Wirtschaft

Mit einem Spiel die Schulden wegwischen

Geld kann kompliziert sein. Das muss es aber nicht: Das Spiel "Cure Runners" will Jugendlichen die Finanzwelt näherbringen, damit sie keine Schulden machen.

Eine vergiftete Insel, auf der Pollenstürme den Menschen die Luft zum Atmen nehmen. Eine Heldin mit Mission. Und eine grüne Substanz, die Leben rettet. Das ist die Welt des Spiels "Cure Runners", das Jugendliche den Umgang mit Geld lehren will.

"Cure ist Währung und Überlebenselixier", sagt Lena Robinson. Die 27-jährige Grazerin hat mit drei weiteren Frauen die Firma Three Coins gegründet. Mit "Cure Runners" haben sie 2011 den "Ideen gegen Armut"-Preis gewonnen. Cure verdient die Heldin durch AufträgeDie Heldin des Spiels läuft durch ihre Welt, muss Hindernisse überwinden und Gasmasken einsammeln. Cure verdient sie durch Aufträge, doch bei jedem Schritt ohne Gasmaske rinnt ihr das Überlebenselixier aus der Tasche.

Die Szene hat Parallelen mit dem echten Leben: Zum Fortgehen etwa, wenn die Jugendlichen merken, dass sich das Geld in ihrer Tasche verflüssigt. "Bevor sie zum Bankomaten laufen, sollen sie überlegen, ob sie wirklich mehr Geld brauchen", sagt Robinson. Im Spiel können die jungen Österreicher einfach auf Stopp drücken und das Level neu starten. In der Realität können sie sich entscheiden, die PIN nicht in den Bankomaten einzutippen.Bereits 10.000 Downloads des Spiels"Cure Runners" spielt man auf dem Smartphone. Die App gibt es gratis für Android und iPhone. Seit Anfang April haben 10.000 Österreicher das Spiel auf ihr Handy geladen - 80 Prozent nutzen es regelmäßig. "Für uns ist das bereits ein totaler Erfolg", sagt Robinson.

Auf der vergifteten Insel zählt jeder Schritt. Jede Entscheidung kann das Leben der Heldin verändern. Wenn sie etwa in einem Schlafsaal wohnt, geben ihr Mitbewohner Zusatzaufträge. Dafür muss sie die Miete mit Cure bezahlen. Wenn sie obdachlos ist, nimmt sie weniger Elixier ein. Knallt der Spieler gegen die Sparziele? Was die Heldin besitzt, zeigt ein Ressourcenmanagementsystem. Wenn es Zeit ist, die Miete zu zahlen, baut sich ein riesiger Schuldenberg auf. "Ich sehe, ob ich mit voller Wucht gegen das Sparziel knalle, ob ich noch einen Auftrag annehmen muss", sagt Robinson.

Das Entwicklerteam hat Pläne, das Managementsystem als eigene App anzubieten. Der Spieler hätte dann auch im realen Leben einen Überblick über seine Finanzen. "Toll wäre es, wenn wir dafür einen überbanklichen Partner finden würden." Dann könnten die Kontostände und jede Belastung der Kreditkarte automatisch einfließen. "Das selbst einzutippen ist eine große Hürde."Trainingspakete in Schulen: Auch in Salzburg?Nur weil Jugendliche "Cure Runners" spielen, wird jedoch nicht die ganze Welt von Schulden befreit. "Uns ist sehr wohl bewusst, dass im Spiel Gelerntes nicht automatisch in der Realität umgesetzt wird", sagt Robinson. Deshalb will Three Coins Trainingspakete für Schulen und Jugendzentren entwickeln. ",Cure Runners‘ könnte etwa im Unterricht gespielt werden - um dann darüber zu diskutieren."

Da kommt auch die Salzburger Schuldenberatung ins Spiel. Three Coins stellt den Beratern die App zur Verfügung. "Es ist ein Versuch, junge Schuldner über neue Medien anzusprechen", sagt Peter Niederreiter von der Schuldenberatung. Ob die Lehren aus "Cure Runners" wirklich in den Salzburger Schulen diskutiert werden, steht jedoch in den Sternen: "Unsere Kapazitäten sind eher gering."

Aufgerufen am 25.08.2019 um 06:52 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/mit-einem-spiel-die-schulden-wegwischen-3660193

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