer der zwei Geschäftsführer der Hotelerrichtungs- und Besitzgesellschaft ist.

Das Resort mit zirka 85 Arbeitsplätzen soll den Ganzjahrestourismus ankurbeln. Für den Winter ist eine direkte Anbindung an das Skigebiet Voraussetzung. Die Zeit drängt. Geplant ist eine 700 Meter lange Kabinenbahn vom Dorfplatz auf das Rosnerköpfl, wo auch eine Rodelbahn, Wanderwege und ein Restaurant entstehen sollen. "Wir sind im Behördenverfahren. Es schaut gut aus. Das ist außerhalb des Landschaftsschutzgebiets", sagt der Ortschef. Erst gebaut werden muss auch ein Biomasseheizwerk um 2,3 Mill. Euro. Man sei bei der Finanzierung "in der Endphase". Schon in Bau ist ein neuer Trinkwasserbrunnen in Ruhdorf. Außerdem werde es auf dem Hotelgelände, außerhalb des Quellschutzgebiets, einen Brauchwasserbrunnen geben, der ein Viertel des Wasserbedarfs decken soll. Immerhin gilt es weit über 200 WCs in der neuen Anlage zu spülen.

Auch ein sehr uriges Gebäude wird aufgestellt: Das 350 Jahre alte Strobl-Bauernhaus wird eine Gaststätte beherbergen. Noch sind die Teile in einer Zimmerei eingelagert.

Dem Bergresort bescheinigt Reinhold Hauk, Tourismusexperte der Wirtschaftskammer, ein "ausgezeichnetes Konzept", das sich freilich in der Praxis bewähren müsse. Ein "Allheilmittel" für andere Orte sei es nicht. Generell hätten 5/4-Sterne-Betriebe deutlich höhere Auslastungen (im Schnitt 51,5 Prozent) als die 3-Sterne-Kategorie (35 Prozent) und 2/1-Sterne-Häuser (24 Prozent).

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