Wirtschaft

Nach Umsatzkrise: Roco Modelleisenbahn setzt auf Vietnam

Die Firma aus Bergheim hatte es in den vergangenen Jahren nicht leicht. Die Produktion in Vietnam soll nun die Kosten für Roco senken.

In der Modelleisenbahnwelt in Bergheim-Lengfelden dreht eine schwarze Lok ihre Runden, bis sie vor einer roten Ampel hält. So wie die Miniaturlok habe zuletzt auch der Umsatz für die Modelleisenbahnen gestoppt. In den vergangenen zehn Jahren sei das Verkaufsvolumen in der Branche um ein Drittel zurückgegangen, sagt Gerhard Joiser, Geschäftsführer der Modelleisenbahn GmbH. Die Holding vertreibt die Marken Roco und Fleischmann. Der Einbruch sei auch bei ihnen nicht spurlos vorüber gegangen: Während das Unternehmen 2013 noch Produkte um 51 Millionen verkauft hat, waren es 2015 nur noch 47,5 Millionen. "Wir haben die Preise zu stark erhöht, das war ein klarer Fehler. Aber wir konnten schon 2015 gegensteuern."

Vergangenes Jahr habe die Krise jedoch die Talsohle erreicht. Nun steige der Umsatz wieder: 2016 verkauften die Bergheimer Loks, Anhänger und Schienen um 49 Millionen Euro. Dieses Jahr will Joiser den Umsatz halten.

Der Geschäftsführer will zum einen verstärkt Männer über 40 Jahren ansprechen. "Sie haben noch Kindheitserinnerungen an die Modelleisenbahn, an die sie anknüpfen können." Zudem will er die Zusammenarbeit mit Lieferanten, Mitbewerber und Fachhändler stärken. Denn sie würden alle in einem Boot sitzen. "Wir bündeln unsere Kräfte."

80 Mitarbeiter bauen 200.000 Waggons

Ein weiterer Schritt sei es, die Kosten der Produktion zu senken. Einerseits dadurch, dass es künftig nur mehr 800 statt 1000 Neuheiten pro Jahr geben sollte. Gleichzeitig sollen die produzierten Stück pro Neuheit um 20 Prozent steigen.

Andererseits hat die Gruppe einen Teil der Fertigung nach Vietnam verlagert. Vergangenes Jahr bauten 80 Mitarbeiter 200.000 Waggons zusammen, das sind fünf Prozent der gesamten Produktion. Das Know-How, die Technik und die Konstruktion sollen jedoch weiterhin in Europa bleiben: "In Vietnam werden einfachere Modelle hergestellt." Die Produktionsstätten in Rumänien und der Slowakei bleiben erhalten. Insgesamt haben Roco und Fleischmann 750 Mitarbeiter, 100 davon arbeiten in Bergheim.

Die neue Produktionshalle habe aber 2016 trotz des steigenden Umsatzes zu einem negativen Ergebnis geführt. Wie hoch der Abgang genau war, will Joiser nicht sagen. Er liege aber im siebenstelligen Bereich. Bereits dieses Jahr sollen sich Kosten und Umsatz jedoch die Waage halten, 2018 will das Unternehmen schwarze Zahlen haben. Mit den geplanten 50 Millionen Euro Umsatz wären die Bergheimer dann wieder auf dem Niveau von 2014. In den kommenden vier Jahren will Joiser zudem den Umsatz um ein Fünftel steigern. "Unsere Hausbank steht voll hinter uns. Wir haben zu kämpfen gelernt."

Aufgerufen am 22.09.2018 um 10:51 auf https://www.sn.at/salzburg/wirtschaft/nach-umsatzkrise-roco-modelleisenbahn-setzt-auf-vietnam-521860

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