Wirtschaft

Mehr Arbeitslose: Baubranche zittert unter der Kälte

Die Arbeitslosigkeit in Salzburg geht weiter zurück - wenn auch nur gering. Aber eine Branche leidet besonders unter dem Winter.

Symbolbild. SN/APA/HARALD SCHNEIDER
Symbolbild.

Mit einem Minus von 0,9 Prozent oder 136 Personen ist der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Bundesland Salzburg geringer ausgefallen als in den Vormonaten (Österreich: -3,0 Prozent). Damit waren mit Stichtag Ende Jänner 15.495 Personen arbeitslos vorgemerkt.

Die Anzahl der Schulungsteilnahmen war um 11,3 Prozent auf 2507 rückläufig. Diese eingerechnet, waren 18.002 Personen (-455) auf der Suche nach einem Job - um 2,5 Prozent weniger als vor einem Jahr (Österreich: -4,9 Prozent).

Die unselbständige Beschäftigung ist nach einer vorläufigen Berechnung (genaue Daten des Hauptverbandes liegen erst zur Monatsmitte vor) um 1,2 Prozent bzw. rund 3000 auf 264.000 Dienstverhältnisse gestiegen (Österreich: +1,9 Prozent). Damit beträgt die Arbeitslosenquote 5,5 Prozent, das ist nach Tirol (5,2 Prozent) der zweitniedrigste Wert bundesweit (Österreich: 9,0 Prozent, nationale Berechnungsmethode).

"Auf dem Arbeitsmarkt sehen wir aktuell den Unterschied zwischen dem warmen Jänner des Vorjahres und der winterliche Kälte heuer", erklärt Jacqueline Beyer, Landesgeschäftsführerin des Arbeitsmarktservice Salzburg, den relativ geringen Rückgang der Arbeitslosigkeit: "Das bekommt vor allem das Bauwesen zu spüren, wo die Arbeitslosigkeit deutlich zugenommen hat."

Jeder vierte Arbeitslose ist aus dem Bauwesen

In dieser Branche ist die Arbeitslosigkeit um 7,0 Prozent (+271 Personen) auf 4120 Vorgemerkte gestiegen, demnach stammt mehr als jeder vierte Arbeitslose aus dem Bauwesen.

Deutlich zurückgegangen ist dagegen die Arbeitslosigkeit im Hotel- und Gastgewerbe mit einem Minus von 7,7 Prozent, sowie bei den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen - hierzu zählen Arbeitskräfteüberlasser, Reinigungs- und Sicherheitsdienste - mit einem Minus von 7,4 Prozent. Überproportional rückläufige Arbeitslosenzahlen verzeichneten auch das Gesundheits- und Sozialwesen (-3,9 Prozent), der Handel (-2,5 Prozent) und die Warenherstellung (-2,2 Prozent). Die Zahl der dem AMS zur sofortigen Besetzung gemeldeten offenen Stellen hat um 6,2 Prozent auf 6318 zugenommen.

Geschlechtervergleich: Mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen arbeitslos

"Der gegenwärtig starke saisonale Einfluss auf den Salzburger Arbeitsmarkt wird sichtbar, wenn man die Arbeitslosigkeit nach Geschlecht näher betrachtet", weist AMS-Chefin Beyer auf eine Besonderheit auf dem Salzburger Arbeitsmarkt hin: "Während im Allgemeinen Männer den Konjunkturaufschwung mit einem stärkeren Abbau der Arbeitslosigkeit in den produzierenden Branchen besser nutzen konnten, ist aktuell der prozentuelle Rückgang der Arbeitslosigkeit bei Frauen doppelt so stark und auch absolut waren mehr als doppelt so viele Männer wie Frauen arbeitslos". Der Grund sei der Saisonhöhepunkt im eher von weiblichen Arbeitskräften dominierten Tourismusgewerbe, während von der Winterarbeitslosigkeit am Bau fast ausschließlich Männer betroffen sind, so Jacqueline Beyer. Ende Jänner waren exakt 5008 Frauen (-1,5 Prozent) und 10.487 Männer (-0,6 Prozent) arbeitslos.

Mehr Über-50-Jährige arbeitslos

Nach einem zuletzt rückläufigen Trend ist im Jänner auch die Arbeitslosigkeit bei Arbeitskräften ab 50 Jahre gestiegen (+5,6 Prozent). Landesgeschäftsführerin Beyer ist aber überzeugt, dass damit der Trend nicht gebrochen ist. Vielmehr sei auch dieser Anstieg zu einem guten Teil auf die Saisonarbeitslosigkeit am Bau zurückzuführen. 115 von 271 zusätzlichen Bau-Arbeitslosen stammen aus dieser Altersgruppe. Entschärft wird die Lage allerdings dadurch, dass 100 davon (+13,3 Prozent) eine Einstellzusage in der Tasche haben.
Nichtsdestotrotz möchte das AMS Salzburg im laufenden Jahr einen Schwerpunkt auf die Altersgruppe 50 plus richten und dafür das arbeitsmarktpolitische Instrument der Eingliederungsbeihilfe verstärkt nutzen, kündigt Jacqueline Beyer an. Heuer stünden für diese betriebliche Förderung um vierzig Prozent mehr Mittel zur Verfügung.
Die Jugendarbeitslosigkeit (bis 24 Jahre) ist mit einem Minus von 2,8 Prozent weiterhin rückläufig. Als erfreulich weist man beim AMS Salzburg auch auf den mit minus 9,3 Prozent starken Rückgang der Langzeitarbeitslosigkeit (über 1 Jahr) hin. Ebenso positiv ist der Rückgang um 12 Prozent bei den Lehrstellensuchenden bei gleichzeitig um 11,7 Prozent steigender Zahl an offenen Lehrstellen zu bewerten. Auf 300 Lehrstellensuchende entfallen aktuell 803 sofort verfügbare freie Lehrstellen.
Unter dem Aspekt saisonbedingter Entwicklungen ist auch die Arbeitsmarktlage in den Bezirken zu bewerten: Während im Lungau (-9,1 Prozent), im Tennengau (-4,0 Prozent) und in der Stadt Salzburg (-3,6 Prozent) die Arbeitslosigkeit gesunken ist, verzeichneten der Pongau (+1,8 Prozent), der Pinzgau (+2,2 Prozent) und der Flachgau (+3,2 Prozent) Zuwächse. Auch hier fällt auf: In den Bezirken mit zunehmender Arbeitslosigkeit ist dies auf den verstärkten Zuwachs der Bauarbeitslosigkeit zurückzuführen.

Quelle: SN

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