Wirtschaft

Mikroskop beflügelt Wasserstoff-Forschung

Die Uni Salzburg hat zwei Millionen Euro erhalten, um ein Spezialmikroskop aufzurüsten. Es soll helfen, dass Wasserstoffautos den Durchbruch schaffen.

Simone Pokrant mit dem Spezialmikroskop, das nun um zwei Millionen Euro aufgerüstet wird. Das Projekt startet am 1. April und läuft drei Jahre.  SN/uni salzburg/kolarik
Simone Pokrant mit dem Spezialmikroskop, das nun um zwei Millionen Euro aufgerüstet wird. Das Projekt startet am 1. April und läuft drei Jahre.

Einer Gruppe an der Uni Salzburg unter Leitung der Materialwissenschafterin Simone Pokrant ist es gelungen, erstmals zwei Mill. Euro von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) in Wien einzuwerben. Verwendet werden sie für die Aufrüstung eines 2018 gekauften, hochauflösenden Transmissions-Elektronenmikroskops (TEM). Damit soll unter anderem die Forschung zu erneuerbaren Energien auf Wasserstoffbasis angekurbelt werden. Pokrant, die Professorin für Funktionsmaterialien ist, beschäftigt sich mit Materialien im Bereich erneuerbarer Energien, etwa von Batterien oder photoelektrochemischer Wasserspaltung. Pokrant: "Meine Hoffnung ist, dass wir bald Wasserstoff direkt aus Sonnenlicht gewinnen können - mittels Photokatalysatoren, die bei Kontakt mit Wasser dieses in Wasserstoff und Sauerstoff aufspalten."

Mit dem Wasserstoff könnten künftig dann Autos, aber auch Heizungen betrieben werden. Derzeit werde Wasserstoff meist aus Erdöl gewonnen und sei schwer CO2-belastet, betont sie. Der mittels Photokatalysatoren erzeugte "grüne" Wasserstoff soll langfristig den Vorteil haben, dass er billiger sei als jener, der mittels Photovoltaik-Strom und Elektrolyse hergestellt werde, sagt Pokrant. Zudem sei dieser Wasserstoff generell umweltfreundlich herstellbar, CO2-frei in der Nutzung und gut speicherbar: "Um diese Forschung voranzutreiben, brauchen wir das TEM mit seinen zusätzlichen Funktionen wie energiegefilterten Aufnahmen und Probenuntersuchungen bei tiefen Temperaturen." Allerdings: Die Forschungen sind zeitintensiv: Die Massenproduktion von grünem Wasserstoff könnte erst in rund 30 Jahren wirtschaftlich konkurrenzfähig sein, glaubt Pokrant.

Um die Möglichkeiten des aufgerüsteten Mikroskops effizient zu nutzen, kooperiert sie auch mit den Biologen an der Uni: "Wir Materialwissenschafter können viel von ihnen lernen, da sie im Umgang mit empfindlichen Materialien bessere Techniken entwickelt haben. Umgekehrt sind wir im Einsatz kontrasterhöhender Techniken geübter."

Mit dem Zuschlag der FFG-Mittel hat Pokrant nicht unbedingt gerechnet: "Es war für uns alle ein freudiges Erschrecken. Noch dazu war es für mich der erste FFG-Antrag", sagt die 50-jährige Forscherin, die aus dem nahen bayrischen Altötting stammt - und nach etlichen Jahren in der Halbleiterindustrie 2018 an die Uni Salzburg berufen wurde: "Salzburg ist für mich jetzt ein Nachhause-Kommen."

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