Wirtschaft

Neue Stromzähler bringen 90 Euro Mehrkosten pro Jahr

Die Salzburg AG muss 425.000 Zähler auswechseln. Über die Kosten und den Zeitraum für die Tauschaktion wird jetzt heftig diskutiert. Die Versorger werden die Konsumenten zur Kasse bitten.



Stromableser ist ein aussterbender Beruf. Schon vor einigen Jahren stellten die heimischen Energieversorger auf die Selbstablesung durch die Konsumenten um. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser: Nach diesem Motto rückt der Stromableser immer wieder aus, um Stichproben zu nehmen oder um zu kontrollieren, wenn sich bei den Verbrauchsdaten gröbere Unregelmäßigkeiten ergeben haben.

Jetzt stellt die heimische Energiewirtschaft um: Die elektromagnetischen Zähler, die meist schon länger als 20 Jahre im Einsatz sind, haben ausgedient. Die Zukunft gehört digitalen Geräten.

Die EU fordert, dass 80 Prozent der Geräte bis Ende 2020 auf das neue Messsystem umgestellt werden. Der Bund hat noch strengere Regelungen erlassen: Demnach müssen die intelligenten Messsysteme schon bis 31. Dezember 2019 zu 95 Prozent im Einsatz sein.

Die Experten versprechen sich vom Einsatz der "Smart Meter" einen sparsameren Umgang mit Energie durch die Kunden. Der Zähler zeigt dem Kunden sofort den aktuellen Energieverbrauch an. Mit der Information kann der Betreffende kontrollieren, ob und wie Energiesparmaßnahmen wirken - von der Reduktion der Raumtemperatur bis zum Einsatz energieeffizienter Geräte.

Mit der Umstellung kommen auf die heimische Energiewirtschaft große finanzielle Lasten zu: Die Konzerne rechnen mit Mehrkosten von 2,5 Mrd. Euro - allein im Strombereich. Auf die Salzburg AG kommt bis 2020 ein Mehraufwand von knapp 200 Mill. Euro zu. In diesem Betrag sind sowohl die 425.000 Zähler enthalten als auch Montagen und Umbauten sowie Schulungen und Datenkommunikation.

Die digitalen Zähler sind erheblich teurer als die herkömmlichen Geräte. Zudem müssen sie alle acht Jahre ausgetauscht werden. Nur bei einem Qualitätstest kann die Frist um fünf weitere Jahre erstreckt werden. Experten gehen davon aus, dass die jährlichen Kosten des neuen Systems drei Mal so hoch sein werden wie bisher. Die Frage ist noch nicht beantwortet, wie viel von den Mehrkosten die Energieunternehmen "schlucken" müssen und was sie auf die Konsumenten überwälzen können. Intern ist aber davon die Rede, dass die Konsumenten mit Kosten von 60 bis 90 Euro pro Jahr rechnen müssen. Es ist mehr als zweifelhaft, ob sich ein Haushalt durch die Änderung seines Nutzungsverhaltens einen solchen Betrag ersparen kann. Der Verband der Elektrizitätsunternehmen Österreichs (VEÖ) kam schon vor Jahren zu einem eindeutigen Ergebnis: "Nach reinen Wirtschaftlichkeitskriterien macht die flächendeckende Einführung von Smart Metering keinen Sinn."

Die Experten ziehen auch in Zweifel, ob sich die gewünschten Einspareffekte in den Haushalten erzielen lassen. "Es scheint sich abzuzeichnen, dass sich die Hoffnungen nicht erfüllen werden."

"Für die Haushalte bringt die Umstellung im besten Fall ein Nullsummenspiel", sagt Aufsichtsratsvorsitzender Christian Struber von der Salzburg AG. Er spricht von einer "sinnvollen Technologie", drängt aber auf eine längere Einführungsphase bei Haushalten. "Jetzt sollen vorrangig die großen und mittelgroßen Verbraucher mit mehr als 6000 kW/h Jahresverbrauch umgestellt werden." Es sei auch keine Frage, dass in Neubauten digitale Zähler installiert würden. Dasselbe gelte für den Austausch kaputter Altgeräte oder wenn Privatpersonen sofort eine Umstellung wünschten.

Struber hinterfragt auch, ob der digitale Zähler die Verbrauchswerte für jede Viertelstunde aufzeichnen muss. "Datenschützer kritisieren den kurzen Intervall, weil man dadurch ein Profil des Kunden erstellen lassen könnte."

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